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  FTD-Serie: Karriere in der Finanzbranche

Die Finanzbranche erlebt gerade einen turbulenten Wandel. Doch die Krise bietet auch Chancen für neue Produkte und Karrieren. Banken investieren - nicht zuletzt in zuverlässige Mitarbeiter -, um ihr Image aufzupolieren. Wir loten die Chancen für Einsteiger und alte Hasen aus.

Merken   Drucken   17.03.2009, 17:24 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Stille Streicher für die Sanierung

Sie verringern Kreditrisiken, sichern die Liquidität und verschlanken die Verwaltung: In der Krise setzen Banken auf Restrukturierungsexperten, die langfristig für Ordnung sorgen sollen. Steuerberater oder Juristen bilden sich bereits im Sanieren von Firmen weiter. von Michael Sudahl
Gewinneinbrüche und Milliardenverluste - Banken wollen die Aufräumarbeiten nicht nur dem Staat überlassen und legen Programme auf, um sich zu restrukturieren. Mehr Effizienz und verbesserte Kontrollen sollen aus den roten Zahlen helfen. Wie dringend die Institute diese Programme benötigen, weiß Peter Zillmer von den Wirtschaftsprüfern Ebner, Stolz, Mönning und Bachem. Er ist als Berater bei Banken und Sparkassen im Einsatz. Seine Mission: Transparenz schaffen und Risiken minimieren.
Dazu gibt er den Instituten Hilfestellungen: Er zeigt, wie sie Controlling-Werkzeuge einsetzen, etwa im Kreditgeschäft. "Etliche Banken wissen nicht, ob Kredite, die sie geben, rentabel sind", ist seine nüchterne Bilanz. Zwar nehmen Finanzhäuser ein Rating nach Basel II vor. Das zeigt, wie hoch das Risiko ist, dass ein Firmenkredit ausfällt. Der daraus resultierende Zinssatz spiegelt das Ausleihrisiko wider: Hoher Zins gleich hohes Risiko; ein niedriger Zins bedeutet ein geringes Verlustrisiko.
Jedoch räumen Firmenkundenberater ihrer Stammklientel günstige Sonderkonditionen ein. Erhöhte Zinssätze werden nicht durchgesetzt, "weil Bankberater Risikobewertungen gedanklich ausblenden und oft von Boni-Zahlungen getrieben sind", sagt der 36-jährige Betriebswirt. Im Ergebnis kostet das Geld: Fallen statt der kalkulierten fünf nun acht Prozent der Kredite aus, legt die Bank drauf.
Berater statt Formulare
Anders läuft es bei der Sparda-Bank Baden Württemberg, die den Mix aus Direkt- und Filialbank wählt. Experten für schlanke Prozesse und Produktpaletten sind hier seit 30 Jahren gefragt. Vorstandsvorsitzender Thomas Renner erklärt: "Statt Formularkrieg beraten unsere Mitarbeiter. Sie legen Konten im Beisein der Kunden direkt am Computer an." Dadurch steigert die Bank ihre Produktivität und senkt den Verwaltungsaufwand.
Derzeit diskutierten bundesweit alle Sparda-Banken eine gemeinsame Produktionsbank. Ziel: Sämtliche Vorgänge in der Sachbearbeitung und Kontrolle sollen zentral zusammenlaufen. Mit diesem Kniff will die Bank ihre Cost-Income-Ratio, also das Verhältnis von Verwaltungsaufwand zu Ertrag, unter 60 Prozent halten. Restrukturierungen, die im Vorfeld ansetzen, lohnen sich: Für dieses Jahr peilt die Sparda eine Produktivitätssteigerung von zehn Prozent an. Und sie will die Bilanzsumme um bis zu acht Prozent erhöhen.
Risikoscheu und schweigsam
So effizient arbeiten längst nicht alle Institute. Um hier gegenzusteuern, setzen sie Berater ein. "Wenn diese mit ihren unpopulären Aufräumarbeiten abgeschlossen haben, suchen Personalchefs jedoch nach erfahrenen Controllern, die sie fest anstellen", sagt Andreas Preißing von den Personalanalysten aus Stuttgart.
Der Berater hat einen Test entwickelt, der hilft, den passenden Kandidaten zu finden. Bewerber bewerten sich auf einer Liste mit 30 Persönlichkeitsmerkmalen. Diese münden in sechs Kompetenzfelder wie Motivation, Führungsstärke und Organisationstalent. Das gleiche tun Personalchefs. Anschließend vergleicht man die Selbst- mit der Fremdeinschätzung. Beide sehen, wo Differenzen liegen.
"Ziel ist es, individuelle Stärken zu erkennen und zu fördern", sagt Preißing. Neu ist, dass sich die Daten auf Arbeitsbereiche der Branche beziehen lassen. Ein Spezialist für Restrukturierung zum Beispiel muss gründlich, genau und gewissenhaft arbeiten. Hingegen sollte seine Risikofreude möglichst schwach ausgeprägt sein, ebenso können Offenheit und Redegewandtheit vernachlässigt werden.

Teil 2: Studiengang für Sanierer

  • FTD.de, 17.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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