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Merken   Drucken   23.04.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Karrierefaktor: Zutaten für die richtige Selbstvermarktung

Seit Langem wird erzählt, dass jeder Chef seiner eigenen Karriere sei. Viele haben aber immer noch Probleme mit der Eigenvermarktung. Wie wirbt man also für sich selbst, ohne sich allzu offensichtlich zu loben? von Rhymer Rigby, London
Warum muss ich für mich selbst werben? "Es reicht nicht mehr, einfach gut in seinem Job zu sein", sagt Lesley Everett, Gründerin des Beratungsunternehmens Walking Tall. "Man muss für sich selbst werben und die eigene Karriere mit einer unternehmerischen Herangehensweise anpacken - mit dem eigenen Verhalten, mit der Einstellung und mit Präsenz."
In vielen Branchen und Ländern seien Zurückhaltung und Bescheidenheit einer von Eigeninitiative geprägten Herangehensweise an die Eigenwerbung gewichen. "Die Menschen haben sehr viel zu tun und bevorzugen Klarheit", sagt Everett. "Wenn man ihnen sagt, was man wirklich mitbringt, dann sind sie dafür dankbar."
Erfolgsfaktor: Sich selbst richtig zu präsentieren   Erfolgsfaktor: Sich selbst richtig zu präsentieren
Wie macht man's richtig?
Zwei Zutaten dürfen auf keinen Fall fehlen. Die erste ist authentisch zu sein. Die Botschaft, die man vermittelt, muss die eigene Person richtig widerspiegeln. "Es ist wie bei einem regional typischen Gericht", sagt Jennifer Holloway, Gründerin des Coaching-Unternehmens Spark. "Man identifiziert die Zutaten, die einen selbst von den anderen abheben, und kombiniert sie dann auf die bestmögliche Weise." Zweitens, so Holloway: "Man sollte die Werbetrommel in der Lautstärke rühren, die einem selbst zusagt. Man muss sich dabei selbst wohlfühlen."
Geselligen Menschen sieht man oft nach, wenn sie ein wenig über die Stränge schlagen, andere können jedoch Schwierigkeiten haben. "Wenn man das erste Mal versucht, die Lautstärke hochzudrehen, könnte man sich dabei unwohl fühlen. Sagt es einem aber zu, gewöhnt man sich daran", sagt Holloway. "Einer der Personen, mit denen ich arbeite, würde sich selbst nie als Marketingchef bezeichnen, weil er findet, dass der Ausdruck 'Chef' zu prahlerisch klingt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er von sich sagt, er sei 'verantwortlich fürs Marketing', was für ihn ein Fortschritt ist."
Unterschiedliche Facetten zeigen
Vermittle ich jedem dieselbe Botschaft? "Die Botschaft muss einheitlich sein, kann aber auch vielschichtig sein, sodass man sie auf das jeweilige Gegenüber zuschneiden kann", sagt Everett. Man sollte unterschiedlichen Personen je nach deren Bedarf unterschiedliche Facetten der "Marke Ich" zeigen.
Geht es vor allem darum, sich selbst besser darzustellen? Oft geht es nur darum, sich selbst so darzustellen, dass man im Gedächtnis bleibt - auf positive Weise. Das kann recht subtil geschehen: sei es die Nachricht auf dem Anrufbeantworter (niemals "Entschuldigung" sagen), sei es die Art, sich zu kleiden, oder sei es, den eigenen Vorschlägen nie die Redewendung "Es wird Ihnen wahrscheinlich nicht gefallen, aber ..." voranzustellen.
Zum eigenen Pressesprecher werden
Gnadenloser Selbstvermarkter Dieter Bohlen: Sein eher ...   Gnadenloser Selbstvermarkter Dieter Bohlen: Sein eher amerikanischer Ansatz kommt nicht immer gut an
Sich selbst zum eigenen Pressesprecher zu stilisieren, zu lernen, gut öffentlich Reden zu halten, Blogs zu schreiben und soziale Netzwerke zu nutzen sind gute Mittel für die Eigenwerbung. Der beste Weg ist vielleicht aber, andere Leute dazu zu bringen, dass sie einen in einem guten Licht darstellen. "Man muss ein guter Netzwerker werden", sagt Geraldine Gallacher vom Beratungsunternehmen Executive Coaching. "Je mehr Leute man kennt, desto größer wird der eigene Einfluss." Die eigenen Kunden dazu zu bringen, dass sie Lobeshymnen auf einen singen, sei eine großartige Möglichkeit Pluspunkte zu sammeln, so Gallacher.
Was ist mit kulturellen Unterschieden? Im Allgemeinen haben Amerikaner viel weniger Skrupel, sich selbst besser darzustellen, als Europäer und Asiaten. Es kommt jedoch auf das Umfeld an. "In Deutschland wäre der amerikanische Ansatz überzogen", sagt Everett. "Aber in den USA wird er sehr positiv aufgenommen."
Aus der Financial Times, London. www.ft.com
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