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  12.06.2008, 13:00  

Neu auf der Handelsroute

Dass große Durchbrüche in Wissenschaft und Technologie kommerzialisiert werden, ist nichts Neues. Doch im Finanzwesen war Innovation bisher weitgehend auf Experten beschränkt. Die Frankfurt School of Finance & Management will dieses Muster nun durchbrechen: Sie gründet ein neues Finanzunternehmen. von Ross Tieman
"Das ist der Beweis, dass Ausgliederungen nicht nur im Biotech- oder IT-Sektor existenzfähig sind", sagt Udo Steffens, der Präsident der Frankfurt Schoolof Finance & Management. "Sie stellen für Business Schools auch eine innovative Herangehensweise dar, durch die eine bessere Kapitalisierung des Know-how und Wissens und weiteres Wachstum erzielt werden."
Der Geschäftsbereich, der in ein eigenständiges Unternehmen umgewandelt werden soll, fungiert bereits als Beratungs- und Fondsmanagementsparte, die über 500 Mio. Euro verwaltet. Hier geht es aber nicht darum, mit anderen Firmen um das Geld der Privatanleger zu konkurrieren und sich die Aktien- oder Derivatemärkte zunutze zu machen. Vielmehr ist das neue Unternehmen ein Nischenakteur im wachsenden Segment der Mikrofinanzierung und soll dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum in Osteuropa anzukurbeln.
"Ständig haben Leute angerufen, die sich über Ausbildung auf diesem Gebiet erkundigen wollten", sagt Steffens. Während sich das Fachwissen der Universität herumsprach, wuchs auch die Nachfrage nach Beratung. Daraus entwickelte sich dann ein spezialisierter Beraterservice.
Unterschiedliche Finanzinstrumente
Vor zwei Jahren wurde der European Fund for Southeast Europe (EFSE) in Luxemburg gegründet, der gemeinsam von den Akademikern der Frankfurter Schule und der KfW Bankengruppe konzipiert wurde. Ziel war es, Finanzinstitute in Südosteuropa - darunter Mikrofinanzinstitute und Investmentfirmen - mit Geld zu versorgen. Der Fonds stellt Kredite, Kreditbesicherungsgarantien, Anleihen und andere Schuldeninstrumente zur Verfügung. Begünstigte sind unter anderem mehr als 70.000 Endkreditnehmer.
Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & ...   Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management
Ende vergangenen Jahres hatte der Fonds eine Kapitalisierung von 500 Mio. Euro, drei Jahre früher als geplant. Die Experten in Frankfurt hatten den Fonds so konzipiert, dass das Risiko gegliedert ist, wobei die drei Tranchen unterschiedliche Risikoprofile aufweisen. Die sogenannte First-Loss-Tranche wird durch Mittel von Geberinstitutionen gespeist, zumeist europäischen Entwicklungseinrichtungen. Die Mezzanine-Tranche kommt hauptsächlich von internationalen Finanzinstitutionen wie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Die Senior-Tranche, die sich auf mehr als 30 Prozent des bereitgestellten Kapitals beläuft, lockt Geld von Investoren wie der Deutschen Bank und Sal. Oppenheim an.
Einnahmen für Forschung und Lehre
Diejenigen, die das Geld verwalten, waren bisher an der Hochschule angestellt. Sylvia Wisniwski, die das Unternehmen führen wird, hat ein Team von 20 Leuten in Frankfurt und weiteren 25 Mitarbeitern auf dem Balkan an der Hand, die nach Investitionsgelegenheiten suchen. Viele der Mitarbeiter sind Absolventen der Frankfurt School, die inzwischen in diesem spezialisierten Fondsmanagementbereich arbeiten.
Während des vergangenen Jahrzehnts "bestand die Motivation für uns als akademische Einrichtung darin, die Einnahmen zu steigern, die wieder in Forschung und Lehre investiert wurden", sagt Steffens. Doch jetzt will die Managementschule das Potenzial freisetzen, das sie in dem von ihr geschaffenen Unternehmen sieht. Bisher hat das Unternehmen ein Mandat, doch sein Fachwissen könnte durchaus andere anlocken und auch zur Finanzierung von Klimaschutzinvestitionen passen, so Steffens. "Wir sind sehr optimistisch, dass das ein Unternehmen ist, das sehr schnell wachsen wird", sagt er.
Blick auf den Campus der Frankfurt School of Finance & Management   Blick auf den Campus der Frankfurt School of Finance & Management
Fachwissen anwenden
Die Ausgliederung durch die Frankfurt School könnte andere dazu inspirieren, ihre Strategie zu überdenken. Sowohl die Tanaka Business School am Imperial College in London als auch die Harvard Business School in den USA haben eigene Beratersparten. Nach Ansicht der Frankfurt School stellt die Ausgliederung, die im August stattfinden soll, den logischen nächsten Schritt dabei dar, das Fachwissen im Bereich Entwicklungsfinanzierung zu konsolidieren und zu erweitern.
Zurzeit ist Steffens dabei, den neuen Lehrstuhl für Entwicklungsfinanzierung an der Frankfurt School zu besetzen. Dem folgen soll die Einführung eines Master-Studiengangs für Entwicklungsfinanzierung. Das auf zwei Jahre angelegte Programm befasst sich mit Volkswirtschaft, Finanzwesen und Management, wobei der Schwerpunkt auf Entwicklungsthemen liegt.
Die Studenten werden drei bis vier Monate in einem Entwicklungsland an einem Projekt für Entwicklungsfinanzierung arbeiten. Arrangiert werden die Praktika in Zusammenarbeit mit der internationalen Beratersparte der Business School. Der Fonds, der von dem neu zu gründenden Unternehmen verwaltet wird, ist derzeit in Rumänien, Albanien, Bulgarien und einigen Staaten des ehemaligen Jugoslawien tätig.
Quelle: The Financial Times, www.ft.com
  • FTD.de, 12.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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