Neue AnforderungenDoch selbst für diese ist das Retailgeschäft zurzeit kein Selbstgänger. "Die Banken müssen mehr Initiative zeigen und den Kunden einen Finanzkrisen-Check anbieten, der alle relevanten Themen erfasst", sagt Bernd Nolte, Geschäftsführer der Unternehmensberatung 4P Consulting. Sie sollten überprüfen, wie stark etwa Fondssparpläne und fondsgebundene Lebensversicherungen der Kunden in Mitleidenschaft gezogen wurden, und bei Bedarf Umschichtungsmöglichkeiten anbieten. "Das macht noch so gut wie keine Bank in dem geforderten Umfang", sagt Nolte.
So umfassend zu beraten stellt nach Noltes Ansicht auch neue Anforderungen an künftige Bankberater. "Statt Investment- und Baufinanzierungs-Knowhow immer spezialisierter auszubilden, müssen die Themenbereiche zusammengeführt werden, sodass ein Berater seinen Kunden ganzheitlich beraten kann", sagt er.
Die Meinung vertritt auch Jörg Brake, Professor für Wirtschaftwissenschaften an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS). "Schalter-Onkel" mit Panzerglasbrille und Ärmelschonern, die ursprünglich einmal Bäcker oder Metzger gelernt hätten, seien nicht gefragt. "Bankberater müssen hoch qualifiziert sein", sagt Brake. Sie müssen sich im Aktienmarkt genauso auskennen wie in der Versicherungsbranche und außerdem die aktuelle Gesetzeslage im Blick haben.
Daneben müssen sie ohne Pannen die EDV-Systeme zur Analyse der Kundenwünsche und zur Verwaltung der Kundendaten bedienen können. Auch eine zweisprachige Ausbildung sei von Vorteil. "Ein Studium wird auf lange Sicht für Bankmitarbeiter unumgänglich sein", sagt Brake. Auch Menschenkenntnis sei wichtig. "Der Bankberater muss wissen, was den Kunden bewegt, und auch sensible Themen ansprechen."