Eine Szene aus der Erweiterung des Onlinespiel-Klassikers "World of Warcraft"
Sie suchte einen Chefprogrammierer und einen Mitarbeiter im Vertrieb - und wurde von den Bewerbungen überhäuft. "In den USA ist es sehr viel leichter, gute junge Leute für unsere Branche zu rekrutieren", sagt Blatt. "Die staatlichen Hochschulen sind dort mutiger und lehrten zum Beispiel sehr viel früher als in Deutschland Computersprachen für die 3-D-Darstellung, von denen nicht unbedingt klar war, ob sie sich durchsetzen würden."
Wer dann als Absolvent jahrelange Erfahrung mit einer gefragten Programmiersprache hat, könne direkt im Job eingesetzt werden. "Für die jungen Leute ist das eine Riesenchance: Sie können weltweit jung eine Karriere starten", sagt Blatt. Nach Dutzenden von Interviews hatten die Personalchefin und ihre Kollegen innerhalb von zehn Tagen 20 Kollegen für den Bürostart ihres Start-ups in San Francisco eingestellt.
Von solchen Verhältnissen können Bigpoint und seine Mitbewerber in Deutschland nur träumen. Die Gaming-Branche, wie sie in Fachkreisen genannt wird, hat sich zu einem prosperierenden Markt entwickelt. 1,86 Mrd. Euro haben die Deutschen voriges Jahr für Computer- und Videospielsoftware ausgegeben, sechs Prozent mehr als im Jahr 2009. "Gaming ist längst kein Nischenphänomen mehr, sondern eine Massenbewegung", heißt es beim Hightech-Verband Bitkom.
Firmen in Japan, Korea und den USA dominierten den Markt zwar bislang - doch Deutschland holt auf. Hiesige Firmen punkten insbesondere mit Online- und Browser-Games. Die sogenannten Boxed Games, die verpackt im Laden stehen, verlieren hingegen an Bedeutung.
Begleiterscheinung des Siegeszuges ist ein großer Mitarbeiterbedarf. Zur Branchenmesse Gamescom im vorigen August war von 300 offenen Stellen die Rede. Aktuell sind beispielsweise bei Bigpoint 80 Stellen offen und Game Duell in Berlin stellt jede Woche zwei bis drei Leute ein. Auch für 2012 plant Game-Duell-Gründer Kai Bolik 100 neue Stellen. Das Problem sei aber nicht unbedingt die geringe Zahl an Bewerbungen, sondern die Kandidaten mit der geeigneten Qualifikation zu finden.