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Merken   Drucken   21.11.2008, 07:30 Schriftgröße: AAA

MBA: Nur Plattitüde oder seriöses Lehrfach

Die Meinungen gehen weit auseinander bei der Frage, ob Führung und Verantwortung erlernbar sind. Gute Geschäfte und ein gutes Gewissen müssen nicht zwingend im Gegensatz zueinander stehen. von Elke Pohl
Nach wie vor geht es Unternehmen zwar darum, ihre Umsätze und damit auch möglichst ihre Profite zu erhöhen. Aber heute stehen vor allem die großen internationalen Konzerne mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit, die mehr von ihnen verlangt.
Auch mehr, als nur langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Sie sollen ihre vielfältigen Ressourcen zur Verfügung stellen, um auch soziale oder etwa ökologische Probleme zu lösen und so einen Beitrag zum Erhalt einer Umwelt zu leisten, von der auch noch spätere Generationen profitieren können. Ohne entsprechende Firmenethik geht es nicht mehr.
Diesem Anspruch kommen auch immer mehr Unternehmen nach und stellen dabei fest, dass sich ihr Engagement durchaus auszahlt - in vielerlei Hinsicht. Ein verbessertes Image in der öffentlichen Wahrnehmung ist nur ein positiver Effekt, wenn sie, je nach Branchenzugehörigkeit, beispielsweise darauf achten, den CO2-Wert bei der Produktion ihrer Ware zu reduzieren, Wasserbauprojekte in der Dritten Welt unterstützen oder auch kostenlose Krankenbehandlung von Kindern in Krisengebieten anbieten.
CSR ist Zukunftsthema
Das alles tun Henkel, Daimler, BASF und andere schon seit Längerem. Neu ist jedoch, dass Unternehmen diese Maßnahmen, die unter "Corporate Social Responsibility", kurz CSR, bekannt sind, auch strategisch planen. Und es seit Neustem sogar als Kerngeschäft betrachten.
Unter den Studenten und ihren Professoren scheint das indes noch gar nicht angekommen zu sein: Wie eine Umfrage des Alumni-Netzwerks E-fellows.net ergab, hat mehr als die Hälfte der Absolventen im Studium nichts über Unternehmensethik erfahren.
Bei den Teilnehmern von MBA-Programmen ist die Situation inzwischen etwas besser, schließlich geht es hier um die Ausbildung künftiger Führungskräfte, die über das Wohl und Wehe der Unternehmensethik entscheidend mitbestimmen. Bei den Programmen, die CSR vermitteln, sind Herangehensweise und Qualität jedoch sehr unterschiedlich.
Die Angebote variieren stark
Eine Kombination aus General-Management- und Corporate-Responsibility-Ausbildung findet man beispielsweise an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KUEI). Den EMBA mit einem Schwerpunkt CSR gibt es erst seit Anfang 2008.
In dieser Form ist er einzigartig. "Die zehn Pflichtmodule im ersten Studienabschnitt umfassen alle Elemente einer guten Unternehmensführung", erklärt Felix Schulze-Borges, Sprecher der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Neben Fächern wie etwa Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaft, Strategie, Marketing, Finanzierung und Recht wird auf Führungskompetenzen Wert gelegt. Auch soziale Aspekte werden im Rahmen von Veranstaltungen zur Wirtschaftsethik behandelt. Das Besondere des Angebots ist die Möglichkeit zur Vertiefung von CSR als Studienschwerpunkt "Corporate Responsibility und Unternehmenskommunikation".
Ermöglicht wurde das durch den Leiter des Center for Corporate Citizenship an der KUEI, André Habisch, der diesen zusätzlichen Schwerpunkt entwickelte. "Durch die zusätzliche Fokussierung auf Unternehmenskommunikation wird eine Lücke in der Bildungslandschaft gefüllt", so Schulze-Borges.
CSR Ausbildung ist umstritten
Volker Hentschel, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Mainz, ist sicher, dass Führung und Verantwortung "sich nicht so lernen lassen wie Finanzierung oder Marketing". Ein Kursus CSR wird daher im Rahmen des EMBA nicht angeboten. "Wir werden ihn auch nicht einrichten, weil darin nichts als Plattitüden verbreitet werden können", sagt Hentschel. Anders sieht das die Studienleiterin EMBA der RWTH International Academy in Aachen, Dagmar Dirzus-Nonn: "CSR ist nach unserem Verständnis integraler Bestandteil von sozialer Kompetenz und Führungsverantwortung. "
  • FTD.de, 21.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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