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  FTD-Serie: Karriere in der Finanzbranche

Die Finanzbranche erlebt gerade einen turbulenten Wandel. Doch die Krise bietet auch Chancen für neue Produkte und Karrieren. Banken investieren - nicht zuletzt in zuverlässige Mitarbeiter -, um ihr Image aufzupolieren. Wir loten die Chancen für Einsteiger und alte Hasen aus.

Merken   Drucken   03.03.2009, 11:00 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Mit jungen Allroundern auf Kundenfang

Das Privatkundengeschäft wird in Zeiten der Finanzkrise für die Banken immer wichtiger. Experten raten, vor allem die jungen Kunden zu binden, lebensnah zu beraten - und mehr in die Qualität der Ausbildung zu investieren. von Friederike Krieger
Was es bringt, Privatkunden enger zu binden und für die eigenen Produkte zu begeistern, hat die Deutsche Bank mit ihren Motivkarten erlebt. Im Internet kann jeder Kunde seine Kreditkarte selbst gestalten, sogar mit eigenen Urlaubsfotos. "Jede dritte neu ausgestellte Kreditkarte ist inzwischen eine Motivkarte", sagt Salvatore Pennino, Leiter des Bereichs Kreditkarten bei der Deutschen Bank.
"Vor allem junge Kunden mögen die individuellen Kreditkarten", sagt er. Und das Wichtigste: Gerade diese Klientel generiert mit ihrer Motivkarte höhere Umsätze, und sie lässt sich eher davon überzeugen, andere Bankprodukte auszuprobieren als die Inhaber herkömmlicher Karten.
Als Folge der Finanzkrise sind die Banken mehr denn je auf Privatkunden angewiesen. Vor ein paar Jahren dachten manche Institute noch über den Ausstieg aus dem Retailgeschäft nach. Jetzt, nach den Verlusten aus der Finanzkrise, umwerben sie die einheimische Klientel umso mehr. Doch dazu braucht es nicht nur Werbebotschaften, sondern auch vertrauenswürdige Kundenberater. In der Krise punkten konnten bislang vor allem die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die Institute sind in der Bevölkerung nicht nur bekannt, die Menschen schätzen sie auch als solide und sympathisch ein.
Neue Anforderungen
Doch selbst für diese ist das Retailgeschäft zurzeit kein Selbstgänger. "Die Banken müssen mehr Initiative zeigen und den Kunden einen Finanzkrisen-Check anbieten, der alle relevanten Themen erfasst", sagt Bernd Nolte, Geschäftsführer der Unternehmensberatung 4P Consulting. Sie sollten überprüfen, wie stark etwa Fondssparpläne und fondsgebundene Lebensversicherungen der Kunden in Mitleidenschaft gezogen wurden, und bei Bedarf Umschichtungsmöglichkeiten anbieten. "Das macht noch so gut wie keine Bank in dem geforderten Umfang", sagt Nolte.
So umfassend zu beraten stellt nach Noltes Ansicht auch neue Anforderungen an künftige Bankberater. "Statt Investment- und Baufinanzierungs-Knowhow immer spezialisierter auszubilden, müssen die Themenbereiche zusammengeführt werden, sodass ein Berater seinen Kunden ganzheitlich beraten kann", sagt er.
Die Meinung vertritt auch Jörg Brake, Professor für Wirtschaftwissenschaften an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS). "Schalter-Onkel" mit Panzerglasbrille und Ärmelschonern, die ursprünglich einmal Bäcker oder Metzger gelernt hätten, seien nicht gefragt. "Bankberater müssen hoch qualifiziert sein", sagt Brake. Sie müssen sich im Aktienmarkt genauso auskennen wie in der Versicherungsbranche und außerdem die aktuelle Gesetzeslage im Blick haben.
Daneben müssen sie ohne Pannen die EDV-Systeme zur Analyse der Kundenwünsche und zur Verwaltung der Kundendaten bedienen können. Auch eine zweisprachige Ausbildung sei von Vorteil. "Ein Studium wird auf lange Sicht für Bankmitarbeiter unumgänglich sein", sagt Brake. Auch Menschenkenntnis sei wichtig. "Der Bankberater muss wissen, was den Kunden bewegt, und auch sensible Themen ansprechen."

Teil 2: Junge Kunden beim Berufseinstieg beraten

  • FTD.de, 03.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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