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Merken   Drucken   03.07.2009, 13:00 Schriftgröße: AAA

Jobs in der Krise: Solokarriere

Stellenangebote sind zur Zeit dünn gesät. Deshalb entscheiden sich MBA-Absolventen zunehmend fürs Kleinunternehmertum. Viele orientieren sich schon in den Praktikumszeiten auf Aufgaben im Mittelstand und Kleinbetrieben. von Della Bradshaw
Abhishek Mitra und Chandrani Chakrabarthi fehlte nur noch die Gelegenheit. Das Ehepaar hatte Kalifornien und der IT-Branche den Rücken gekehrt, um wieder in seiner Heimat Indien zu leben. Wenige Monate nachdem sich Mitra und Chakrabarthi für das MBA-Programm der Indian School of Business (ISB) eingeschrieben hatten, stellten sie fest, dass gesunde Getränke eine Geschäftsgelegenheit auf den indischen Markt darstellen könnten.
"Auf dem Campus mangelte es an gesunden Nahrungsmitteln und Getränken", sagt Chakrabarthi. Obstgetränke wie Smoothies sind noch relativ unbekannt in Indien. Sechs Monate lang arbeiteten die beiden an ihrem Geschäftsplan. Im Dezember dann brachten Mitra und Chakrabarthi "Zing" heraus, eine Getränkeserie auf Obst- und Weizengrasbasis mit erhöhtem Nährwert.
Stärkerer Zulauf für die Kleinen
Viele MBA-Absolventen heutzutage müssen feststellen, dass traditionelle Stellen in Bankwesen und Unternehmensberatung dünn gesät sind. Daher wird die Arbeit für Kleinunternehmen oder gar die Gründung einer eigenen Firma zunehmend zur realistischen Option. Vor allem sind die Opportunitätskosten dafür, auf ein Gehalt im mittleren Management zu verzichten, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, weit geringer, als der Verzicht auf das Gehalt eines Investmentbankers.
Studenten an der Wharton School in den USA   Studenten an der Wharton School in den USA
Beispielsweise lässt sich unter den Studierenden im ersten Jahr an der Wharton School der Universität von Pennsylvania ein höheres Interesse an der Arbeit für Kleinunternehmen feststellen. Das traditionelle Praktikum in einem Großkonzern trete dieses Jahr in den Hintergrund, sagt Emily Cieri, Geschäftsführerin von Wharton Entrepreneurial Programs. Vergangenes Jahr gaben fast 100 Studierende an, ein Praktikum in einem Kleinunternehmen zu absolvieren. Dieses Jahr suchen mehr als 200 der 900 Wharton-Studierenden im ersten Jahr aktiv nach Praktika in solchen Firmen.
"Das ist zum größten Teil der Wirtschaftslage zuzuschreiben", sagt Cieri. "Die Studierenden suchen andere Möglichkeiten."
Bietersystem fürs Praktikum
Dieses Jahr führte die Schule ein Bietersystem für aufstrebende Unternehmer ein, basierend auf dem System, das die Studierenden für die Auswahl ihrer bevorzugten Wahlfächer nutzen. Mithilfe dieses Bietersystems sollten die Studierenden mit Unternehmen zusammengebracht werden, von denen der Großteil Startups im Technologiebereich sind. Unterdessen konnte das Wharton Small Business Development Center für den Sommer 20 Praktikanten an Kleinunternehmen im Raum Philadelphia vermitteln.
Da es in Europa viel mehr Klein- und Familienunternehmen gibt, ist es dort gang und gebe, Studierende an kleinere Unternehmen zu vermitteln. Valter Lazzari von der SDA Bocconi in Mailand zufolge kehrt immer ein Teil der Studierenden ins familieneigene Unternehmen zurück. Und weitere 10 bis 15 Prozent wagen sich in Kleinunternehmen vor, anstatt das traditionelle Praktikum zu suchen.
Kooperation mit Kommunen
Die Stadt Barcelona unterstützt Studierende bei der Gründung ...   Die Stadt Barcelona unterstützt Studierende bei der Gründung eines Unternehmens
Die spanische Business School Esade arbeitet mit der Stadt Barcelona zusammen, damit Studierenden, die vor Ort ein Unternehmen gründen wollen, die notwendigen Hilfsmittel dafür zur Verfügung stehen. "Wir versuchen, unsere Studierenden dazu zu bringen, innovative Unternehmen zu gründen", sagt Camila de Wit, Direktorin für Karriereservices. Die Business School arbeitet mit dem Innovationspark Creapolis zusammen, um Studierenden mit Unternehmerambitionen Räumlichkeiten für ihre neue Firma zu bieten.
Zwar gebe es in diesem Jahr kaum Wagniskapitalfonds, aber staatliche Unterstützung für Neugründungen sei erhältlich, sagt Cathy Butler von der Judge Business School der Universität Cambridge. Ein weiterer Vorteil sei, dass in einer Rezession mehr Fachkräftepotenzial zur Verfügung stehe, so Butler. An der Judge Business School werden mindestens zehn Prozent der 150 Absolventen in diesem Jahr ihr eigenes Unternehmen gründen, der Großteil davon im Hightechbereich.
Expansion im Blick
Die ISB unterstützt das Unternehmen von Mitra und Chakrabarthi, indem es dem Ehepaar Fläche und etwas Geld zur Verfügung stellt. Zudem habe das Ehepaar durch das "Ökosystem" der ISB eine Menge Verbindungen innerhalb der Branche erhalten, sagt Chakrabarthi. Sie und ihr Ehemann führen einen Verkaufsstand auf dem Campus und planen, in den kommenden fünf Jahren weitere Stände in Hyderabad und anderen indischen Städten zu eröffnen.
  • FTD.de, 03.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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