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28.04.2009, 07:00
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MBA in Europa:
Sturm auf Europas Schulen
Der Ruf vieler europäischer MBA-Programme ist mittlerweile so gut, dass sie der angelsächsischen Konkurrenz den Rang ablaufen. Vor allem Asiaten und Amerikaner zieht es nach Europa.
von Bärbel Schwertfeger
Die Escuela Superior de Administración y Dirección de Empresas (Esade) kann sich derzeit vor MBA-Bewerbungen kaum retten. "Die Zahl ist um 85 Prozent gestiegen", sagt Gloria Batllori, MBA-Direktorin an der spanischen Schule. Vor allem Briten zieht es verstärkt nach Barcelona. Aber auch die Zahl der deutschen Bewerber hat sich verdoppelt.
Im Herbst 2009 soll die Klasse deshalb von 155 auf 180 Studenten vergrößert werden. Angesichts dieser Zahlen bleibt für die MBA-Direktorin Europa weiterhin ein "sehr wichtiger Markt", um Studenten für einen Vollzeit-MBA zu gewinnen.
Der Dekan der belgischen Vlerick Leuven Gent Management School Philippe Haspeslagh sieht das anders. "Der Markt in Europa ist gesättigt", sagt er. Wachstum gebe es bestenfalls noch in Mittel- und Osteuropa. Die Schulen dürften sich nicht von der derzeitigen Ausnahmesituation in die Irre führen lassen.
Zwar habe die Zahl der Bewerber fast überall um 20 bis 30 Prozent zugenommen, weil viele ihre Jobs in der Finanzbranche verloren haben. Auch Vlerick hat davon profitiert: Die Bewerberzahlen haben sich sogar verdoppelt. "Wir werden langsam sichtbar", sagt der Dekan der bisher eher unbekannten Business-Schule. Innerhalb von zwei Jahren gelang Vlerick der Sprung ins internationale MBA-Ranking der Financial Times: Auf Rang 75 landeten die Belgier in diesem Jahr. In Europa liegen sie sogar auf Platz 20.
Stärkere NachfrageDoch in ein paar Monaten wird sich der Ansturm auf die Business-Schulen wieder legen, meint Haspeslagh. "Dann werden die Leute Angst haben, ihren Job aufzugeben, und die Bewerbungen sinken." Das gelte vor allem für Interessenten aus Europa.
Schon jetzt kommen 90 Prozent der 65 Studenten in der MBA-Klasse der Vlerick Leuven Gent Management School aus dem Ausland. Am stärksten vertreten sind Inder und Japaner. Allerdings begrenzt Vlerick die Zahl der Studenten aus einem Land, um die kulturelle Vielfalt der Klasse sicherzustellen.
Auch an der Insead Business School in Fontainebleau bei Paris beobachtet man seit zehn Jahren eine stärkere Nachfrage von Bewerbern aus Nord- und Südamerika und Asien als aus Europa. "Im Vergleich zu Westeuropa gewinnt Zentral- und Osteuropa an Bedeutung", sagt Caroline Diarte-Edwards, Leiterin der Zulassungen am Insead. Der europäische Markt sei zwar nahezu gesättigt. Der Ruf der europäischen Schulen habe sich in den vergangenen Jahren aber deutlich verbessert.
| Business-Schulen profitieren von der Krise |
| Netzwerk Ziel der European Foundation for Management Development (EFMD) ist es, die Managerausbildung weltweit zu verbessern. Rund 15.000 einzelne Personen und 600 Unternehmen, Universitäten und Business-Schulen sind Mitglied dieses Netzwerks. 1997 führte die EFMD die Equis-Akkreditierung ein - die mittlerweile als Gütesiegel für MBA-Programme gilt. |
| Umfrage Die EFMD befragte um den vergangenen Jahreswechsel 122 Dekane, wie die Finanzkrise die Bewerberzahlen an ihren Schulen beeinflusst. Mehr als die Hälfte gab an, dass die Nachfrage nach MBA-Programmen deutlich gestiegen ist. Auch für 2009/2010 erwarten sie mehr Bewerber. Noch beliebter sind derzeit indes spezielle Masterprogramme. |
Wie hat sich die Zahl der Bewerbungen für MBA-Programme verändert?
Interesse am europäischen WertesystemEuropa gewinnt derzeit in vielerlei Hinsicht an Bedeutung, sagt auch Ken Robertson, Leiter des MBA-Marketings an der Rotterdam School of Management. Die amerikanischen Schulen hätten vielfach an Reputation eingebüßt. Vor allem amerikanische Bewerber würden bei der Wahl einer Business-Schule mehr auf die Inhalte der Ausbildung achten als auf das Image - das mache das gestiegene Interesse der Amerikaner an einem europäischen MBA deutlich.
Zusätzlich locke das Interesse am europäischen Wertesystem, in dem die gesellschaftliche und unternehmerische Verantwortung eine wichtige Rolle spielt, die MBA-Studenten nach Europa. Für den "alten Kontinent" spreche auch, dass seine Volkswirtschaften im Vergleich zu Großbritannien und den USA robuster aufgestellt sind.
Am IMD in Lausanne beispielsweise ist nicht nur die Zahl der Studenten gestiegen. Im Vergleich zu den Vorjahren haben 2008 auch deutlich mehr Absolventen einen Job in Europa angenommen.
Teil 2: Nachteil der amerikanischen Programme
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FTD.de, 28.04.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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