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Merken   Drucken   17.02.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

MBA-Studium: Die Frauenlücke schließt sich

Frauen stellen heute 37 Prozent der Vollzeit-MBA-Studenten in den USA. Vor zehn Jahren waren es nur 30 Prozent, meldet die Akkreditierungsagentur AACSB. Viele Schulen sind zwar noch weit entfernt von der 50-Prozent-Schwelle, aber sie arbeiten daran, die Schere zwischen den Geschlechtern zu schließen. von Barbara Bierach (mba-channel.com) 
Das Atrium der School of Management der Universität von Boston   Das Atrium der School of Management der Universität von Boston
In der diesjährigen Abschlussklasse an der Boston University School of Management beispielsweise lernen 45 Prozent Frauen und seit fünf Jahren laufen an der New York University Stern School of Business Jahrgänge mit rund 40 Prozent weiblichen Studenten. Im ersten Studienjahr an der Wharton School an der University of Pennsylvania sind vier von zehn Studierende mittlerweile Frauen. Auch viele Europäische Schulen werden interessanter für Frauen. Am Insead zum Beispiel hat sich die Zahl der Bewerberinnen in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Der Frauenanteil der diesjährigen Abschlussklasse liegt bei 34 Prozent, 2000 waren es erst 23 Prozent.
Das ist kein Zufall, berichtet die Financial Times. In der jüngeren Vergangenheit bemühten sich die Business-Schulen, mit den Mythen über die männlich-dominierten MBA-Programme aufzuräumen. Engagierte Mitarbeiter in den Zulassungsbüros gaben ihr Bestes, um Frauen zu überzeugen. Sie sprachen zum Beispiel Studentinnen an der Uni an und veranstalteten Konferenzen für potenzielle Bewerberinnen mit einem weiblichen Rollenvorbild als Hauptrednerin.
Berufserfahrung versus Lebensplanung
Die Forté Foundation, ein Konsortium aus Unternehmen und Schulen zur Förderung von Frauen in der Wirtschaft, stellte fest, dass viele Frauen zwar über ein weiterführendes Studium nachdenken, dass dabei aber Business-Schulen oft nicht Teil der Überlegung sind. Das liege mit daran, erklären die Rekrutierungs-Experten der Schulen, dass der übliche Weg zum MBA in der Regel vier bis fünf Jahre Berufserfahrung vorschreibt. Dies setzt junge Frauen, die eine Familie planen, zeitlich oft ziemlich unter Druck. Andere weiterführende Abschlüsse wie Jura oder Medizin hingegen verlangen keine Berufserfahrung und daher schreiben sich viele Frauen dort ein. So stellen Frauen 47 Prozent der Studentenschaft an Amerikas Schulen für Juristen und die Hälfte aller Medizinstudenten, wie die Association of American Medical Colleges meldet.
Um Abhilfe zu schaffen, hat Wharton begonnen, direkt an den Universitäten um Interessierte zu werben. Vielversprechende Kandidatinnen bekommen Mentoren zugewiesen, die in Karrierefragen Rat geben können und beim Bewerbungsprozess Hilfestellung leisten. Auch Harvard versucht zunehmend, schon ganz junge Studenten einzufangen. 2007 startete die Harvard Business School ein zeitverzögertes Zulassungsprogramm zum MBA für Studierende, das einen Platz in der Zukunft garantiert - sofern der Uni-Abschluss erfolgreich bestanden wird und dann zwei Jahre Arbeitserfahrung nachgewiesen werden. Dieses Programm mit dem Titel "2+2" zielte gar nicht spezifisch darauf, weibliche Kandidaten anzulocken, hat aber genau das erreicht. Rund die Hälfte der 116 Teilnehmer des diesjährigen Programms sind weiblich. Gegenwärtig stellen Frauen rund 38 Prozent der MBA-Klasse von 2010.
MBA schafft Flexibilität
Gleichzeitig versuchen die Schulen, den Mythos zu zerstören, dass ein MBA nur Leuten nutzt, die einen Job an der Wall Street oder in einer Unternehmensberatung wollen. Sie betonen vielmehr seine flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Die Zulassungsbüros der Schulen unterstreichen, dass ein MBA für alle Branchen nützliche Hilfsmittel mitgibt, auch für den Non-Profit-Sektor oder das Unternehmertum.
MBA-Werbung mit Businessvorbildern wie Carly Fiorina, Ex-Chefin von ...   MBA-Werbung mit Businessvorbildern wie Carly Fiorina, Ex-Chefin von Hewlett-Packard
NYUs Stern Schule beispielsweise finanziert Netzwerk-Treffen, um zu demonstrieren, dass sich eine sich unterstützende Gemeinschaft bildet. Wegen der weit verbreiteten Vorurteile, dass MBA-Programme Männer-dominiert und wettbewerbsorientiert sind, ist es für Frauen offensichtlich besonders wichtig, die Atmosphäre vor Ort zu erleben.
Der Stern Women in Business Club veranstaltet eine jährliche Konferenz mit einem weiblichen Vorstandsvorsitzenden als Hauptrednerin. "Viele potenzielle Studentinnen denken über die Frage nach, wie sich Karriere und Familienleben ausbalancieren lassen. Sie hören diesen hochrangigen Frauen zu, um zu lernen, wie diese sich die notwendige Unterstützung geholt haben," beschreibt Anika Davis Pratt, stellvertretender Dean des MBA-Zulassungsbüros der Stern Schule. Sie wollen hören, dass dies alles machbar ist."
Quelle und mehr Informationen unter: www.mba-channel.com
  • www.mba-channel.com, 17.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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