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Merken   Drucken   30.10.2009, 12:00 Schriftgröße: AAA

MBA-Curriculum: Das Jahr danach

Viele MBA-Programmdirektoren haben das Jahr nach dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft grübelnd mit der Frage verbracht, ob sie ihre Lehrpläne nicht neu erfinden müssten, um auf eine Finanzkrise zu reagieren, die sie nach Ansicht vieler selbst mit verursacht haben. von Barbara Bierach (mba-channel.com) 
Die Argumente der Kritiker sind wohlbekannt: Gescheiterte Unternehmen wie Lehman Brothers waren voll von gierigen und selbstgefälligen Absolventen prestigeträchtiger Business Schools. "Doch gleichgültig, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht," meint das britische Wirtschaftsmagazin Economist, "es trifft sicher zu, dass die Krise nicht nur die Einstellung zu Business-Schulen fundamental verändert hat, sondern auch die zur Kunst des Managements an sich."
Ein Jahr später überlegen die Schuldirektoren immer noch, mit welcher Reaktion sich ihre schwindende Reputation retten ließe. Die meisten geben sich mit bescheidenen Anpassungen im Lehrplan zufrieden. Die Columbia Business School in New York beispielsweise ist dabei, zwei neue Module einzuführen, eines zur Zukunft der Finanzwirtschaft und ein anderes zum Zusammenbruch der Automobilindustrie. In der Thunderbird School of Global Management in Arizona müssen Studenten des Global MBA Programms das Studium mit einem abschießenden Modul zum Thema Weltbürgertum beenden.
Nicht zu radikal
Das ist nicht gerade revolutionär und typisch für die akademische Welt: Im Reich der Bücher dauert es für gewöhnlich lange, bis Veränderungen umgesetzt sind. Wenn Professoren neue Kurse einführen wollen, müssen sie den Lehrkörper überzeugen, ihre Kompetenz für die Inhalte unter Beweis stellen und demonstrieren, dass ihr Lehrangebot den Qualitätsvorstellungen von Schule und Akkreditierungs-Organisationen entspricht. Viele sehen es gar als Fehler, wenn der Lehrplan einer Schule sich zu schnell oder zu radikal verändert. Terry Ilott, Kursdirektor an der Cass Business School der City University in London sagt, er würde "einer Schule sehr misstrauisch gegenüber stehen, die einfach kurzfristig ihr Curriculum in Stücke hackt." Nur wegen der Krise hätten sich die wesentlichen Grundlagen der Unternehmensführung ja nicht geändert. Die Fundamente des Marketings, der Volks- und Finanzwirtschaft blieben gültig.
Die Booth School of Business will künftig andere Schwerpunkte setzen   Die Booth School of Business will künftig andere Schwerpunkte setzen
Andere hingegen finden es entscheidend, diese Fundamente im Unterricht jetzt in einen Kontext mit den Unternehmens-Pleiten zu setzen. Randall Kroszner, ehemals Mitarbeiter der amerikanischen Zentralbank und jetzt Dozent für Volkswirtschaft an Booth School of Business der University of Chicago, sagt dass er seine MBA-Studenten zwar nicht mit einem radikal neuen Lehrplan konfrontieren wird, aber doch andere Schwerpunkte setzt. "Würde ich meinen Geld-Kurs jetzt einfach wieder so abhalten wie vor vier Jahren, würde ich den Immobilienmarkt nicht so betonen und auch nicht die Verkettungen zwischen dem Finanzsystem der Banken und dem der Nicht-Banken."
Zinspolitik ist ein anderes Beispiel für Veränderungen. Vor fünf Jahren wurde die Möglichkeit eines Zinsniveaus von Null vielleicht mal im Vorbeigehen erwähnt, aber die meisten Studenten hielten das für so unwahrscheinlich, dass sie dem keine Aufmerksamkeit schenkten. Jetzt ist es ein relevantes Thema. Wirtschaftsgeschichte ist ein weiterer Bereich, in dem die Krise tiefer gehende Spuren hinterlässt, beispielsweise wenn die Lektionen für Amerika aus der Großen Depression in den 1930er Jahren auf den Lehrplänen auftauchen.
Ebenfalls im Fokus: Soft Skills
Die Veränderungen betreffen jedoch nicht nur die akademischen Inhalte. Genauso wichtig wie der theoretische Unterricht sind schließlich die so genannten "Soft Skills", die nach dem Studium gebraucht werden, um auf einem schwierigen Arbeitsmarkt zu bestehen. Daher ist jetzt ein neuer Schwerpunkt im Bereich Persönlichkeitsentwicklung unübersehbar. Die ersten Schulen beginnen, Persönlichkeitstests mit ihren neuen Jahrgängen zu machen, um die Studenten mit ihren Stärken und Schwächen vertraut und nach dem Abschluss auf dem Arbeitsmarkt leichter vermittelbar zu machen. "Angesichts der skeptischen Welt, die sie da draußen erwartet," kommentiert der Economist , "können sie vermutlich jede Hilfe gebrauchen."
Link: www.economist.com

Quelle und mehr Informationen unter: www.mba-channel.com
  • www.mba-channel.com, 30.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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