Die wenigsten Studenten arbeiten nach ihrer Ausbildung als Richter
Die Berliner Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) spricht zwar bei der Veröffentlichung der neuen Anwaltsstatistik von einem "geringeren Zuwachs" bei der Zahl der in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälte.
Doch sieht man genauer hin, ist das Wachstum in der Branche der Rechtsdienstleister weiter nahezu ungebremst.
Netto 5562 zusätzliche Rechtsanwälte im vergangenen Jahr bedeuten nämlich in der Praxis, dass rund 8000 Berufsanfänger ihre Tätigkeit aufgenommen haben. Denn saldiert werden in der Statistik diejenigen Anwälte, die ihre Zulassung zurückgegeben oder verloren haben.
Aus knapp 60.000 Rechtsanwälten Ende 1990 sind 15 Jahre später also rund 140.000 geworden - das ist ein Wachstum, das in Deutschland kein anderer freier Beruf vorweisen kann.
Ungebremstes Wachstum bringt Probleme
Doch dieses Wachstum bringt erhebliche Probleme mit sich. Der Markt der Rechtsdienstleistungen, der nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts einen Umfang von rund 15 Mrd. Euro hat, wächst nicht mehr.
Zudem gibt es immer mehr Rechtsanwälte, die ihren Lebensunterhalt nur zum Teil aus der Anwaltstätigkeit finanzieren. Schätzungen sprechen von rund 50.000 Anwälten, die kaum oder nur zum Teil praktizieren.
Diese Entwicklung hat verschiedene Ursachen. Zum einen ist das Studium der Rechtswissenschaften in Deutschland nahezu ohne Zugangsbeschränkungen möglich. Es ist damit ein klassischer "Auffangstudiengang" geworden.