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  FTD-Serie: Karriere in der Finanzbranche

Die Finanzbranche erlebt gerade einen turbulenten Wandel. Doch die Krise bietet auch Chancen für neue Produkte und Karrieren. Banken investieren - nicht zuletzt in zuverlässige Mitarbeiter -, um ihr Image aufzupolieren. Wir loten die Chancen für Einsteiger und alte Hasen aus.

Merken   Drucken   02.03.2009, 13:00 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Ein alter Hase für "die Neue"

Banken stehen nicht gerade im Ruf, es Karrierefrauen leicht zu machen. Einige Institute aber suchen mittlerweile gezielt nach Finanzexpertinnen und fördern diese beim Aufstieg. Zum Beispiel mit Mentoren, die ihnen bei neuen Aufgaben mit Rat, Kontakten und Insiderwissen zur Seite stehen. von Anne-Christin Gröger
Verena Rothmaier ist eine Ausnahme. Die 47-Jährige leitet bei der Landesbank Baden-Württemberg den Bereich für internationales Geschäft und ist unter anderem für die Stützpunkte in Asien, Russland und im Nahen Osten verantwortlich. Auf dieser Führungsebene ist die studierte Sinologin die einzige Frau. Die Autoritätskämpfe, die sie mit männlichen Kollegen führt, empfindet sie aber immer als inhaltlich begründet. "Keiner meiner Kollegen stellt meine Kompetenz infrage, nur weil ich eine Frau bin", sagt sie.
Rothmaiers Karriere ist für die Finanzbranche nicht gerade typisch. Gerade bei Versicherungen und Banken sind die Jobs an der Spitze fest in Männerhand - und Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen gering: In Vorständen und Geschäftsführungen sitzen gerade einmal 2,5 Prozent weibliche Führungskräfte.
Im Vergleich zu anderen Branchen ist das unterdurchschnittlich. "Gerade zu Anfang meines Berufslebens habe ich mich von älteren Kollegen oft ausgebremst gefühlt", erzählt Rothmaier. Verantwortungsvolle Aufgaben musste sie sich hart erkämpfen. "Doch das war vor 20 Jahren", sagt sie. "Heute haben es junge Frauen einfacher, Karriere zu machen."
Zertifikat für Frauenförderung
Tatsächlich unterstützen die meisten deutschen Finanzunternehmen inzwischen gezielt ihre weiblichen Fach- und Führungskräfte. Nahezu jedes große Unternehmen hat in der Personalabteilung einen Bereich für Diversity Management eingerichtet. Der sorgt dafür, dass unter den Beschäftigten zum Beispiel Herkunft und Geschlecht gut gemischt sind. Davon profitieren auch weibliche Angestellte. Karrierebewusste Frauen fördert die Finanzbranche besonders und lässt sich für ihre Personalpolitik auch auszeichnen.
Die Hamburger Helmut-Schmidt-Universität betreibt die Internetplattform Genderdax und zeichnet dort Unternehmen unabhängig von Größe und Mitarbeiterzahl für frauenfreundliche Rekrutierungstaktik aus. Außerdem bietet sie weiblichen Hochqualifizierten die Möglichkeit, sich über Arbeitgeber mit attraktiven Förderangeboten auszutauschen. Um in den Index aufgenommen zu werden, muss eine Firma flexible Arbeitsbedingungen und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bieten sowie Frauen bei der Personalsuche besonders berücksichtigen. Immerhin vier deutsche Großbanken sind bei der Internetplattform gelistet.
Die HypoVereinsbank richtet Karrieremessen aus und verschafft dadurch interessierten Frauen Gelegenheit zum Austausch und Kontakt. Die WestLB bietet ihren Mitarbeitern Kinderbetreuung an und Workshops, in denen Frauen lernen, effektive zu verhandeln. Und die Deutsche Bank legt besonderes Augenmerk auf die individuelle Förderung von erfolgsorientierten Frauen durch Mentoren - im Kreditgewerbe eine beliebte Maßnahme.
Mit ihrem Programm unterstützt die Deutsche Bank begabte weibliche Angestellte, die auf der Karriereleiter aufsteigen möchten. Dabei wird ein Kontakt zwischen einem Mentor oder einer Mentorin und einer Karrieresprung-Kandidatin hergestellt, die in ihrem neuen Einsatzbereich noch wenig Erfahrung besitzt. Der Mentor hilft ihr, die Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben, die für ihre neue Position wichtig sind. Dazu gehört auch, dass er Kontakte vermittelt, sie mit Insiderwissen vertraut macht und ihr bei akuten Problemen weiterhilft.
Vorbilder Mangelware
Verena Rothmaier hält solche Patensysteme für sinnvoll. Sie findet vor allem wichtig, dass Frauen sich vernetzen, einander unterstützen dass und Jüngere von den Erfahrungen der Älteren profitieren. "So ein weibliches Vorbild hat mir immer gefehlt", sagt sie.
Wer Beruf und Familie miteinander vereinbaren will, bekommt bei manchen Kreditinstituten Hilfe und finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder kann ein Jahresarbeitszeitkonto anlegen. Die Deutsche Bank bietet auch Jobsharing an: Dabei teilen sich zwei Mitarbeiterinnen eine Stelle, die eine arbeitet von Montag bis Mittwochmittag in die Filiale, die andere von Mittwochnachmittag bis Freitag.
"Solche Angebote sind nicht für alle Positionen geeignet", heißt es bei der Deutschen Bank. Vor allem für die Arbeit in den Filialen oder auf Sachbearbeiterebene kommt ein solches Konzept nach Ansicht der Personalabteilung in Frage. Vorstands- und andere Spitzenpositionen hingegen seien nicht unbedingt geeignet für solche Modelle. Die Verantwortung sei doch zu groß, als dass sie geteilt werden könnte.

Teil 2: Degradiert zu Hilfskräften

  • FTD.de, 02.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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