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Merken   Drucken   08.11.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Manager-Weiterbildung: Im Meeting mit sich selbst

Fachwissen allein macht noch keinen guten Manager. Business-Schulen setzen nun die Persönlichkeit auf den Lehrplan. Die Entwicklung der Soft Skills rückt auch bei EMBA-Programmen stärker in den Fokus. von Axel Gloger
"Mit Speck fängt man Mäuse", so lautet eine alte Bauernregel. Auch die Business-Schools nutzen Lockmittel, um für ihre Programme zu werben. Besonders gefragt sind zurzeit Kurse zum Thema Persönlichkeit, die in die MBA- und Executive-MBA-Programme eingeflochten werden.
Auch die ESMT in Berlin hat ihre Programme neu ausgerichtet   Auch die ESMT in Berlin hat ihre Programme neu ausgerichtet
"Diese Angebote haben eindeutig zugenommen", sagt Nick Barniville, MBA-Director bei der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Mit Lehrstoff, der die Persönlichkeit weiterbringt, können sich die Business-Schools von ihrer Konkurrenz noch abheben. Denn die Betriebswirtschaftslehre allein bringt keine Punkte mehr. BWL ist wie Milch im Supermarktregal - ganz gleich, wo der Kunde hingeht, die Angebote sind überall ähnlich: Kurse in Marketing, Finanzierung und Personal sind die Grundsubstanz jedes MBA-Studiums.
Großes Augenmerk auf Persönlichkeit
Auch am Arbeitsmarkt gewinnt das Thema an Bedeutung: "Persönlichkeit wird im Wettlauf um die Positionen an der Spitze immer wichtiger", sagt Bettina Sturm, Inhaberin der Karriereberatung Dein Copilot. Beste Fachkenntnisse werden in den Top-Jobs stillschweigend vorausgesetzt - aber wer in turbulenten Zeiten führen will, muss mehr bieten. "Seine Wirkung auf Mitarbeiter und Kollegen einschätzen, zielorientiert kommunizieren, beherzt entscheiden und gut delegieren können - solche Fähigkeiten sind für obere Führungspositionen wichtig", erklärt Edmund Mastiaux vom Zentrum für Management und Personalberatung (ZfM).
Deshalb setzt der Executive MBA der Universität St. Gallen beispielsweise auf das Soft-Skill-Plus - neben den am Markt gängigen und austauschbaren Leistungsversprechen wie Exzellenz oder World Class Faculty wird die Entwicklung der Persönlichkeit sogar besonders herausgestellt. "Damit unterstützen wir unsere Teilnehmer auf dem Weg zur Führungsposition", sagt Markus Seitz, Managing Director des Executive MBA. "Die Lehrinhalte sind nur eine Hälfte des Nutzens, die andere Hälfte ist die persönliche Entwicklung." Um dieses Versprechen einzulösen, gibt es einige Angebote jenseits des üblichen BWL-Programms. Sie reichen von Karriereberatung über Stress- und Gesundheitschecks bis hin zu Sport und Einzelcoachings.
Auch mentale und physische Fitness trainieren
Aber gehören Kurse in Sport und Stressbewältigung wirklich in ein Executive-MBA-Programm, das immerhin stolze 51.000 Euro kostet? Solche Kurse könnte man schließlich auch wesentlich günstiger bekommen - zum Beispiel beim Fitness-Center um die Ecke. Seitz beantwortet diese Frage mit einem entschiedenen Ja: "Berufstätigkeit ist heute stark leistungsorientiert", sagt er, "dafür braucht es nicht nur fachliche Fähigkeiten, sondern auch mentale und physische Fitness."
Ein Sportmediziner vom VfB Stuttgart helfe den MBA-Studenten, achtsam gegenüber sich und den anvertrauten Mitarbeitern zu sein. Gesundheit sei ein Schlüssel zum Erfolg im Beruf. "Wer stark und fit ist und seine Grenzen einschätzen kann, verringert das Risiko, im Job auszubrennen."
Teilnehmer stehen oft an einem kritischen Punkt ihrer Karriere
Selbst gestandene Manager können in den Executive-Studiengängen noch etwas dazulernen. "Klar, wir haben es hier mit sehr erfahrenen Teilnehmern zu tun", sagt Konstantin Korotov, Direktor des Center for Leadership Development an der ESMT. Seine Studenten haben im Schnitt zehn Jahre und mehr Berufserfahrung. Aber viele kommen in einem kritischen Moment ihrer Karriere zurück an die Universität: "Der typische Executive-MBA-Student steht an einem Punkt, wo es nicht mehr reicht, einfach professionell gut zu sein." Wer Mitarbeiter führt, harte strategische Nüsse knacken muss und manchmal auch die Aufgabe hat, Entscheidungen schnell durchzudrücken, braucht mehr als ein paar angelernte Führungsfähigkeiten.

Teil 2: Wie die Schulen die EMBA-Teilnehmer richtig ausrüsten

  • FTD.de, 08.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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