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Merken   Drucken   22.11.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Versicherungen müssen Vertreterimage polieren

Der Finanzvertrieb hat ein schlechtes Image. Das erschwert den Unternehmen die Nachwuchssuche. Doch die Firmen lassen sich was einfallen, schließlich wollen sie ihr Geschäftsfeld nicht aufgeben. von Friederike Krieger
Forsa stellt Versicherungsvertretern ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Im Auftrag des Deutschen Beamtenbunds befragen die Meinungsforscher jährlich Bürger über den Stellenwert verschiedener Berufe. Versicherungsvermittler landeten 2011 auf dem letzten Platz - zum fünften Mal in Folge.
Job mit wenig Ansehen: Versicherungsvertreter   Job mit wenig Ansehen: Versicherungsvertreter
"Das Ansehen von Versicherungsvertretern ist mittlerweile schlechter als das von Straßenkehrern", sagt Ralph Meinhold, Inhaber der MKK Personalberatung, die sich auf Vertriebspersonal für Versicherer spezialisiert hat. Dazu haben Meldungen über Provisionsexzesse, Falschberatungen und auch der Sexskandal beim Versicherer Ergo beigetragen. Versicherungsverkauf ist zwar nicht gleich Versicherungsverkauf.
Es macht einen Unterschied, ob ein Vertreter in einer Drückerkolonne schuftet oder bei einem seriösen Versicherer arbeitet. Das geringe Ansehen des Berufs macht es jedoch für alle Unternehmen immer schwerer, Nachwuchs zu finden. "Die Branche muss dringend ihr Image aufpolieren", sagt Meinhold.
Zu wenig Engagement bei der Talentsuche
Der Nachwuchsmangel ist aber nicht nur dem schlechten Ruf geschuldet. Die Versicherer tun seiner Ansicht nach zu wenig, um Nachwuchskräfte für sich zu gewinnen. Über klassische Stellenanzeigen in Zeitungen erreichten Unternehmen die Leute heute nicht mehr. "Man muss sie da abholen, wo sie sich am meisten bewegen", sagt er. Deswegen setzt Meinhold bei seiner Suche nach Nachwuchskräften auf soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder Twitter. In diesen Netzwerken seien viele Versicherer nicht vertreten. "Es gibt kaum eine Gesellschaft mit einem guten Facebook-Profil", sagt Meinhold.
Der Finanzvertrieb DVAG ist inzwischen verstärkt in sozialen Netzwerken aktiv. Auf Facebook postet das Unternehmen etwa Videos von seinem neuen Seminarzentrum und lässt die Nutzer über Sparmotive abstimmen. "Man muss einfach dabei sein", sagt Ralf-Joachim Götz, Direktor und Chefvolkswirt bei DVAG. "Junge Leute überprüfen ihren potenziellen Arbeitgeber über Facebook." Der Finanzvertrieb habe schon 15.000 Fans auf der Plattform, betont Götz stolz.
Lieber festangestellt als selbstständig
Ein noch so guter Auftritt im Web hilft allerdings nicht gegen ein anderes Manko des Vertrieblerdaseins. Die meisten Versicherer und Finanzvertriebe setzen auf selbstständige Handelsvertreter statt auf einen angestellten Außendienst. "In unsicheren Zeiten wie diesen wollen viele Leute lieber eine Festanstellung", sagt Götz. DVAG bietet dem Vertriebsnachwuchs inzwischen eine dreijährige Ausbildung zum Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Versicherungen und Finanzen sowie zum Vermögensberater mit einer fixen Vergütung.
Welche Nachwuchskräfte die Vertriebe suchen, hängt von ihrer Ausrichtung ab. Während DVAG ein guter Schulabschluss als Vorbildung ausreicht, wollen andere Firmen lieber Uni-Absolventen. "MLP sucht Nachwuchskräfte, die Akademiker und andere anspruchsvolle Kunden auf Augenhöhe beraten können", sagt Karl-Friedrich Bauer, Bereichsvorstand Recruiting bei MLP. Andere Firmen legen Wert auf Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, um Zugang zu speziellen Zielgruppen zu bekommen.

Teil 2: Wie die Firmen ihren Nachwuchsmangel beenden wollen

  • FTD.de, 22.11.2011
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