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Merken   Drucken   26.12.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Nachwuchs-Banker: Alleskönner willkommen, Bachelor eigentlich nicht

Die Finanzinstitute stellen wieder ein. Karrierefördernd sind vor allem nachweisbare Erfolge und Spezialkenntnisse. Ihrem Bachelor-Welcome-Versprechen werden die Geldhäuser offenbar nicht gerecht. von Bärbel Schwertfeger
Auf der Karrieremesse der Frankfurt School of Finance and Management am 6. Oktober herrschte dichtes Gedränge. Mehr als 400 Studenten und Absolventen informierten sich bei den 32 Unternehmen, darunter Privat- und Geschäftsbanken, Beratungsunternehmen und die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. "So viele Firmen hatten wir noch nie auf dem Campus", sagt Karin Reuschenbach-Coutinho, Leiterin des Career Centre an der Frankfurt School. Auch die Investmentbanken rekrutierten wieder. So suchte zum Beispiel die japanische Nomura  Bank gezielt deutschsprachige Master-Absolventen für ihr Geschäft in Deutschland.
Weniger eindeutig ist das Gesamtbild. So liegt der Arbeitsmarktindex Handelsblatt-Frax 2010 zwar deutlich über den Werten des Vorjahrs, eine konstante Aufwärtsbewegung gibt es jedoch nicht. Der Index ermittelt monatlich die Zahl der offenen Stellen in der Banken- und Finanzbranche. Basis ist die Analyse von 14 Jobbörsen. Ging es von Januar bis Juni noch kontinuierlich bergauf, fiel der Index in den nächsten Monaten dreimal in Folge. Erst im Oktober erholte er sich wieder und erstmals zeigten die Zahlen aller Jobbörsen nach oben.
Neueinstellungen nach Unternehmensbereichen in Prozent   Neueinstellungen nach Unternehmensbereichen in Prozent
Gegenüber 2009, wo so gut wie überhaupt nichts mehr ging, gebe es deutlichen Aufwärtstrend, bestätigt Arne tom Wörden, Leiter des Bereichs Personalberatung bei Access Kelly OCG in Köln. Für Young Professionals würden wieder mehr klassische Finanzjobs im Controlling und Accounting angeboten. Auch in der Compliance werde gesucht. Allerdings sei die Wechselbereitschaft der Mitarbeiter noch immer recht verhalten. Im Investmentbanking, wo es den stärksten Einbruch gab, habe sich der Markt zwar etwas erholt, aber von einem neuen Hype könne man nicht sprechen.
Umstrukturierung vieler Banken schafft Einstiegschancen "Im Investmentbanking haben wir einen ausgereiften Markt, in dem nur punktuell exzellente Kandidaten gesucht werden", sagt Friedrich-Wilhelm Graf von Pfeil. Der Personalberater bei Korn Ferry International in Frankfurt sieht derzeit noch große Umschichtungen bei den Finanzinstituten. "Zurzeit überlegen viele Banken, welche Teile des Unternehmens sie mit welcher Intensität weiterführen sollen", sagt von Pfeil. Während sich manche Institute wieder stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, bauten andere neue Bereiche auf. Zudem tauchten auch immer wieder neue Mitspieler auf.
Derzeit baue die amerikanische Investmentbank Jefferies den Standort Deutschland auf und rekrutiere dafür Mitarbeiter. Das große Thema bei der Personalauswahl sei heute Qualität und nachweisbare Erfolge. "Das wird alles sehr intensiv nachgeprüft", weiß von Pfeil. "Da wird sehr genau hinterfragt, was einer kann und gemacht hat, und wie er am Erfolg beteiligt war." Auch im Bereich Corporate Finance werden selektiv gute Leute in der Kundenbetreuung gesucht.
Schwer zu finden seien gute Senior Banker, die als hochkompetente Berater die Kundenseite auf Vorstandsniveau betreuen. Sie bräuchten nicht nur Know-how in den Bereichen Eigenkapital sowie Merger & Acquisition, sondern müssten auch die strategischen Herausforderungen des Kunden kennen und überzeugende Konzepte anbieten können. Dazu gehöre ein sicheres Auftreten, ohne großes Ego. "Ego ist abgesagt", sagt von Pfeil. Heute benötige man auch im Privatkundengeschäft und in der Vermögensberatung mehr echte Berater und weniger Verkäufer.

Teil 2: Banken rekrutieren aus verschiedensten Wissensgebieten

  • FTD.de, 26.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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