Aufnahmekapazität der Studiengänge
Die Ansage von Brigitte Zypries war deutlich: "Diplom-Wirtschaftsjuristen bekommen auch in Zukunft kein Beratungsrecht." Die Bundesjustizministerin folgt damit dem dringlichen Wunsch der deutschen Anwaltschaft, die schon den eigenen Nachwuchs nicht mehr unterbringen kann - und daher zusätzliche Konkurrenten von den Fachhochschulen unbedingt vom Beratungsmarkt fern halten will.
Gegen diese politische Grundsatzentscheidung bleibt den Diplom-Wirtschaftsjuristen nur noch eine Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe, und genau die wollen sie nun einreichen. "Wir sehen uns in unserem Grundrecht auf Berufsfreiheit verletzt", begründet Thomas Krause, Präsident des Bundesverbands der Wirtschaftsjuristen von Fachhochschulen (WJFH), den Schritt. "Das Verfahren ist auf dem Weg, und auch das Justizministerium hatte bereits damit gerechnet." Eine Entscheidung erwartet Krause allerdings frühestens in drei Jahren.
Bis dahin müssen sich die mittlerweile knapp 3000 diplomierten FH-Juristen mit den Jobs begnügen, die nicht ausschließlich examinierten Volljuristen vorbehalten sind: in der qualifizierten Sachbearbeitung, der Vertragsverwaltung oder im Personalwesen von Unternehmen.
"Gesunde Halbbildung"
"Wir können mehr, als wir dürfen", sagt Krause: "Wir fühlen uns als Juristen, und das ist auch der Schwerpunkt unserer Ausbildung." Diese geht allerdings wesentlich schneller als das Studium an der Universität: Statt zwei Examina abzulegen und das Referendariat zu durchlaufen, genügt den FH-Juristen ein Diplom. Und das schaffen die Besten schon nach drei Jahren. Umfangreiche Rechtsgebiete wie etwa das Familien- und Erbrecht oder das Strafrecht werden dabei überhaupt nicht behandelt.
Klaus Slapnicar gehört zu denen, die das Konzept zur Ausbildung der Wirtschaftsjuristen an der Fachhochschule Anfang der 90er Jahre mitentwickelt haben. Heute lehrt er Wirtschaftsprivatrecht an der FH Schmalkalden in Thüringen, die 90 Kandidaten pro Jahr aufnimmt. Insgesamt starten jährlich gut 2000 Studenten an knapp 30 Standorten in Deutschland mit dem FH-Studium, das betriebswirtschaftliche und juristische Inhalte kombiniert. "Wir bieten eine gesunde Halbbildung", sagt Slapnicar.
Da die Nachfrage nach Studienplätzen deutlich höher liegt als die Kapazität der Fachhochschulen, legen die Bundesländer einen Numerus clausus fest. An der Fachhochschule Frankfurt kamen zuletzt 13 Bewerber auf einen Studienplatz. Generell genügt die Fachhochschulreife, doch zwei Drittel der Studenten kommen mit Abitur. "60 Prozent haben zudem schon eine abgeschlossene Berufsausbildung", sagt Slapnicar, "da gibt es zum Beispiel die große Gruppe der frustrierten Rechtsanwaltsfachangestellten."