Umsätze mit Schulbüchern und Lernsoftware in den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen
Apple startet nichts Geringeres als eine Revolution im Schulbuchmarkt: Digitale Lehrmittel können die Art der Wissensvermittlung grundlegend ändern, aber iBooks könnte auch den milliardenschweren Markt für Lehrbücher umkrempeln. In den USA hat das Unternehmen wichtige Mitspieler gefunden: Die drei großen Verlage
Pearson ,
McGraw-Hill und Houghton Mifflin Harcourt, die zusammen einen Großteil des Marktes mit Lehrbüchern abdecken, sind dabei und stellen ihre Werke für einen Einheitspreis von 14,99 Dollar in Apples Bookstore.
Die deutschen Bildungsverlage aber wollen dabei nicht mitziehen - sie haben eine eigene, systemunabhängige Plattform entwickelt, auf der sie digitale Schulbücher anbieten wollen. Starten wird sie nach den Sommerferien. Der Verband Bildungsmedien wird Mitte Februar auf der Bildungsmesse Didacta eine Preview-Version präsentieren. 27 der insgesamt 86 Schulbuchverlage sind an der Lösung beteiligt, darunter auch die beiden Branchengrößen Klett und Cornelsen, die zusammen mehr als die Hälfte des Marktes beherrschen. Es ist bemerkenswert, dass sich die Wettbewerber auf eine gemeinsame Plattform verständigt haben. Gespräche mit Apple soll es nach Aussage des Verbands nicht gegeben haben. Aber das System sei offen für alle.
"Digitale Schulbücher" ist eine Plattform, auf der Lehrer und Schüler Bücher verschiedener Verlage in einem Regal verwalten und nutzen können. Das Regal enthält die Bücher, die der Nutzer über einen Freischaltcode unmittelbar bei den beteiligten Verlagen herunterladen kann. Das bedeutet etwa auch, dass es nicht wie bei Apple einen einheitlichen Preis für die Bücher gibt. Angeboten werden auch Medien für Whiteboards. Cornelsen etwa will zunächst rund drei Dutzend Bücher digital einstellen.
"Das ist ein klares Signal an Apple: Wir können auch ohne euch", sagt Martin Hüppe, Geschäftsführer bei Cornelsen. Dennoch wollen die Verlage ihren Vorstoß nicht als "Anti-Apple-Projekt" verstanden wissen, so Hüppe. "Aber wir wollen und können uns nicht exklusiv an einen Hersteller binden." Sonst würde man die Schulen ja praktisch zwingen, bestimmte Geräte anzuschaffen. "Da bekämen wir Ärger mit den Kultusministern."