Sturm auf den StaatDie ehemaligen Finanzfachleute wirbeln den britischen Arbeitsmarkt durcheinander. Besonders der öffentliche Dienst verzeichnet ein steigendes Interesse selbst für solche Stellen, die in der Vergangenheit wegen der geringen Zahl an Bewerbern gar nicht
besetzt werden konnten. Aber auch Hilfsorganisationen sind für viele Banker offenbar attraktive Arbeitgeber. "Es gibt einiges Interesse", sagt Oxfam-Sprecher Sean Kenny. Die Chancen stehen für den einen oder anderen Kandidaten gar nicht so schlecht. Seiteneinsteiger hätten durchaus eine Chance, wenn sie die passenden Fertigkeiten vorweisen könnten, sagt Sprecher Kenny.
Auch Kunsthochschulen oder Ausbildungseinrichtungen für Handwerker erhalten mehr Bewerbungen als noch vor einem Jahr. So ist die Zahl der Bewerber am renommierten Edinburgh College of Art (eca) in diesem Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent gestiegen. Wer sich in Kunst, Design oder Architektur einschreiben wolle, der müsse zwar nicht seine bisherige Laufbahn angeben, doch die Vermutung liege sehr nahe, dass die Finanzkrise ein Grund für den Zuwachs an Bewerberzahlen sei, sagt eine eca-Sprecherin: "Auffällig ist, dass viele Bewerber in diesem Jahr älter sind als die Studenten, die sich in den Vorjahren bei uns beworben haben."
Die Bildungseinrichtung Training and Development Agency for Schools (TDA) registriert geradezu einen Bewerberboom für freie Lehrerstellen. Die Zahl der Interessenten habe sich um 45 Prozent erhöht, sagt TDA-Chef Graham Holley: "Seit dem Beginn der Finanzkrise erleben wir einen beispiellosen Anstieg bei den Anfragen auf unserer Website."