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  FTD-Serie: Karriere in der Finanzbranche

Die Finanzbranche erlebt gerade einen turbulenten Wandel. Doch die Krise bietet auch Chancen für neue Produkte und Karrieren. Banken investieren - nicht zuletzt in zuverlässige Mitarbeiter -, um ihr Image aufzupolieren. Wir loten die Chancen für Einsteiger und alte Hasen aus.

Merken   Drucken   15.03.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Karriere in der Finanzbranche: Wo Wertpapierhändler Wohltäter werden

In Großbritannien suchen Tausende arbeitslose Banker neue Jobs. Beliebt sind sichere Stellen bei Hilfsorganisationen, in der Regierung oder an Schulen. Die Chancen der einstigen Analysten und Börsenmakler stehen gut, vor allem wenn sie einen naturwissenschaftlichen Abschluss haben. von Nicola de Paoli
Lange Zeit hatte Kevin Watson bei der Investment Bank Bear Stearns gearbeitet, bis er 2003 entlassen wurde und notgedrungen den Computer gegen Klassenbuch und Tafelkreide tauschte. Watson wurde Physiklehrer an einem englischen Gymnasium. Seine Entscheidung habe er nie bereut, sagt Watson rückblickend: Er liebe das Fach Physik, der Job mache Spaß und lasse ihm auch mehr Zeit für die Familie. "Wer eine Bank-Karriere aufweisen kann, ist doch so etwas wie Goldstaub für unser Schulsystem", sagt der Ex-Banker selbstbewusst.
Seiteneinsteiger wie der Physiklehrer Watson werden im krisengeschüttelten Großbritannien gerne als Beweis dafür zitiert, dass eine Karriere abseits der Finanzplätze in London und
Edinburgh möglich ist. Tausende Banker haben bereits in den vergangenen Monaten ihren Job verloren und die Entlassungsrunden gehen weiter. Allein in der Londoner City könnten den schlimmsten Befürchtungen zufolge rund 80.000 Menschen in diesem Jahr ihren Arbeitsplatz verlieren.
Sturm auf den Staat
Die ehemaligen Finanzfachleute wirbeln den britischen Arbeitsmarkt durcheinander. Besonders der öffentliche Dienst verzeichnet ein steigendes Interesse selbst für solche Stellen, die in der Vergangenheit wegen der geringen Zahl an Bewerbern gar nicht
besetzt werden konnten. Aber auch Hilfsorganisationen sind für viele Banker offenbar attraktive Arbeitgeber. "Es gibt einiges Interesse", sagt Oxfam-Sprecher Sean Kenny. Die Chancen stehen für den einen oder anderen Kandidaten gar nicht so schlecht. Seiteneinsteiger hätten durchaus eine Chance, wenn sie die passenden Fertigkeiten vorweisen könnten, sagt Sprecher Kenny.
Auch Kunsthochschulen oder Ausbildungseinrichtungen für Handwerker erhalten mehr Bewerbungen als noch vor einem Jahr. So ist die Zahl der Bewerber am renommierten Edinburgh College of Art (eca) in diesem Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent gestiegen. Wer sich in Kunst, Design oder Architektur einschreiben wolle, der müsse zwar nicht seine bisherige Laufbahn angeben, doch die Vermutung liege sehr nahe, dass die Finanzkrise ein Grund für den Zuwachs an Bewerberzahlen sei, sagt eine eca-Sprecherin: "Auffällig ist, dass viele Bewerber in diesem Jahr älter sind als die Studenten, die sich in den Vorjahren bei uns beworben haben."
Die Bildungseinrichtung Training and Development Agency for Schools (TDA) registriert geradezu einen Bewerberboom für freie Lehrerstellen. Die Zahl der Interessenten habe sich um 45 Prozent erhöht, sagt TDA-Chef Graham Holley: "Seit dem Beginn der Finanzkrise erleben wir einen beispiellosen Anstieg bei den Anfragen auf unserer Website."
Weniger Geld, großer Bedarf
Ex-Banker sind gefragt, weil sie in der Regel gut ausgebildet sind und vielfach einen Abschluss in einem naturwissenschaftlichen Fach vorweisen können. In England ist der Bedarf an Lehrern, die Chemie, Mathe oder Physik unterrichten können, besonders groß, weil viele dieser Absolventen in der Londoner City als Analysten oder IT-Experten einen Job gefunden hatten und somit als Lehrer nicht zur Verfügung standen.
Wer in Zukunft bereit ist, seinen Sportwagen gegen einen Bunsenbrenner einzutauschen, der muss sich allerdings von fünf- oder gar sechsstelligen Gehältern oder Bonus-Zahlungen erst einmal verabschieden. 9000 Pfund bietet die TDA ihren Lehrer-Anwärtern in der Ausbildung, wenn sie bereits einen Abschluss in Mathematik oder einer Naturwissenschaft nachweisen können. Dazu kommt noch eine Willkommens-Sonderzahlung von 5000 Pfund zum eigentlichen Berufsstart. In den Folgejahren steigt das Gehalt allerdings noch einmal deutlich.

Teil 2: Rein in die Regierung, raus aus dem Land

  • FTD.de, 15.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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