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  21.11.2006, 13:58  

Managern eine Stimme geben

Der beste Businessplan ist wenig wert, wenn er nicht überzeugend vorgetragen wird. Und die tollste Rede schadet eher dem Image, wenn niemand sie als bedeutenden Beitrag wahrnimmt. Neben Nonverbalem und der Vortragsweise zählt vor allem die Stimme. von Sabine Meinert 
Der US-Kommunikationswissenschaftler Prof. Albert Mehrabian fand in einer zweijährigen Studie heraus: 7 Prozent des bei Gesprächspartnern und Publikum hinterlassenen Eindrucks geht auf das zurück, was wir gesagt haben (Inhalt). 38 Prozent des Eindrucks entstehen durch sprecherische und kommunikative Fähigkeiten (Stimme) und 55 Prozent beziehen sich auf alles, was mit dem Auge wahrgenommen werden kann (Optik).
Fazit: Welchen Eindruck wir mit einem Vortrag hinterlassen, wird entscheidend davon geprägt, wie wir etwas präsentieren - vor allem auch: stimmlich präsentieren. Wer mit leiser, brüchiger Piepsstimme ein neues Projekt vorschlägt, wer nervös und abgehackt seine Vorschläge herunterhaspelt oder seinen Vortrag durch ständiges Hüsteln und Räuspern unterbricht, beschneidet seine Erfolgschancen - so richtig und wichtig das Gesagte auch ist.
Simon Cannon, Professional Voice   Simon Cannon, Professional Voice
Vorbereitung nötig
Gerade Führungskräfte vernachlässigen häufig das Training ihrer Stimme, sagt Simon Cannon, Partner von Professional Voice. Der Seminar-Anbieter aus London trainiert in Leadership-Modulen die stimmlichen Fähigkeiten von Managern, vermittelt Sprach- und Atemtechniken, bereitet auf Präsentationen vor. "Häufig wird auf die Auswahl des Druckpapiers für das Hand-out mehr Sorgfalt verwendet als auf die stimmliche Vorbereitung eines Redebeitrags", so Cannons Erfahrung.
Beispiel: Begrüßung/Beginn eines Gesprächs
Der erste Eindruck prägt entscheidend das Bild eines neuen Gesprächspartners. Deshalb ist bereits die Begrüßung eine Präsentation der eigenen Person und der Dinge, die man besprechen will.
Eine Bankerin, die mit hoher, sich überschlagender Stimme ein "Guten Morgen!" in den Raum wirft und dann über einen 100 Mio. Euro-Kredit sprechen will, wird deutlich weniger glaubwürdig und kompetent wahrgenommen, als eine Kollegin, die ihrer Stimme einen satteren, tieferen Klang gibt. Selbst wenn sie mit einem eher saloppen "Hallo!" startet. Der ersten Präsentatorin wird man auf jeden Fall Nervosität attestieren und nach möglichen Gründen suchen, was dann zu Fragen führen könnte wie: Ist an dem Projekt vielleicht doch etwas faul?
Der amerikanische Sprechtrainer Glenn S. Pfau fasste es in seinen Schriften so zusammen: "Words walk. Bodies, vocal variations and gestures talk."
 
Professional Voice arbeitet vor allem in Kleingruppen- und Einzelseminaren mit Managern. Häufig sind es gestandene Führungskräfte, die die Erfahrung gemacht haben, dass sie durch ihr untrainiertes Element - die Stimme - viel verschenken. "Ein langweiliger, monotoner Vortrag nervt jedes Publikum. Man muss die Zuhörer packen, sie durch Ansprechhaltung und stimmliche Modulation dazu bringen, beim Gesprochenen und beim Redner zu bleiben. Doch viele Redner sehen ihre Fehler nicht", sagt Cannon.
Keine Nachlässigkeiten
Nuscheln, Schnellreden, Verschlucken von Endungen, Dialekte - das alles hilft nicht weiter. Doch das Training muss schon vor dem eigentlichen Sprechen einsetzen. "Die Basis ist eine wache, aufrechte Körperhaltung. Damit ist nicht gemeint 'Brust raus, Bauch rein!', denn das macht nicht nur den Körper steif und fest, sondern auch die Stimme", erklärt Annalena Schmidt, freie Stimm- und Sprechtrainerin aus Hamburg.
Annalena Schmidt, Stimm- und Sprechtrainerin   Annalena Schmidt, Stimm- und Sprechtrainerin
Ihr Credo ist daher: Haltung gehört zum guten Ton! "Die gesamte Muskulatur sollte locker, aber dennoch in guter Spannung sein. Diesen Spannungszustand nennt man Eutonus. Um ihn zu erreichen hilft es, sich zu dehnen, zu räkeln und zu gähnen, sich zu schütteln wie ein nasser Hund und dabei die Stimme frei tönen zu lassen."
Entscheidend: Das "Wie"
Auch Professional Voice setzt in seinen Seminaren bei Atmung, Haltung, Stimmformung an. "Wer nicht weiß, dass das Stimmband vibrieren muss, um einen vollen Klang zu entwickeln, oder dass ein verkrampftes Zwerchfell die Atmung nicht unterstützt, der wird nie begreifen, dass man zusammengesunken in seinem Stuhl, mit abgeknicktem Kopf nicht gut reden kann", so Cannon.
Natürlich sollte man das "Wie" des Sprechens der jeweiligen Situation anpassen. Ein Sprechtraining sollte deshalb sowohl auf formelle Auftritte (Verhandlungen, Konferenzen, Präsentationen) als auch auf informelle Gelegenheiten (Briefings, Gespräche unter Kollegen, Geschäftstreffen) vorbereiten.
Telefonate enthüllen oft mehr als der Sprechende sagt   Telefonate enthüllen oft mehr als der Sprechende sagt
"Selbst Telefongespräche sollte man nicht unterschätzen", rät Cannon. "Wer sich über den halben Tisch zum Telefon beugt, klingt anders als jemand der locker sitzt, mit erhobenem Kinn, geöffnetem Brustkorb und lockeren Schultern." Außerdem geben seiner Erfahrung nach die meisten Anrufer ihrem Gegenüber viel zu wenig Zeit zuzuhören. Ein weiterer Fehler ist zu schnelles Sprechen. "Und man sollte nie vergessen, dass der Gesprächspartner sehr wohl mitbekommt, was man nebenbei macht - egal, ob man einen Text tippt, das Butterbrot auspackt oder einen Stapel Papiere locht. Nicht weil derjenige am anderen Ende es wirklich hört, sondern weil der Sprecher abgelenkt, desinteressiert und nicht wirklich präsent klingt."
Englisch präsentieren
Doppelt schwierig wird es, wenn eine Fremdsprache dazu kommt. Die Sprechtrainer und Coachs von Professional Voice sehen hier ein großes Manko von deutschen Führungskräften, die sich der Geschäftssprache Englisch bedienen. "Nicht nur, dass sich häufig 'false friends' in das Gesprochene einschleichen, dass Satzbau und -konstruktion sich vom Deutschen unterscheiden, auch die Sprachmelodie und Artikulation ist sehr verschieden. Deutsch wird zum Beispiel sehr weit hinten in der Kehle gesprochen und manche Silben werden stark betont - das wird von einem englischen Ohr als hart und aggressiv wahrgenommen. Das löst negative Gefühle aus. Darüber macht sich hierzulande aber kein Manager Gedanken", so Cannon.
Gerade bei Vorträgen wichtig: Die Aufmerksamkeit des Publikums ...   Gerade bei Vorträgen wichtig: Die Aufmerksamkeit des Publikums über die Gesamtzeit zu halten
Video- und Tonband-Aufzeichnungen helfen bei Professional Voice, solche Fehler zu erkennen und deutlich zu machen, wo es einem Sprecher vielleicht an Präsenz und Energie fehlt, an welcher Stelle die Kommunikation mit dem Zuhörer abbricht, welche Schlüsselworte die Aufmerksamkeit halten und wo zum Beispiel eine Sprech-Pause wichtig gewesen wäre.
Aufregung wegatmen
Dass jemand ohne Punkt und Komma redet ist häufig ein Zeichen von Aufregung, wissen Stimmcoachs. Für Schmidt gibt es dann nur eins: "Ausatmen, ausatmen, ausatmen! Wenn wir aufgeregt sind, erhöht sich die Körperspannung, wir atmen mehr Luft ein als wir brauchen. Oft scheint uns dann die Luft die Kehle zuzuschnüren."
Beispiel: Was tun, wenn die Nervosität steigt
Sprechtrainerin Annalena Schmidt: "Ausatmen! Stoßen Sie die Luft kraftvoll aus oder leiten Sie mit einer kraftvollen, aber langsam geführten Ausatmung den Stress ab. Stellen Sie sich vor, der Luftstrom führt nach unten durch den Körper in den Boden.
Unterstützen Sie das mit einer Bewegung der Hände: Führen Sie die Handflächen, die zum Boden gerichtet sind, von der Magengegend mit der Ausatmung bis zur Streckung der Arme in Richtung Boden. Dann lassen Sie die Hände wieder zurückfedern.
Dabei fließt der Atem automatisch ein und sie beginnen wieder mit der kraftvollen, aber ruhigen Ausatmung. Das beruhigt Atmung und Gedanken und gibt Ihnen wieder Boden unter die Füße."
In echten "Notfällen" hilft manchmal ein kleiner Spickzettel, auf dem steht: Think - breathe - speak, so Simon Cannon von Professional Voice. "Also: Erst einmal nachdenken, ein-, zweimal durchatmen und dann in Ruhe sprechen. So klingt man wesentlich selbstbewusster und deutlich entspannter."
 
"Je sicherer ich mir meines Stimm- und Sprechinstrumentes bin, desto weniger muss ich aufgeregt sein, also: Sprechwerkzeuge lockern - bevor Sie ans Rednerpult treten!", das nehmen Teilnehmer aus einem Medientraining bei Schmidt mit. Konkret heißt das: Den Unterkiefer bewegen oder mit den Lippen flattern - so als würde man eine Portion Spinat über den Tisch blubbern lassen.
"Lassen Sie Ihre Zunge im vorderen Mundraum - zwischen Lippen und Zähnen - kreisen und sprechen Sie zum Schluss einen Zungenbrecher, zum Beispiel: 'Zwischen zwei Zwetschgenzweigen sitzen zwei zwitschernde Schwalben.'" Dann, so ist sich die Trainerin sicher, ist auch das Sprechinstrument wach.
Bei Novartis genießen Topmanager auch ein Stimmtraining - hier die ...   Bei Novartis genießen Topmanager auch ein Stimmtraining - hier die Zentrale in Basel
Mehr Gehör verschaffen
Wie viel die Arbeit an der Stimme bringen kann, wissen die Führungskräfte des Pharmakonzerns Novartis inzwischen. Auf die stimmprägende Arbeit von Professional Voice setzt der Konzern bereits konzernweit, bestätigt Susanne Roehrig, verantwortlich für das Leadership-Programm: "Die Seminarteilnehmer sind nach den Kursen in der Lage, jeder Art von mündlicher Präsentation im Konzern das optimale Maß an Klarheit, Wirkung und Autorität zu verleihen. Für eine effektive Führung ist das von entscheidender Bedeutung."
Mehrere andere Großunternehmen integrieren die Module derzeit in interne Programme zur Führungskräfteentwicklung. Auch Managerinnen der British Telecom ließen sich erfolgreich trainieren. Ihr Fokus: Sie wollten in Meetings auch gehört und nicht ständig von männlichen Führungskräften übertönt werden. Die Frauen erreichten per Stimmtraining, dass man sie nun ernster nimmt, dass sie "mehr Stimme" im Unternehmen haben, berichtet Professional-Voice-Partner Cannon.
Nicht die Stimme verändern
Gerade Frauen empfinden offizielle Geschäftstreffen und Meetings oft als Stress-Situation, weiß Schmidt aus ihrer langjährigen Arbeit als Sprech-, Medien- und Moderationstrainerin. Hier gilt es häufig erst einmal, die Stimmlage aus dem Kopf in den Brustraum zu verlagern. "Das schafft mehr Autorität", pflichtet auch Cannon bei. "Dabei geht es nicht darum, die eigene, charakteristische Stimme zu verändern, sondern sie mit ein bisschen Training besser, klangvoller und effektiver einzusetzen."
Manchmal hilft schon ein kleines Lächeln, um eine ganz andere Wirkung des Gesagten zu erreichen und die Stimme freundlicher, offener klingen zu lassen, sagt Schmidt. Auch wenn es - wie zum Beispiel in Bewerbungssituationen - manchmal schwer falle. "Und wer die Macht seiner Stimme erst einmal kennengelernt hat, wird auf diese Wirkung nicht mehr verzichten wollen."
Mehr Informationen zum Thema Sprech- und Stimmtraining finden Sie unter: www.sprechtraining.info; www.professionalvoice.co.uk
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