Studiengang Kosmetologie
Studieren kann man sie seit über 20 Jahren an der Universität Osnabrück und seit fünf Jahren auch in Hamburg. Doch wer glaubt, dass das Studium nur die akademische Version einer Kosmetikerausbildung ist, der irrt. Zwar lernen die überwiegend weiblichen Studenten auch, wie man Cremes herstellt, die Haltbarkeit von Lippenstiften testet und Makeup typgerecht aufträgt. Aber das Leben zwischen Tiegeln und Tinkturen ist bei weitem nicht alles. "Sicherlich gibt es immer wieder Menschen, die fragen, wozu man denn Schminken und Waschen studieren müsse", sagt Julia Bayrhammer, die an der Hamburger Universität studiert. "Denen muss ich dann erst erklären, dass bei uns auch wissenschaftlich gearbeitet wird."
Angesiedelt ist der Hamburger Lehramtsstudiengang im Fachbereich Chemie, und das bedeutet vor allem das intensive Studium naturwissenschaftlicher Grundlagen. Auf dem Lehrplan stehen Fächer wie Dermatologie, fachbezogene Chemie und medizinische Mikrobiologie. Wer über Schönheit Bescheid wissen will, muss eben leiden. Und das wollen in Hamburg vor allem Frauen. In Julia Bayrhammers Semester sind unter den 15 Studierenden gerade einmal zwei Männer.
Glänzende Berufschancen
Ähnlich gering ist die Quote im Lehramts- und Diplomstudiengang Kosmetologie der Universität Osnabrück. Sie liegt bei nur zehn Prozent. Wie in Hamburg verfolgt man auch hier einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt bei der Beschäftigung mit dem Thema Schönheit. "Wir vermitteln einen fundierten Überblick über die Kosmetik, von den medizinischen bis hin zu den technologischen Fragen", sagt Studienleiter und Dermatologe Sven Malte John. Seine Studenten untersuchen in Fächern wie Dermatologie, Pharmakologie und Toxikologie Hautreaktionen auf Umwelteinflüsse, beschäftigen sich mit Allergien und der Vorbeugung von Berufskrankheiten.
Doch gänzlich darf der Einblick in die kosmetische Praxis natürlich nicht fehlen: Die Osnabrücker Studenten versuchen sich deshalb im Verlauf ihres neunsemestrigen Studiums auch als Friseure und Maskenbildner, diskutieren kosmetische Modetrends und stellen eigene Pflegeartikel her. In einem Jahr Praktikum und an vielen Labortagen widmen sie sich darüber hinaus der Entwicklung von Test- und Prüfverfahren zur Wirksamkeit von Kosmetika.
Angesichts dieser fundierten und praxisorientierten Ausbildung sind die Berufschancen der Absolventen glänzend. "Die Einsatzmöglichkeiten für Kosmetologen sind vielfältig", sagt Studienleiter John. Neben der Möglichkeit, Nachwuchskosmetiker und -friseure an Berufsschulen zu unterrichten, steht ihnen auch die Wirtschaft offen. Als Berater und Produktentwickler in Unternehmen der Pharma- und vor allem der Kosmetikbranche sind sie auf Grund ihrer seltenen Spezialisierung äußerst gefragt. Der schönste Studiengang der Welt sei immer noch ein "echter Geheimtipp", sagt John.