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Christine Licci Medienstar ist auf Tauchstation. Seit drei Monaten ist die Vorzeigebankerin und frühere Citibank-Deutschland-Chefin im Vorstand der HypoVereinsbank (HVB) für das Privatkundengeschäft zuständig. Doch über ihre Eindrücke und Ziele kommuniziert die in Südtirol aufgewachsene 40-jährige bislang nur an die Mitarbeiter: über die Hauszeitschrift und E-Mails, die mit "Liebe Grüße, Ihre Christl Licci" enden. So lobt sie, dass beim Börsengang des Bezahlsenders Premiere HVB-Privatkunden Aktien über 126 Mio. Euro zeichneten und das interne Ziel von 100 Mio. Euro übertroffen wurde. Oder motiviert: "Wir können viel erreichen, wenn wir eng und unkompliziert zusammenarbeiten."
So weichgespült das klingt - die Schwachstellen der Bank, die 2004 durch Wertberichtigungen im Immobiliengeschäft mit 2,3 Mrd. Euro Verlust und im Deutschland-Geschäft mit nur 18 Mio. Euro Betriebsergebnis abschloss, adressiert sie knallhart: Zu hohe Kosten, ungenutzte Geschäftsmöglichkeiten, kein klares Erscheinungsbild und "noch viel zu viel Politik in der Bank", zählt sie in der Hauszeitschrift auf. Als sie erfahren habe, "dass wir im Privatkundengeschäft eine Cost-Income-Ratio (Kosten-Ertrags-Relation) von rund 90 Prozent haben, bin ich erschrocken".
Selbstverständnis als Dienstleister
Auch Vorstandskollegen trifft ihre Kritik: "Wir sind auch intern sehr unklar aufgestellt." Vieles werde doppelt und dreifach erledigt. Man merke, "dass die Bank immer noch keine einheitliche Kultur hat". Der Vorstand müsse als Team funktionieren.
Licci hingegen meint, "mehr Dienstleister als Chef" zu sein und bezeichnet ihren Führungsstil als sehr offen und klar. In dieser Atmosphäre gebe es keine Angst. Politik und Intrigen würden nicht toleriert. Wie es in der HVB heißt, führte Licci zunächst viele Gespräche mit den Verantwortlichen. Sie wird als "tough" beschrieben, "sie weiß, was sie will". Dazu gehört - Offenheit hin oder her - auch eine eigene Hausmacht. So versucht sie dem Vernehmen nach, ihren früheren Kommunikationschef bei der Citibank, Christian Kroos, zur HVB zu holen. Andere Citibanker könnten folgen.
Nach ersten Besuchen in einer Niederlassung und einer Filiale ist sie nach eigenen Angaben "mit zwei vollen Zetteln mit konstruktiver Kritik zurückgekommen". Ihrer Ansicht nach waren die Absatzzahlen zuletzt nicht mehr so stark "weil die Mitarbeiter wussten, dass sie teilweise Produkte verkauft haben, um hohe Bruttobeiträge zu realisieren, aber dabei nicht die Ideallösung für den Kunden getroffen haben". Das produktorientierte Modell der Citibank, an deren Spitze sie von 2001 bis Mai 2004 stand, sei auf die mehr auf Beratung ausgerichtete HypoVereinsbank nicht übertragbar.
Mitarbeiter von Firmenkunden im Visier
200 000 neue Privatkunden brutto fordert HVB-Chef Dieter Rampl in diesem Jahr, nach 150.000 vergangenes Jahr. Enormes Potenzial hat die HVB nach Liccis Ansicht etwa bei den Mitarbeitern von Firmenkunden. Die Bank sei aber im Markt nicht klar positioniert. "Potenzielle Neukunden wissen gar nicht, wieso sie sich für uns entscheiden sollten."
Ihre Einstellung zur Lage der Banken stellte Licci vor einer kleinen Zuhörerschar im Rotary Club Kaarst am Niederrhein, weit weg von der Münchner Zentrale, vor. "Die Banken in Deutschland haben geschlafen", die Kreditinstitute seien zu wenig innovativ, notierte der Reporter der Neuss-Grevenbroicher-Zeitung. Die Kunden verlangten Verlässlichkeit. "Kunden wollen ihren Bankberater erreichen, wann und wie es ihnen passt - das geht auch am Telefon." Das Credo von Frau Licci: "Erfolg hängt vor allem von der Unternehmenskultur ab." Da hat nicht nur sie bei der HVB noch viel zu tun.