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Merken   Drucken   18.08.2011, 14:59 Schriftgröße: AAA

Mikropolitik: Die Probleme mit der Konfliktkultur in Firmen

In deutschen Unternehmen fehlt es in Sachen Konfliktkultur an den entscheidenden Stellen häufig an fachlichem Profil. Viel zu oft werden deshalb Entscheidungen von Eigeninteressen und machttaktischem Verhalten geleitet. Ein Ärgernis, findet jeder dritte Entscheider. von Sabine Meinert 
Die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg hat die Mikropolitik in Unternehmen ins Visier genommen. Also Fragen wie: Wer kungelt mit wem? Wo setzt sich wer mit wie viel Macht durch? Wann wird weshalb taktiert? Wer gibt warum und in welchen Situationen nach? Und: Wie wird das eigene mikropolitische Umfeld bewertet?
Wichtig für die Unternehmenskultur: Führung und Zusammenarbeit   Wichtig für die Unternehmenskultur: Führung und Zusammenarbeit
Eine Umfrage unter Kommunikationsverantwortlichen zeigt: Etwa 30 Prozent der Befragten finden, dass ihr Unternehmen erfolgreicher wäre, wenn statt Ja-Sagern Führungskräfte mit mehr fachlichem Profil das Sagen hätten. Und diese sind offensichtlich nicht nur ganz oben angesiedelt. Genau so viele Manager sind überzeugt, dass es diese Ja-Sager auf allen Hierarchieebenen gibt.
Obwohl gut 90 Prozent der Teilnehmer der Meinung sind, dass in ihrer Firma ein produktives Arbeitsklima herrscht, ist auch ein Drittel überzeugt, das Klima sei "taktierend". Über 50 Prozent spüren den internen Wettbewerb deutlich, immerhin mehr als 80 Prozent bezeichnen das Miteinander im Haus aber auch als vertrauenswürdig und ehrlich. Fast ebenso viele schätzen das Klima als offen und politisch korrekt ein.

Wie würden Sie das Arbeitsklima in Ihrem Unternehmen kennzeichnen?
 trifft sehr zutrifft etwas zutrifft weniger zutrifft gar nicht zu
kameradschaftlich4143130
produktiv623240
man spürt internen Wettbewerb1043414
formell9 373813
zielorientiert593351
harmonisch2452181
vertrauenswürdig, ehrlich4145101
offen3249161
politisch korrekt3837175
taktierend6284913
(Angaben gerundet, in Prozent)
Rund 37 Prozent der Studien-Teilnehmer meinen, dass Machtfragen in ihrem Haus vor Sachfragen gestellt werden. Außerdem gelte, wer die eigenen Ziele möglichst schnell und sicher durchsetzen will, müsse mit Charme und besonders freundlichem Benehmen punkten. Die fachliche Qualifikation oder Erfahrung der Mitarbeiter scheint hingegen bei vielen Unternehmen kaum von Bedeutung zu sein. Jeder Fünfte berichtet, dass Mitarbeiter in Entscheidungen des Unternehmens so gut wie nicht eingebunden werden. Für fast jeden Zweiten gipfeln die einzelnen Faktoren des Unternehmensklimas in der Aussage: "In unserem Unternehmen macht vor allem Karriere, wer politisch begabt ist."
Studienautor Jan Lies, Professor für PR- und Kommunikationsmanagement, sieht als einen Grund dafür mangelnde Fehlerkultur: "In solchen Unternehmen etabliert sich eine Kultur des Irgendwie-Durchkommens. Meinungen und klare Konzepte werden wenig honoriert, Kompromissfähigkeit und Anpassungsfähigkeit schon. Deshalb entwickeln sich viele Entscheider zu taktierenden Ja-Sagern. Nur so kommen sie karrieretechnisch halbwegs passabel voran."
Projekterfolg mit Charme beflügeln
Zwei Drittel der Befragten gaben der Umfrage zufolge an, persönliche Beziehungen zu Entscheidern würden den Projekterfolg steigern. Allerdings beklagen mindestens ebenso viele, dass mehrfache Abstimmungsschleifen Entscheidungen verzögerten und dies inzwischen zur Regel geworden seien. Ein Drittel bemängelt, dass Entscheidungen anders umgesetzt werden, als sie ursprünglich besprochen waren. Gut jeder Vierte bemerkt zudem eine deutliche Ellenbogenmentalität in der Belegschaft.
Immerhin sind acht von zehn Befragten überzeugt, bei allen Abstrichen beim Umgang miteinander lohne es sich für die Mitarbeiter, sich im Unternehmen zu engagieren.
Die Studie der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation basiert auf einer Umfrage unter Vertretern der Kommunikationsabteilungen und oberen Hierarchieebenen von 82 deutschen Unternehmen, darunter überwiegend Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern.
  • FTD.de, 18.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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