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  FTD-Serie: Karriere in der Finanzbranche

Die Finanzbranche erlebt gerade einen turbulenten Wandel. Doch die Krise bietet auch Chancen für neue Produkte und Karrieren. Banken investieren - nicht zuletzt in zuverlässige Mitarbeiter -, um ihr Image aufzupolieren. Wir loten die Chancen für Einsteiger und alte Hasen aus.

Merken   Drucken   08.03.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Risiko-Spezialisten gesucht

Verspekuliert und verkalkuliert: Das Risiko-Management vieler Banken hat versagt. Um Ansehen, Vertrauen und Geschäfte wieder aufzubauen, suchen sie jetzt Spezialisten, die Risiken besser bewerten. Diese müssen etwa einschätzen, ob Kunden Kredite wirklich zurückzahlen oder welche Gefahren Fusionen mit sich bringen. von Michael Sudahl
Michael Bender ist ein gefragter Risikospezialist. Der 42-jährige Freiberufler mit MBA-Abschluss arbeitet bei Großbanken in Frankfurt als IT-Projektleiter. "Nach fünf Jahren als Verantwortlicher im Risikomanagement suche ich nun umfassende Großprojekte", sagt der Diplom-Betriebswirt, den der Personaldienstleister Hays vermittelt hat.
Bender bewertet, welche Risiken auftreten können, wenn ein Kreditinstitut etwa SAP einführt oder seine Serverlandschaften konsolidiert. Nach Meinung von Branchenexperten hat er gute Karrierechancen. In der Wirtschaftskrise suchen Banken verstärkt nach Wegen, Kosten zu reduzieren und Risiken neu zu bewerten.
Hierbei unterscheiden Banken interne und externe Risiken. Stellt die Deutsche Bank ihre EDV um und entschließt sich, neue, leistungsfähige Server anzuschaffen, ist das ein internes Projekt. Bewertet eine Sparkasse Kreditausfallrisiken, spricht man von einem externen Risiko. Zwischen beiden Risiken gibt es enge Verflechtungen - spielt die IT verrückt, kann kein Kundenberater Statistiken zum Zahlungsverhalten erstellen oder Bonitäten prüfen.
Spezialisten weiter gefragt
Auch die Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank  ist ein Beispiel für Risikomanagement. Zwar war der Deal nur mit Kapitalspritzen aus Steuermitteln möglich. Um das zweitgrößte Geldhaus Deutschlands allerdings wettbewerbsfähig zu halten, schließt die Commerzbank bis 2012 mehr als 300 der gut 1500 Filialen. Das bringt Risiken in Unternehmensbereichen wie Personal, Privatkundengeschäft, EDV und Marketing mit sich.
"Ereignisse wie dieses oder die Einführung neuer Software im Rahmen der Abgeltungsteuer sind Projekte, an denen Banken nicht vorbeikommen", sagt auch Arma Sahic, die bei Hays den Sektor IT und Technik leitet. Sie ist bereits seit Jahren in der Frankfurter Bankenwelt als Managerin tätig. "Trotz Kosteneinsparungen ist passendes Personal nach wie vor gefragt", sagt sie. Dabei komme es nicht darauf an, ob als externer Berater oder in Festanstellung.
Thomas Heidorn, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management, sieht ebenfalls einen steigenden Bedarf an Fachkräften, die sich auf Risikobewertung spezialisieren. Zum einen hätten sich mit Eintritt der Bankenkrise Korrelationen unterschiedlichster Variablen geändert, sodass lange vertraute Werte und Faktoren heute nicht mehr gelten.
Zum anderen käme der Liquiditätsplanung der Institute mittlerweile ein anderer Stellenwert zu. Sie wird als wichtiger erachtet, weil Geld nicht mehr überall frei zur Verfügung steht. Das Refinanzieren fällt den Banken deutlich schwerer. Heidorn sieht die Aufgaben eines Risk-Managers immer an die Position eines angestellten Experten gekoppelt: "Das tägliche Abwägen einzelner Risiken kann keine Bank auslagern", sagt er.
Externe Berater für die Schmutzarbeit
Er räumt aber ein, dass externe Spezialisten bei der Risikobetrachtung helfen können, zumal in der Finanzstatistik bisher mathematisches und physikalisches Wissen wichtig waren, mittlerweile jedoch ökonomischer Sachverstand ebenso gefragt ist. Der Stuttgarter Psychoanalytiker Jürgen Kässer, der Banker berät, begründet dies mit einem neuen Aufklärungsbedarf. "Aus Untersuchungen wissen wir, dass es letztlich fünf Themenfelder sind, die Unternehmen in die Krise führen: Finanzen, Produkt, Strategie, in- und externe Kommunikation."
Auf diesen Feldern haben Banken Fehler gemacht, diese dann verdrängt oder verschwiegen. Das verlorene Vertrauen gilt es wieder herzustellen. Damit geht einher, dass man für vermeintliche Schmutzarbeit - sprich Prozesse straffen und neu organisieren - gerne externe Berater holt. "Ihnen glauben Mitarbeiter harte Wahrheiten viel eher als den eigenen Vorständen", sagt Kässer. Letztlich gehe es darum, auch intern wieder Vertrauen herzustellen.

Teil 2: Schub für neue Software

  • FTD.de, 08.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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