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Merken   Drucken   30.06.2009, 12:51 Schriftgröße: AAA

Manager-Weiterbildung: Unis locken mit Geld und neuen Fächern

Der MBA ist vielen inzwischen zu teuer. Außerdem seien die Schulen teilweise schuld an der aktuellen Krise, so Experten. Die Institute versuchen, mit Stipendien und neuen Schwerpunkten den Image- und Teilnehmerverlust wettzumachen. von Sabine Meinert
Ausländische Studenten können jetzt in Chicago Darlehen ohne US-amerikanische Mitunterzeichnung bekommen. Die University of Chicago unterzeichnete dazu ein Teilnahmeschreiben an dem neuen International Student Loan Programme. Dieses Programm will internationalen Studenten Ausbildungsdarlehen ermöglichen, die nicht zu US-bundesstaatlicher Unterstützung berechtigt sind und zugleich die Bedingungen für die üblichen Privatkredite nicht erfüllen können. Etwa ein Drittel aller Studenten, die das MBA-Programm an der Chicago Booth belegt haben, kommen aus dem Ausland.
Die Deutsche Bank will beim neuen Darlehensprogramm der Chicago ...   Die Deutsche Bank will beim neuen Darlehensprogramm der Chicago Booth mitziehen
Die Deutsche Bank plant als erster Investor, Schuldscheine zu kaufen, mit dessen Erlös die Studiengebühren finanziert werden sollen. Rosemaria Martinelli, auβerordentliche Dekanin für Zulassung und Bewerbung: „Da einige der herkömmlichen Finanzierungsmöglichkeiten wegen der schwachen Wirtschaftslage nun unzugänglich sind, haben wir in aller Ausführlichkeit nach kreativen Alternativen zur Studienfinanzierung unserer internationalen Studenten gesucht. Wir freuen uns, dass wir jetzt eine nachhaltige Lösung anbieten können.“
Link: http://www.chicagogsb.edu
Die ESCP Europe (vormals ESCP-EAP) ist mit ihrem Master in European Business-Programm (MEB) in die Förderung der Deutsch-Französischen Hochschule aufgenommen worden. Das bedeutet, dass alle Studierenden, die ab Herbst Studienjahr an den Standorten in Paris und Berlin studieren, ein Stipendium in Form einer Mobilitätshilfe von bis zu 2.700 EUR beantragen können. Zusätzlich führt die ESCP Europe selbst ein neues Stipendiensystem ein, das Teilstipendien in drei Kategorien vorsieht. Diese können kombiniert werden und damit eine Förderung von bis zu 8.000 EUR ermöglichen.
Das MEB-Programm der ESCP ist ein intensives Managementstudium, das in einem Jahr in zwei Ländern stattfindet und drei Praxisprojekte integriert. Es umfasst Managementausbildung, interkulturelle Erfahrungen und direkte Praxisanwendung. Der ESCP-Multicampus bietet Studienmöglichkeiten in Berlin, london, Madrid, Turin und Paris.
Link: www.escp-europe.de/meb, http://www.escp-europe.eu/de/campus/berlin/
Die Essec gilt als eine der führenden Business-Schulen in Europa   Die Essec gilt als eine der führenden Business-Schulen in Europa
Die ESSEC Business School und die medizinische Fakultät der Universität Paris Descartes, kooperieren: Sie wollen künftig Medizinstudenten mit MBA-Abschlüssen ausstatten. Das geplante Doppelstudium soll künftige medizinische Leiter von Kliniken eine fundierte Managementausbildung verschaffen.
Sechs bis acht Studenten sollen dafür jährlich eine Empfehlung erhalten. Sie können nach Abschluss ihres vierten Studienjahres die an der ESSEC üblichen Aufnahmeverfahren für das MBA-Studium durchlaufen. In der Zeit zwischen der Vorauswahl und dem eigentlichen Aufnahmeverfahren müssen die Kandidaten zudem Prüfungen in verschiedenen Fächern, vor allem in Wirtschaft und Management, ablegen, um ihr Wissen in diesen Fächern aufzufrischen.
Die Dauer des ESSEC MBA-Studiums beträgt vier Jahre oder acht Semester. Auf Grund der starken Belastung der Medizinstudenten durch die Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen und die Assistenzarztzeit wird das ESSEC MBA-Studium im zweiten Semester des sechsten Studienjahrs aus-, und während des praktischen Jahrs fortgesetzt.
Vier Studenten sollen Stipendien erhalten, die von den Pharmakonzernen Servier, Sanofiaventis und Roche vergeben werden. Des Weiteren unterstützt die Pfizer Pharma GmbH das Doppelstudium.
Link: www.essec.edu
Die Fachhochschule Koblenz hat ihr MBA-Fernstudienprogramm nach den Qualitätsstandards der Agentur AQAS erneut akkreditieren lassen und erweitert. Künftig stehen den Teilnehmern sieben Schwerpunkte zur Verfügung. Zu den bereits bestehenden Studienrichtungen Marketing, Produktionsmanagement, Logistikmanagement, Sanierungs- und Insolvenzmanagement, Gesundheits- und Sozialwirtschaft sowie Freizeit- und Tourismuswirtschaft, kommt jetzt noch „Unternehmensführung/Finanzmanagement“ hinzu.
Die neue Spezialisierung kann voraussichtlich ab Herbst 2009 belegt werden. Zuvor erwerben alle Studierenden jedoch unabhängig vom Studienschwerpunkt Wissen zu Managementtechniken und betriebswirtschaftlichem Knowhow. Auch Teilnehmer ohne ersten Hochschulabschluss haben die Möglichkeit, die MBA-Fernstudienangebote zu nutzen. Quereinsteiger müssen lediglich die (Fach-)Hochschulreife und über fünf Jahre Berufs- und Führungserfahrung nachweisen sowie einen Eignungstest ablegen. Das MBA-Fernstudienprogramm am RheinAhrCampus läuft in Kooperation mit der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH). Nach modernen Ansatz des „Blended Learning“ konzipiert, finden Selbstlernphasen im Wechsel mit Präsenzveranstaltungen an Samstagen statt. Während der Selbststudien-Phasen erfolgt ein Tutoring durch Fachleute aus Hochschule und Wirtschaft. Links: www.mba-fernstudienprogramm.de, www.zfh.de
Blick auf die Schweizer Universität St. Gallen   Blick auf die Schweizer Universität St. Gallen
Die Universität St. Gallen hat eine neue Professur zum Schwerpunkt „Management erneuerbarer Energien“ eingerichtet. Die Good Energies-Professur wurde vom gleichnamigen Investor im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz gesponsort. Das Universitätsinstitut für Wirtschaft und Ökologie (IWÖ-HSG), in das der Lehrstuhl integriert ist, kommt damit mit seinen Plänen voran, ein Centre of Excellence im Bereich des Managements von erneuerbaren Energien zu etablieren.
Der Lehrstuhl soll unter anderem der Frage nachgehen, wie der Anteil erneuerbarer Energien durch das Zusammenspiel von privaten Investitionen, Verbraucherverhalten und wirkungsvoller Energiepolitik markant gesteigert werden kann. Desweiteren: Welche Innovationen sind nötig, um die Industrie der erneuerbaren Energien voranzubringen, insbesondere auch in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise? Fachleute sehen derzeit einen Bedarf an Nachwuchskräften in der Branche – gerade auch in der aktuellen Wirtschaftskrise. Sie könnten den Unternehmen helfen, mit innovativen Geschäftsmodellen und Hochtechnologie den Auswirkungen des Klimawandels wirksam zu begegnen.
Link: www.unisg.ch
Das Supply Chain Management Institute (SMI) der European Business School (EBS) hat gemeinsam mit BMW ein Center für Einkauf und Supply Management an der China Europe International Business School (CEIBS) gegründet. Die Partner wollen gemeinsam an der CEIBS in diesem Themenfeld forschen. Erste Projekte, zum Beispiel zur Lieferantenintegration in der Automobilindustrie, sind bereits aufgesetzt.
Philip Christian Eller, Senior Vice President Purchasing and Supplier Network bei BMW, sieht eine strategische Bedeutung des Centers für sein Unternehmen. „China ist ausgesprochen wichtig für uns, nicht nur als Absatz-, sondern auch als Einkaufsmarkt“, sagte er. China könne die USA schon bald vom ersten Platz auf dem Automobilmarkt verdrängen, deshalb sei es für BMW von entscheidender Bedeutung, den Einkauf hier weiter auszubauen.
Auch Christopher Jahns, Präsident der EBS und Executive Director des SMI verweist auf die wachsende Bedeutung des Themas: „Einkauf ist ein Zukunftsthema, der Bedarf an Forschung, aber auch im Bereich Aus- und Weiterbildung ist enorm, vor allem bei Unternehmen, die in China aktiv sind.“ Immerhin mache der Einkauf bei manchem Hersteller bis zu 60 Prozent der Produktionskosten aus.
Die CEIBS gilt als die beste Business School im asiatischen Raum und ist mit ihrem MBA-Programm weltweit die Nummer acht.
Links: www.ebs.de, www.ceibs.edu
Hörsaal in der Tuck School of Business in Dartmouth   Hörsaal in der Tuck School of Business in Dartmouth
Die Tuck School of Business in Dartmouth fokussiert künftig innerhalb ihres MBA-Programms auf Folgen der globalen Erwärmung und des Klimawandels. Die Schule führt dazu den neuen Wahlkurs Business & Climate Change ein.
Die Idee zur Gründung des neuen Wahlkurses gab die Forschung und Entwicklung der so genannten „fossil fuel beta“-Methode von Tuck-Finanzprofessor Anant Sundaram: ein Verfahren zur Messung der Auswirkungen von Preisschwankungen für fossile Brennstoffe auf Aktienpreise und –gewinne. Dieses Messinstrument soll Aufschluss darüber geben, wie Unternehmenspolitik und Kurssicherungsgeschäfte dazu beitragen können, die Gewinne eines Unternehmens von Preisturbulenzen bei Öl, Gas und Co. abzukoppeln.
Dabei soll nach Angaben der Schule das Bewusstsein für Probleme durch den Klimawandel entwickelt werden. Außerdem gehe es darum, wissenschaftliche Prognosen zu überprüfen und Finanzanalyseverfahren zur Bewertung des Markt-/Risikowerts von Unternehmen zu entwickeln, dass die Risiken des Klimawandels, der Nutzung fossiler Brennstoffe, der CO2-Bilanz und des Treibhausgasausstoßes einbezieht.
Link: www.tuck.dartmouth.edu
Die Reims Management School bietet künftig das neue Wahlfach Islamic Banking and Finance innerhalb des Masters in Management „Sup de Co Reims“ an. Die Studenten werden dabei in die Grundsätze und Regeln islamischer Banken und Versicherungen eingeführt. Sie erfahren, wie Verträge erstellt werden, die auf den Gesetzen der Scharia basieren und lernen die verschiedenen Techniken kennen, die von islamischen Finanzinstitutionen angewandt werden.
Hintergrund: Der Sektor Islamic Finance erreicht weltweit eine jährliche Wachstumsrate von 15 bis 20 Prozent. Vor allem seit durch die Finanzkrise das konventionelle, westliche Finanzmodel in Verruf geraten ist, wird Islamic Banking als Alternative wahrgenommen. Konventionelle Banken erweitern daher ihr Angebot auf Produkte, die Scharia-konform sind. Der Kurs wird in englischer Sprache abgehalten.
Link: http://www.reims-ms.fr/index-en.html
Unternehmer, die innerhalb einer Konzernstruktur agieren, müssen häufig größere Hürden nehmen als klassische Unternehmer, die ihr eigenes Geschäft führen, sagen Vertreter der französischen Business School EM Lyon. Dem will das Global Entrepreneuership Program der EM Lyon abhelfen: Véronique Bouchard unterrichtet daher "Corporate Entrepreneurship" – Unternehmertum innerhalb bestehender Organisationen.
Für angestellte Unternehmer, so sagt Bouchard, gibt es zehn typische Fehler, die sie vermeiden sollten, zum Beispiel: sich auf großzügige Budgets, unbegrenzte Unterstützung und allgemeines Wohlwollen zu verlassen, Projekte zu früh bekannt zu machen, Finanzplanung und –kontrolle aufzuschieben oder sich zu Lasten des Businessplans auf technische Probleme zu konzentrieren. „Viele große Unternehmen haben Angst, dass sich das interne Unternehmertum verselbstständigt und zu dem so sehr gefürchteten Kontrollverlust führt. In unserem Global Entrepreneurship Program versuchen wir den angestellten Unternehmern beizubringen, wie sie Fallen entdecken und erfolgreich umgehen", sagt Bouchard.
Link: www.msc-entrepreneurship.com
  • FTD.de, 30.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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