Die Booth School of Business will künftig andere Schwerpunkte setzen
Andere hingegen finden es entscheidend, diese Fundamente im Unterricht jetzt in einen Kontext mit den Unternehmens-Pleiten zu setzen. Randall Kroszner, ehemals Mitarbeiter der amerikanischen Zentralbank und jetzt Dozent für Volkswirtschaft an Booth School of Business der University of Chicago, sagt dass er seine MBA-Studenten zwar nicht mit einem radikal neuen Lehrplan konfrontieren wird, aber doch andere Schwerpunkte setzt. "Würde ich meinen Geld-Kurs jetzt einfach wieder so abhalten wie vor vier Jahren, würde ich den Immobilienmarkt nicht so betonen und auch nicht die Verkettungen zwischen dem Finanzsystem der Banken und dem der Nicht-Banken."
Zinspolitik ist ein anderes Beispiel für Veränderungen. Vor fünf Jahren wurde die Möglichkeit eines Zinsniveaus von Null vielleicht mal im Vorbeigehen erwähnt, aber die meisten Studenten hielten das für so unwahrscheinlich, dass sie dem keine Aufmerksamkeit schenkten. Jetzt ist es ein relevantes Thema. Wirtschaftsgeschichte ist ein weiterer Bereich, in dem die Krise tiefer gehende Spuren hinterlässt, beispielsweise wenn die Lektionen für Amerika aus der Großen Depression in den 1930er Jahren auf den Lehrplänen auftauchen.
Ebenfalls im Fokus: Soft Skills
Die Veränderungen betreffen jedoch nicht nur die akademischen Inhalte. Genauso wichtig wie der theoretische Unterricht sind schließlich die so genannten "Soft Skills", die nach dem Studium gebraucht werden, um auf einem schwierigen Arbeitsmarkt zu bestehen. Daher ist jetzt ein neuer Schwerpunkt im Bereich Persönlichkeitsentwicklung unübersehbar. Die ersten Schulen beginnen, Persönlichkeitstests mit ihren neuen Jahrgängen zu machen, um die Studenten mit ihren Stärken und Schwächen vertraut und nach dem Abschluss auf dem Arbeitsmarkt leichter vermittelbar zu machen. "Angesichts der skeptischen Welt, die sie da draußen erwartet," kommentiert der Economist , "können sie vermutlich jede Hilfe gebrauchen."