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06.05.2009, 07:00
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MBA in Europa:
Nebenfach Wirtschaftsethik
Moral und soziale Verantwortung sind an vielen europäischen Business-Schulen zwar mittlerweile Standardthemen. Doch werden sie oft isoliert behandelt. Experten fordern jetzt, sie in jedes Fach zu integrieren.
von Christian Gressner
So etwas tut man nicht", sagte Bundespräsident Horst Köhler in seiner jüngsten Berliner Rede mit Blick auf die Investmentbanker, die sich mit riskanten Finanzgeschäften "nicht nur von der Realwirtschaft, sondern von der Gesellschaft insgesamt abgekoppelt" haben.
So beharrt man nicht auf Bonuszahlungen, "wenn das Unternehmen, für dessen Entwicklung man verantwortlich ist, gerade am Rand des Abgrundes steht", sagt auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags Hans Driftmann. Damit das in Zukunft allen in Deutschland klar ist, müssen "Fragen der Wirtschaftsethik selbstverständlicher Teil der akademischen Ausbildung werden".
Denn das sind sie nur selten. An vielen Business-Schulen in Deutschland gibt es zwar verpflichtende Ethikkurse. An der Mannheim Business School (MBS) ist es außerdem fester Bestandteil des Executive-MBA, dass die Studenten das Erlernte bei einem sozialen Projekt anwenden. Im September haben sie ein Drachenbootrennen organisiert und 27.000 Euro an Spenden für Trinkwasserprojekte in Afrika gesammelt.
Nachhaltigkeit und globale Ethik als PflichtfachDie MBS wird künftig auf zwei Junior-Professuren an der Universität Mannheim zurückgreifen - Corporate Social Responsibility an der betriebswirtschaftlichen und Wirtschaftsethik an der philosophischen Fakultät. Beide werden derzeit neu besetzt. An der ebenfalls renommierten Handelshochschule Leipzig (HHL) lehrt Andreas Suchanek Nachhaltigkeit und globale Ethik.
Seine Kurse sind seit dem Start des Programms vor sechs Jahren verpflichtend. Anhand von Fallstudien und den Erfahrungen der Studenten im eigenen Unternehmen werden Grundlagen der Ethik, die moralische Qualität der Marktwirtschaft und Corporate Social Responsibility in einem Wochenend-Block des berufsbegleitenden MBAs diskutiert.
Doch das reicht nicht, sagt Ulrich Hommel mit Blick auf die europäischen Business-Schulen. Hommel ist Direktor bei der Europäischen Stiftung für Management-Entwicklung (EFMD) in Brüssel.
Die Ethik ist nicht in das Gesamtprogramm integriert"Das Nachdenken über die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens war in den vergangenen fünf Jahren ein Trend, aber in den Business-Schulen und Fakultäten herrscht immer noch ein Silo-Denken:
"Die Ethik ist nicht in das Gesamtprogramm integriert", sagt er. Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sind "wie die Naturwissenschaften betrieben und grundsätzlich nicht hinterfragt worden". In dem Netzwerk, das das Gütesiegel Equis vergibt, sind rund 500 Business-Schulen organisiert.
André Habisch, Professor für christliche Sozialethik und Gesellschaftspolitik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Leiter des Arbeitsbereiches Unternehmen und Gesellschaft, teilt Hommels Ansicht. Es braucht "nicht nur additive Ethikkurse, sondern wir müssen Themen wie zum Beispiel die Menschenwürde von Mitarbeitern in den Kern-Curricula verankern".
Seite 2: Die aktuelle Krise hinterfragen
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FTD.de, 06.05.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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