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Merken   Drucken   11.07.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Nach der Familienzeit: Wiedereinstieg für Ingenieurinnen

Fachkräfte im Maschinenbau sind Mangelware. Auch in der IT und in der Elektrobranche werden Spezialisten knapper. Die Otto Benecke Stiftung will deshalb im Rahmen der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung Ingenieurinnen in den Job zurückholen. von Sabine Meinert
Für Frauen steht oft jahrelang die Familie im Vordergrund: Kinder, pflegebedürftige Angehörige, der Mann mit eigenem Geschäft. Wenn es sie später wieder in den Beruf zieht, wird es häufig schwer. Zu schnell ist die Entwicklung vorangeschritten, zu wenig haben sich die meisten während ihrer Auszeit für ihr Fachgebiet interessiert. Für die Berufsrückkehrerinnen gibt es nun eine neue Weiterbildung, die helfen kann: return2job.
Finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der EU sollen sich die Ingenieurinnen über 15 Monate in einem Fernstudium qualifizieren. Innerhalb des Projektes "Akademiker qualifizieren sich für den Arbeitsmarkt" der Benecke-Stiftung erhalten die Teilnehmer eine berufsspezifische Vorbereitung auf neue Jobs. Hinzu kommt ein 3-monatiges Praktikum, dass das aktualisierte Fachwissen vertiefen und Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern schaffen soll.
Auswahl ab Spätsommer
In der Fachrichtung Elektrotechnik wird das Programm von der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) in Kooperation mit der Hochschule Darmstadt durchgeführt. Es wird mit einem Teamprojekt abgeschlossen, das eine reale Unternehmenssituation simuliert. In der Fachrichtung Informatik arbeitet die ZFH mit der Fachhochschule Trier zusammen. Hier wird zum Abschluss eine Projektarbeit erstellt.
Nach der Babypause zurück in den Beruf? Ein spezielles Fernstudium ...   Nach der Babypause zurück in den Beruf? Ein spezielles Fernstudium hilft weiter
Beide Studiengänge kombinieren Selbststudien- und Präsenzphasen und nutzen eine Online-Lernplattform. Während der Studienanteile in den technischen Laboratorien der Hochschulen soll das Vermittelte praktisch umgesetzt und vertieft werden. Für diese Zeiten wird auch eine Kinderbetreuung angeboten. Ab Oktober stehen zehn Studienplätze je Studiengang zur Verfügung. Das Auswahlverfahren - das in den Beruf zurückkehrende Männer übrigens nicht ausschließt - läuft ab August.
Gute Beispiele von EU und Mittelstand
Zahlreiche weitere Initiativen versuchen bereits Schüler für einen technischen oder ingenieurwissenschaftlichen Beruf zu begeistern, darunter das Projekt SET-Routes der Europäischen Union. Das Förderprogramm will zudem jungen Wissenschaftlerinnen Wege in Führungspositionen aufzeigen - europaweit.
Auch viele mittelständische Unternehmen versuchen, den Fachkräftemangel verstärkt mit technikbegabten Frauen abzudecken. So unterstützt der Engineering-Dienstleister Ferchau seine Mitarbeiter bei Weiterbildungen, wie zum Beispiel im Fall von Ivonne Mathis, 27, Maschinenbautechnikerin. Sie entwickelt hydraulische Steuerblocks für Grünfutteranlagen - eine Aufgabe, die sowohl Kreativität als auch spezifisches Wissen und technische Begeisterung verlangt.
Ferchau unterstützt zudem private Bildungsinitiativen, die in Kindergärten und Schulen spielerisch den Zugang zu Technik und Naturwissenschaften eröffnen. Bei der Sonderpreis-Verleihung bei "Jugend forscht" hat man ebenso ein Auge auf weibliche Talente wie beim technischen Kunstwettbewerb "Art of Engineering". Einzelne Abteilungen übernehmen dann schon mal für Studenten die Studiengebühren. Außerdem buhlt das Unternehmen mit der "Ferchau Challenge" um Aufmerksamkeit, bei der Studententeams unbemannte Objekte entwickeln sollen, die durch Wind, Wasser oder Sonne angetrieben werden. Ein Wettbewerb als Mitarbeiter-Suchverfahren.
Verantwortungsvolle Posten
Auch Onmotive, Dienstleister für die Autobranche und die Bahn, setzt verstärkt auf begabte Frauen. Das Gummersbacher Unternehmen sucht derzeit den Kontakt zu Universitäten, um seinen Bedarf an Ingenieuren zu decken. Onmotive stellt seinen Kunden qualifizierte Fachkräfte für Projekte, zum Beispiel für die Fertigungsplanung, für das Qualitätsmanagement oder Projekte zur Verfügung, sagt Alexandra Borke.
Alexandra Borke von Onmotive-Dortmund   Alexandra Borke von Onmotive-Dortmund
Die 38-Jährige ist ein Beispiel für den Erfolg, den Frauen im Ingenieurwesen haben können: Sie ist die Leiterin der vor Kurzem gegründeten Onmotive-Niederlassung in Dortmund und stellt sich nun ihr eigenes Team zusammen. "Bis Ende 2008 planen wir cirka 20 Neueinstellungen. Bei der Auswahl sind für uns neben der fachlichen Qualifikation auch Soft Skills, wie beispielsweise Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, Dynamik und soziale Kompetenzen, von enormer Bedeutung". Experten zufolge sind das vor allem weibliche Qualitäten - egal ob männlich dominiertes Berufsumfeld oder nicht.
Mehr Informationen unter: www. obs-ev.de, www.set-routes.org
  • FTD.de, 11.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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