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Merken   Drucken   23.08.2011, 10:51 Schriftgröße: AAA

Jagd auf die besten Forscher: Uwe Marder - Der Milchmischer von Kraft Foods

Er rührt zusammen, was nicht zusammenwill: Frischkäse und Schokolade etwa. Uwe Marder entwickelt für Kraft Foods die Verkaufsschlager von morgen - und übergeht dabei gewohnte Geschmackskonventionen. von Gregor Kessler  München
Der Mann hat Geschmack. Unter dem Häubchen steckt einer von Kraft ...   Der Mann hat Geschmack. Unter dem Häubchen steckt einer von Kraft Foods erfolgreichsten Lebensmittelentwicklern: Uwe Marder, Chef des Münchner Forschungszentrums
Wichtig ist Uwe Marder, dass die Dinge im Fluss bleiben. Stagnation ist fatal. Zu hohe Geschwindigkeit auch. Das ist der Spagat der Strömungstechniker. Gar kein leichter, schon gar nicht, wenn Frischkäse und Schmelzkäse strömen sollen, ohne sich in Turbulenzen miteinander zu vermischen. Weil Marder es dann doch geschafft hat, gibt es heute Scheibletten, die mit Philadelphia-Frischkäse gefüllt sind. "Ein köstliches Duo-Texture-Geschmackserlebnis", schwärmt Marder, bei dem es rhetorisch schon mal ein bisschen denglisch ausflockt.
Uwe Marder ist Chef des Münchner Forschungszentrums von Kraft Foods , der Inkubationszelle für einige der erfolgreichsten Molkereiprodukte des Lebensmittelriesen. Sein jüngster Bestseller: Philadelphia mit Milka. Der leichtere Nutella-Konkurrent werde schneller aus den Regalen gerissen, als die Händler es nachstellen können, berichten strahlende Kraft-Mitarbeiterinnen.
Gewisse chemische Hürden
Marder schwärmt eher davon, dass sich Schokolade und Frischkäse in dem neuen Produkt nicht nach einer Weile entmischen wie Öl und Wasser: "Bei Kraft Foods wissen wir sehr genau, wie man Schokolade und wie man Frischkäse macht - aber wenn man beides zu einem Produkt kombinieren will, dann ergeben sich doch gewisse Hürden."
Kursinformationen und Charts
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Marder ist so etwas wie der Coach der Münchner Hürdenläufermannschaft von Kraft Foods. Gut 30 Leute arbeiten hier in seinem Team. Koryphäen für Milcheiweiß, Experten für Proteinketten, aber auch Maschinenschlosser und Verpackungsdesigner. Schließlich wird hier alles von der ersten Idee bis zur fertigen Produktionslinie entwickelt. Marder, studierter Lebensmitteltechniker, sorgt dafür, dass die verschiedenen Parteien gut zusammenarbeiten. "Ich versuche, Neugierde zu wecken, zu begeistern und die richtigen Fragen zu stellen, um den Entwicklungsprozess zu fördern", umreißt er seinen Job. Im Team spalten sie Milch in ihre Bestandteile Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate auf und setzen Teile davon wieder zusammen, um bestimmte Texturen und Konsistenzen zu bekommen.
Entwicklungen und Innovation sind für Food-Konzerne ebenso wichtig wie für Technologieunternehmen. Denn die Lebensmittelmärkte in Europa und den USA sind pappsatt. Basisprodukte verkaufen sich oft nur noch über den Preis. In dieser Disziplin will kein Markenartikler antreten. Um einen Mehrwert zu bieten, unterhalten Konzerne wie Danone, Nestlé oder Kraft riesige Forschungsabteilungen. Bei Kraft arbeiten alleine in Europa etwa 1200 Leute in diesem Bereich. "Wir entwickeln Produkte, die relevant sind für unsere Konsumenten, die den Zeitgeist treffen und ein besonderes Geschmackserlebnis bieten", gibt Marder das Ziel vor.

Teil 2: Den Mann zu halten hat sich gelohnt

  • Aus der FTD vom 23.08.2011
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