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Merken   Drucken   17.09.2006, 21:00 Schriftgröße: AAA

Neue Zeiten, neue Führungsstile

An vielen Business-Schulen setzen sich neue Auffassungen von guten Managern durch. Daran haben auch die Studenten Anteil - sie schätzen Kurse über Corporate Governance, Compliance und Ethik. von Kai Oppel
Steve Jobs - weiche, kreative und ästhetische Methoden   Steve Jobs - weiche, kreative und ästhetische Methoden
Das Europaparlament forderte im Juli gesetzlich verankerte Corporate-Governance-Regeln, im August trat in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft - und auch der September wird für Manager und Führungskräfte Themen bereithalten, die im Unternehmensalltag umgesetzt werden müssen.
Damit die Unternehmenslenker von heute und morgen auf aktuelle und künftige Aufgaben vorbereitet sind, integrieren MBA-Schmieden in ihre Ausbildung zunehmend Corporate Governance, also verantwortungsvolle Unternehmensführung, kulturelle Integration und fortschrittliches Management.
"MBA-Studenten suchen nach einer Ausbildung, die sie auf die Herausforderungen in der Geschäftswelt vorbereitet", sagt Richard Mancke, akademischer Direktor für MBA-Programme an der Handelshochschule Leipzig (HHL). Diese Welt sei von schnellen Wechseln, hohem Risiko und Verunsicherung gekennzeichnet. Studenten verlangten deshalb heute, dass sich die Lehrinhalte auf aktuelle Probleme bezögen.
Die niederländische Universität Nimbas bildet künftige Führungskräfte auch darin aus, Korruption zu vermeiden. Die Business-Schule hat eigens einen Master of Science in Corporate Governance entwickelt.
Jack Welch, Vertreter ergebnisorientierter Ansätze   Jack Welch, Vertreter ergebnisorientierter Ansätze
Die spezialisierte Führungskraft
Verena Hergel, Sprecherin der Wirtschaftsuniversität Wien, begrüßt den Mut zu aktuellen Themen im Lehrprogramm. "Gefragt ist heute nicht mehr nur der Generalist, sondern die spezialisierte Führungskraft."
Die Executive Academy bietet aus diesem Grund seit vergangenem Jahr einen Professional MBA in sieben Fachrichtungen an. Neben der zweisemestrigen General-Management-Ausbildung können die MBA-Teilnehmer aus sieben Vertiefungsrichtungen wie "Innovationsmanagement" oder "Sozialmanagement" wählen.
"Der Zuspruch nach neuen Themen ist groß", sagt Hergel. MBA-Interessenten seien informiert wie nie zuvor. Sie fragten gezielt nach speziellen Programmen.
Bei der Neuausrichtung von Lehrinhalten geht es nach Ansicht einiger Professoren nicht nur darum, vorhandene Programme um neue Disziplinen wie Corporate Governance oder Innovationsmanagement zu erweitern. Wichtig sei es auch, Kerninhalte von MBA-Programmen komplett zu überdenken.
In Europa weiter entwickelt
Viele MBA-Programme beruhten zu stark auf Wertsteigerungsansätzen, sagt Management-Experte Fredmund Malik, Leiter eines Management-Beratungsunternehmens in St. Gallen. Dies gelte vor allem für angelsächsische Programme.
Die Programme im deutschsprachigen Raum seien dagegen seit jeher stärker etwa an Corporate Governance ausgerichtet gewesen und hätten der zahlengetriebenen angelsächsischen Konkurrenz einiges voraus, sagt Malik.
So bietet Harvard Kurse zu Corporate Governance, Ethik und sozialer Verantwortung im Unternehmen mit einer Dauer von drei Tagen bis einigen Wochen an. Im deutschsprachigen Raum nehmen solche Kurse einen größeren Stellenwert ein.
"In den vergangenen Jahren haben die Business-Schools in Europa Themen wie Corporate Governance und Compliance bereits in ihre Portfolios integriert", bestätigt Lucia Peters von der Graduate School of Business Administration (GSBA) Zürich. Compliance steht für gesetzestreues und verantwortliches Handeln.
In vielen MBA-Schmieden seien Ethikkurse längst Pflicht. "Inhalte sind konkreter geworden und beinhalten etwa rechtliche Anforderungen von Corporate Governance oder Strategien zur Implementierung von Social-Responsibility- Programmen."

Lesen Sie mehr über die Zukunft der neuen Modelle

  • FTD.de, 17.09.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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