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  FTD-Serie: Karriere in der Finanzbranche

Die Finanzbranche erlebt gerade einen turbulenten Wandel. Doch die Krise bietet auch Chancen für neue Produkte und Karrieren. Banken investieren - nicht zuletzt in zuverlässige Mitarbeiter -, um ihr Image aufzupolieren. Wir loten die Chancen für Einsteiger und alte Hasen aus.

Merken   Drucken   13.03.2009, 09:00 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Nachfolger, bitte vortreten!

Führungswechsel im Finanzsektor: Altgediente Manager müssen gehen, junge unverbrauchte Talente rücken in verantwortliche Positionen auf. Unternehmen nutzen die Krise, um Mitarbeiter fit für künftige Aufgaben zu machen und günstig Nachwuchs einzukaufen. von Winfried Gertz
Viele Firmen aus der Finanzbranche stellen sich zurzeit personell neu auf. So auch die Altor-Gruppe aus Heidelberg. Der Inkasso-Spezialist bereitet verstärkt eigene Mitarbeiter auf höhere Aufgaben vor. "Für sie", sagt Personalleiter Marcus Stiel, "birgt die Krise eine große Chance." Gerade in schwierigen Phasen zahlt sich Personalentwicklung aus, wenn sie über ein herkömmliches Trainingsangebot hinausgeht.
Im Fokus steht die Nachfolgeplanung. Rechtzeitig identifizieren Firmen die größten Talente, bereiten sie behutsam auf künftige Aufgaben vor und schicken die Kandidaten zum richtigen Zeitpunkt an den Start. Gute Firmen, sagt der Frankfurter Headhunter Christian Schreiter, hätten Talent-Pools aufgebaut und führten Mitarbeiter kontinuierlich an höhere Aufgaben heran.
Die Aufstiegschancen sind zurzeit ausgesprochen gut, weil sich der personelle Organismus von Banken verändert. Altgediente Führungskräfte sind teilweise in Misskredit geraten und müssen persönliche Verantwortung für Fehlentwicklungen übernehmen. Nutznießer sind junge, gut ausgebildete Fachleute, die sich durch eine hohe Lernbereitschaft auszeichnen.
Sie profitieren von Rochaden im oberen Management, die plötzlich Karriere-Stauräume auflösen. "So wie Wirtschaftsminister zu Guttenberg als 37-jähriger Politiker für den Generationenwechsel steht", sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer von Kienbaum in Hamburg, "so rücken auch in zahlreichen Banken talentierte Nachwuchskräfte in verantwortliche Positionen auf".
Banker als Geldeintreiber
Sicher hat die Krise den Arbeitsmarkt fest im Griff. So ist die Bereitschaft, das Unternehmen zu wechseln, zuletzt deutlich zurückgegangen. "Wer heute einen festen Job hat", sagt Sven Hennige, Managing Director des Finanz-Personaldienstleisters Robert Half, "überlegt sich dreimal zu gehen."
Und an den Hochschulen hängen Studenten, die mit einem Bachelor-Examen in der Tasche eigentlich ins Arbeitsleben starten könnten, lieber noch den Master dran. "Noch nie", sagt Angelika Werner, Sprecherin der Frankfurt School of Finance and Management, "waren die Studienplätze so schnell vergeben".
Dennoch ist das Personalkarussell in der Finanzbranche nicht zum Stillstand gekommen, nicht überall herrscht Einstellungsstopp. Vor allem die Industrie wirbt laut Hennige um Banker. Als Kreditmanager sollen sie Geld von Lieferanten eintreiben, neue Finanzquellen erschließen und für den Geldfluss im Unternehmen sorgen. Ein guter Ruf eilt Bankern zudem im Rechnungswesen voraus. "Mit ihren Kompetenzen und ihrem Netzwerk bürgen sie für eine Qualität, die Unternehmen oft nicht besitzen", sagt er.
Talente zum Schnäppchenpreis
Auch in den Banken bleiben die Türen einen Spalt weit offen. Dank des vom Staat aufgespannten Rettungsschirms stellen Finanzinstitute wieder Nachwuchskräfte ein. Laut Hennige gibt mancher Manager offen zu: "Jetzt hole ich mir die Talente ins Haus, die ich in ein oder zwei Jahren ganz sicher brauche." Aus Kostensicht ist das doppelt attraktiv: Nachwuchskräfte sind billiger bei ohnehin gesunkenen Gehältern. "Auch die Kosten für den Headhunter kann man sich sparen", sagt Hennige.
Womöglich eröffnen sich dem Nachwuchs nun Karriereperspektiven wie schon lange nicht mehr, wenn Banken und Finanzdienstleister von alten Systemen Abstand nehmen und auf Innovation und neues Wachstum setzen. Experten raten Unternehmen deshalb, interne Förderung und externe Rekrutierung zu verzahnen. Kracht: "Wenn ich das angestammte Personal nur neu aufstelle, erziele ich keinen echten Mehrwert."
Die treibenden Kräfte müssten laut Kracht von außen kommen. "Eine perspektivisch angelegte Personalpolitik muss unverbrauchte Köpfe integrieren, die auch Sinn- und Grundsatzfragen stellen und den Status quo kritisch beleuchten." Wer jetzt bereit ist, neben den angestammten Aufgaben weitere zu übernehmen und intensiv hinzuzulernen, ist in besseren Zeiten auch besser aufgestellt. Hennige hat keinen Zweifel: "Wenn die Konjunktur wieder anzieht, sind solche Leute prädestiniert für den großen Sprung nach vorn."
  • FTD.de, 13.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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