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Merken   Drucken   20.06.2009, 13:00 Schriftgröße: AAA

MBA: Der Traum vom besseren Job

Wer einen MBA-Abschluss macht, will einen besseren Job. In der aktuellen Rezession sind die Aussichten für frisch gebackene Absolventen aber recht düster. von Michael Jacobs (London)
James Edsberg kennt das aus eigener Erfahrung, wenngleich sein MBA-Studium schon einige Jahre zurück liegt. 2001 schrieb er sich für ein MBA-Programm an der französischen Business School Insead ein. Er wollte seinen Job als Fachanwalt für Handelsrecht gegen einen Managementposten eintauschen. Nach dem Studium aber schien dieser Plan ernsthaft in Gefahr.
"Chancen auf einen Karrierewechsel sind selbst in den besten Zeiten dünn gesät. Aber als wir unseren Abschluss machten, begann der Markt gerade, sich vom Platzen der Internetblase zu erholen. Die meisten suchten vor allem etwas Sicheres", sagt er.
Einige seiner MBA-Kollegen mussten in ihre früheren Jobs zurückkehren, weil sie sonst die Kredite, die sie für das MBA-Studium aufgenommen hatten, nicht hätten zurückzahlen können.
Unternehmergeist gefragt
Edsberg ging auf Risiko. Er gründete mit anderen die Beratungsgesellschaft Lighthouse Global, wo er heute noch als Partner arbeitet. "Während des MBA-Studiums wurde mein Unternehmergeist geweckt, und ich wollte es einfach probieren, solange dieser Eindruck noch so frisch war", sagt Edsberg.
Noch euphorisch: Absolventen der Leipzig Graduate School of ...   Noch euphorisch: Absolventen der Leipzig Graduate School of Management freuen sich über ihren Abschluss
Jetzt werden viele MBA-Absolventen vor einer ähnlichen Entscheidung stehen. Und sie werden auch über den schlechten Ruf nachdenken, den der Abschluss mittlerweile bei manchen hat. Nachdem im Zuge der Finanzkrise einige einflussreiche Manager mit MBA verurteilt wurden, überlegen viele Business Schools, ob Ethik und soziale Verantwortung Gewinnmargen und Shareholder Value ersetzen sollten.
Karriere, Fachwissen und Geld
Die Studenten erhoffen sich von einem MBA vor allem einen besseren Job. Das belegt das Feedback, das die Financial Times (FT) in ihrem globalen MBA-Ranking jährlich bei mehr als 65.000 Absolventen einholt.
Zwischen 2001, als die Abschlussklasse von 1997 befragt wurde, und 2009, als der 2005er Absolventenjahrgang an der Reihe war, nannten die Teilnehmer Karrierefortschritt in sechs von neun Fällen als wichtigsten Beweggrund für das Studium. Am zweitwichtigsten sind den Studenten breitere betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Mehr Gehalt folgt auf Rang drei der Motive für ein MBA-Studium.
Die Statistik zeigt, dass diese Wünsche in der Vergangenheit durchaus erfüllt wurden. In den FT-Umfragen zwischen 2001 und 2009 haben sechzig Prozent der Absolventen nach ihrem MBA eine verantwortungsvollere Position übernommen.
Marke MBA beschädigt
Anhaltspunkte für die Zukunft sollte man aus diesen Daten allerdings nicht ableiten. Die Marke MBA wurde durch die jüngsten Ereignisse derart beschädigt, dass MBA-Absolventen zumindest kurzfristig für Arbeitgeber weniger attraktiv sein dürften. Und die Tatsache, dass es aufgrund der Krise weniger Jobs gibt, wird ebenfalls eine Rolle spielen.
Bei der hohen Zufriedenheit der MBA-Absolventen scheint es schon fast reaktionär, radikale Veränderungen zu fordern. Aber das bedeutet nicht, dass kein Verbesserungspotenzial besteht. Ein deutlicher Schwachpunkt ist zum Beispiel die Frauenquote. Studentinnen sind in MBA-Programmen durchgehend in der Minderheit. Seit 2001 liegt der Frauenanteil im Schnitt bei einem Viertel.
Und was Rang und Gehalt von Frauen betrifft, sagen weibliche MBAs Jahr für Jahr, dass sie weniger verdienen als ihre männlichen Pendants und auf der obersten Führungsebene unterrepräsentiert sind. Doch dafür kann man kaum die Business Schools verantwortlich machen.
Anwendbares Wissen
Edsberg ist froh über seinen Abschluss: "Der MBA war absolut entscheidend für meinen geschäftlichen Erfolg", sagt er. "Es gibt praktisch kein unternehmerisches Problem, von dem ich nicht zumindest schon einmal gehört habe. Und wenn ich auf etwas keine Antwort habe, weiß ich, wo ich nachschauen muss. Das ist mindestens genauso wichtig."
Aus der Financial Times, London.
  • FTD.de, 20.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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