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  FTD-Serie: Karriere in der Finanzbranche

Die Finanzbranche erlebt gerade einen turbulenten Wandel. Doch die Krise bietet auch Chancen für neue Produkte und Karrieren. Banken investieren - nicht zuletzt in zuverlässige Mitarbeiter -, um ihr Image aufzupolieren. Wir loten die Chancen für Einsteiger und alte Hasen aus.

Merken   Drucken   06.03.2009, 12:24 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Sturm auf die Versicherungen

Ob Hurrikan, Hochwasser oder Hackerangriff: Neue Risiken erfordern neue Fachkräfte. Daher machen zunehmend auch Geologen, Geografen oder Computer-Spezialisten bei Versicherungsunternehmen Karriere. von Merle Zeigerer
Peter Miesen berechnet die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen. Der Diplom-Geograf arbeitet in einer Spezialabteilung beim Rückversicherer Münchener Rück. Er kalkuliert die Häufigkeit und Intensität von Stürmen.
Daraus leitet er das Risiko potenzieller Schäden ab. Der Versicherer entscheidet anschließend, ob er etwas versichert und wie hoch die Prämie ausfällt. Miesens Berechnungen können den Versicherungsunternehmen hohe Kosten ersparen, denn Stürme vom Ausmaß des Orkans Kyrill oder des Hurrikans Katrina verursachen große Schäden.
Dass Versicherungen Geowissenschaftler suchen, wusste der Geografie-Student Miesen nicht. Er ist zufällig zur Versicherung gekommen - über einen Ferienjob als Werkstudent. Die Zahl der Mitarbeiter in seiner Abteilung sei in den letzten Jahren gestiegen, sagt Miesen. Und er weiß auch, warum: "Es ist sehr wichtig für Unternehmen, fachliches Know-how aufzubauen."
Neue Policen für die Netzwelt
Das gilt nicht nur für Geowissenschaftler. Die Versicherer suchen auch Computerspezialisten. Wenn Naturkatastrophen Datenleitungen zerstören oder Computerviren Festplatten vernichten, können Unternehmen keine Geschäfte mehr machen. Für solche Fälle müssen sie vorsorgen. Zunehmend suchen sie nach Versicherungslösungen - oft ohne Erfolg, weil ihnen die angebotenen Policen zu teuer oder nicht weitreichend genug sind.
Für Versicherer liegt darin eine Chance, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Je abhängiger das Unternehmen von seiner IT-Infrastruktur ist, desto wichtiger sind Policen, die solche Schäden auffangen.
"Die Bedeutung der IT für die Unternehmen und die Gefahr von Computerviren hat in den letzten Jahren zugenommen", sagt Hans-Peter Veit vom Deutschen Versicherungs-Schutzverband (DVS), der Interessenvertretung der Industrie in Versicherungsfragen. "Eine Internet-Apotheke, die ihren Verkauf nur online abwickelt, ist viel gefährdeter als eine kleine Autowerkstatt."
Umringt von Spezialisten
Auch Thomas Pache vom Versicherungsmakler Marsh sieht hier Entwicklungspotenzial. Gemeinsam mit einem großen deutschen Versicherer, dessen Namen Pache nicht nennen will, hat sein Unternehmen ein entsprechendes Angebot neu auf den Markt gebracht. "Wir bieten eine separate Versicherung für sogenannte Cyber-Risiken wie Hackerangriffe, Viren oder auch Soft- und Hardwareschäden an", sagt der Wirtschaftsingenieur.
Dabei spiele es keine Rolle mehr, ob man selbst geschädigt sei oder bei einem Dritten einen Schaden verursacht hat. Die Versicherung übernehme beides. Inbegriffen sind Urheberrechts- und Persönlichkeitsrechtsverletzungen sowie Betriebsunterbrechungskosten. Auch bei IT-Schäden durch Naturkatastrophen oder Fehlern bei der Installation zahlt der Versicherer. Profitieren könnten davon zum Beispiel Medienunternehmen oder Firmen aus der Telekommunikationsbranche.
Um solche komplexen Policen anbieten zu können, benötigt die Assekuranz Fachleute, die an der Schnittstelle zwischen der Versicherungs- und der Fachwelt arbeiten. Im IT-Bereich kaufen sie das Know-how meist von externen Profis.
"Der Fachkräftebedarf im Versicherungsbereich, auch wenn er extern begründet ist, wird in Zukunft steigen", sagt Peter Paul Geppert, Leiter Special Lines beim Versicherungsunternehmen HDI-Gerling. Die Kunst des Versicherers bestehe zukünftig darin, immer einen Zirkel von Spezialisten zu haben, die er nach Bedarf einsetzen kann.

Teil 2: Haftpflicht gegen Hacker

  • FTD.de, 06.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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