Dr. Bettina Paul, Kriminologin an der Universität Hamburg
"Geeignet ist das Studium für alle, die über den Tellerrand hinausblicken wollen. Der Einblick in andere Arbeitsbereiche, den wir durch die Teilnehmer aus unterschiedlichsten Berufen bieten können, ermöglicht es, später spezifischer zu agieren, Aufgaben mit neuen Herangehensweisen und Arbeitsstrukturen zu bewältigen", sagt Paul.
Fragen aus dem täglichen Berufsleben
Praxisorientierung und täglich auftauchende berufliche Fragestellungen finden sich zuhauf, ist Pauls Erfahrung. "Das Thema Stalking wird uns sicher noch lange beschäftigen. Derzeit steht die Frage im Fokus, wann unerbetene Aufmerksamkeit von Fremden tatsächlich Stalking ist. Reichen dafür drei Anrufe? Oder Sex-Delikte: Früher war sexuelle Gewalt gegenüber Frauen kein Grund für eine Anzeige. Wie kommt es, dass wir Sex-Delikte inzwischen anders beurteilen? Und mit den Theorien zu Internet- und Wirtschaftskriminalität stehen wir erst am Anfang."
Paul, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kriminalistik arbeitet, hat selbst zum Drogenschmuggel promoviert - aus Sicht des Zolls. Nur ein Beispiel, wie man aus einem anderen Blickwinkel auf ein Thema schauen kann. Aktuell ist ihrer Meinung nach besonders interessant, was für alternative Sanktionen der Staat bei Rechtsbrüchen anwenden kann. Und auch Gewaltprävention und Mediation, zum Beispiel in Schulen und Stadien, rücken aus aktuellem Anlass immer stärker in den Fokus. "Das sind spannende Fragen für Soziologen wie für Polizisten oder Juristen. Und dieses Interdisziplinäre bieten wir als einzige in Deutschland in unserem Studiengang", sagt Paul.
Bekannter Kriminologe sorgt für Schlagzeilen