Zwar sind die Zahlen immer noch relativ gering, doch Karriereberater rechnen mit einem starken Wachstum. Zum Beispiel traten im vergangenen Jahr 33 der 426 MBA-Absolventen der Fuqua School of Business einen Posten im Gesundheitswesen an im Vergleich zu einer Handvoll vor fünf Jahren. Und von der Kelley School of Business sicherten sich 17 MBA-Absolventen 2010 eine Stelle in der Branche im Vergleich zu sechs MBA-Absolventen im Jahr 2008.
Im Trend: Stärkerer wirtschaftlicher Fokus
Da Unternehmen im Gesundheitswesen "feststellen, dass sie eine stärker wirtschaftlich ausgerichtete Herangehensweise an das eigene Wachstum benötigen", dürften die Zahlen weiter steigen, sagt Peter Giulioni, geschäftsführender Direktor der MBA Career Services an der Marshall School of Business. Das Wachstum wird auch durch die Studierenden selbst herbeigeführt, sagt er. "Sind das einfach MBA-Studenten, die sagen: 'Ich brauche Arbeit, also gehe ich ins Gesundheitswesen.'? Nein, das glaube ich nicht. Sie erkennen, dass das Gesundheitswesen in den kommenden 25 Jahren eine Boombranche wird", so Giulioni.
Die meisten Stellen für MBA-Absolventen im Gesundheitswesen finden sich in Unternehmensbereichen wie Marketing, Technologie, Strategie und Finanzen. Doch in jüngster Zeit sei hier eine Veränderung zu beobachten, sagt J.J. Cutler, stellvertretender Vizedekan für MBA-Zulassungen an der Wharton School. "Wir beobachten, dass immer mehr Leute in die Bereiche Investitionen, Private Equity oder Wagniskapital im Gesundheitswesen gehen. Wieder andere wollen ein Healthcare-Unternehmen gründen, für ein Krankenhaus arbeiten oder im politischen Bereich tätig werden." Weiter sagt Cutler, die jetzige Generation MBA-Absolventen sei anders. "Für sie ist gesellschaftlicher Wandel viel wichtiger als für frühere Generationen."
Rob Brown, Marketingchef beim US-Pharmakonzern Eli Lilly, sagt, die Rekrutierung von MBA-Absolventen in seinem Unternehmen bleibe stabil. "Gesundheitswesen ist ein Bereich, bei dem Studierenden der Gedanke gefällt. Es ist eine Mischung aus Business und dem ehrlichen Wunsch zu helfen."
Erkannt: Mehr Fachwissen ist nötig
Business Schools mit auf den Bereich Gesundheitswesen zugeschnittenen Programmen verzeichnen in jüngster Zeit einen deutlichen Zuwachs bei den Bewerberzahlen. Kevin Schulman, Professor für Medizin und Betriebswirtschaft an der Fuqua School of Business, führt das darauf zurück, dass die Veränderungen in der Medizin und im Gesundheitswesen Mitarbeiter erforderlich machen, die über Fachwissen in allgemeinem Management verfügen.
"Wollte man früher im Gesundheitswesen erfolgreich sein, benötigte man starke operative Fähigkeiten. Doch um künftig erfolgreich zu sein, benötigt man analytische Fähigkeiten, ein Verständnis für Strategie, und man muss Technologie und alle ihre Anwendungen schnell erfassen können. Es reicht nicht aus, nur ein ausgezeichneter Kliniker zu sein und vorauszusetzen, dass man eine Führungsrolle bekommt", so Schulman.