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Merken   Drucken   25.02.2009, 12:00 Schriftgröße: AAA

MBA: Punktsieg für Europa

Erstmals belegt eine europäische Schule Platz eins im MBA-Ranking der Financial Times: die London Business School. Vor allem Amerikaner entdecken die Vorzüge des Studiums in Europa. von Bärbel Schwertfeger
Just als Stefan Traber im September sein MBA-Studium an der Mannheim Business School begann, stürzte die gesamte Weltwirtschaft in die Krise. Trotz der derzeit eher angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt bereut Traber nicht, dass er seinen Posten bei Alcatel-Lucent aufgegeben hat, um noch einmal die Schulbank zu drücken. Gerade jetzt sei es wichtig, sich vernünftig weiterzubilden. "Eigentlich ist der Zeitpunkt sogar passend", sagt er.
Wie Traber denken derzeit viele. Vor allem die führenden Business-Schulen verzeichnen einen regen Zulauf. "Wir haben mehr Bewerber als je zuvor in unserer über 50-jährigen Geschichte", sagt Jake Cohen, Dekan des MBA-Programms am Insead in Fontainebleau bei Paris. Die Zahl der MBA-Aspiranten sei im Vergleich zu 2008 um insgesamt 25 Prozent gestiegen.
Vor allem Amerikaner zieht es nach Fontainebleau. Sie stellen 9,7 Prozent der 960 Studenten und liegen damit noch vor den Indern. "Die Amerikaner erkennen langsam, dass sie eine wirklich globale Schule brauchen", erklärt Cohen. Nun könnten europäische Schulen zeigen, was sie leisten.
Auch in London spürt man das wachsende Interesse der US-Amerikaner. "Die Erkenntnis, dass ein Manager heute internationale Erfahrungen braucht, war in den USA bisher nicht so verbreitet", sagt David Simpson, Direktor für Marketing an der London Business School (LBS). Er geht davon aus, dass die Zahl der US-Bewerber noch weiter steigen wird.
Die wahre Konkurrenz wartet
Kein Zweifel, die Europäer haben kräftig aufgeholt und machen nun den amerikanischen Platzhirschen heftig Konkurrenz. Acht Schulen haben es dieses Jahr unter die Top 20 des Rankings der Vollzeit-MBA-Programme der Financial Times geschafft. Mit der LBS führt erstmals eine europäische Schule das Ranking an - gemeinsam mit der Wharton School in Pennsylvania. Insead schaffte es auf Platz fünf (Platz sechs im Vorjahr), gefolgt vom Instituto des Empresa in Madrid auf Platz sechs (Platz acht im Vorjahr).
Verbessern konnte sich auch die Esade Business School in Barcelona von Rang 21 auf 18, die Rotterdam School of Management von Rang 34 auf 26 und die Bocconi School of Management in Mailand von Rang 48 auf 38.
Doch auf diesem Erfolg können sich die Europäer nicht ausruhen, meint Thierry Grange, Dean der Grenoble Graduate School of Management, die mit Platz 87 erstmals im Ranking vertreten ist. "Der wahre Wettbewerb fängt erst an und der kommt aus Indien und China", glaubt Grange. "Wer dort studiert, hat den Vorteil, die Kultur einer der künftig wichtigsten Wirtschaftsnationen besser zu kennen."
Weltspitze
Seit 1999 veröffentlicht die Financial Times jedes Jahr eine Rangliste der besten Business-Schulen. Dieses Jahr teilt sich die Wharton School, die das Ranking jahrelang unangefochten angeführt hatte, den ersten Platz mit einem Konkurrenten aus Europa. Auch die asiatischen MBA.-Anbieter holen auf: Der China Europe International Business School (Ceibs) gelang es, als erste asiatische Schule in die Top Ten aufzusteigen.
Die zehn besten Schulen   Die zehn besten Schulen
Verstärkte Flexibilität
Einige europäische Schulen haben darauf bereits reagiert. Insead beispielsweise hat einen Campus in Singapur eingerichtet und profitiert stark davon. "Viele bewerben sich bei uns, weil sie Erfahrungen in verschiedenen Ländern sammeln können", sagt MBA-Direktor Cohen. Die MBA-Studenten können ihr Studium in Singapur oder Fontainebleau beginnen und während des Programms den Campus wechseln.
Insead punktet aber auch damit, dass sein Programm nur ein Jahr dauert. Das kommt derzeit gut an, weil die Opportunitätskosten - als Studiengebühren und Verdienstausfall - deutlich niedriger sind als bei dem klassischen zweijährigen Programm. "Die Zahl der zweijährigen MBA-Studiengänge wird definitiv abnehmen", sagt Cohen.
So hat die Rotterdam School of Management ihr MBA-Programm von 15 auf 12 Monate verkürzt. Verzichtet wird künftig auf das Unternehmenspraktikum. An der LBS setzt man auf Flexibilität. Die Studenten können das Programm in 15 bis 21 Monaten absolvieren. Einige Wahlkurse im zweiten Jahr lassen sich über einen längeren Zeitraum strecken, sodass die Studenten bereits während des Studiums wieder arbeiten können.
Zudem baut die Schule neuerdings Kontakte zu Unternehmen außerhalb der Finanz- und Beratungsbranche auf. "Ich bin überzeugt, dass mehr Absolventen einen Job als General Manager annehmen werden", sagt Simpson von der LBS.

Teil 2: Der deutsche MBA-Markt

  • FTD.de, 25.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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