"Die Spezialisierung im Berufsleben wird immer stärker. Networking ist deshalb eine Chance, Geschäftsprozesse am Leben zu erhalten und zu optimieren - für den einzelnen und für die Firma", so der Hamburger Personalberater Thomas W. Lux.
Wirklich neu ist Networking nicht, früher hieß es nur anders: "Seilschaften" und "Amigo-Kreise", in denen "Günstlinge" ihr "Vitamin B" nutzten oder gar im "Filz" versanken, sind wohl jedem ein Begriff. Wenn auch einer mit negativem Beigeschmack, weil es fast ausschließlich um persönliche Vorteile geht.
Beziehungsmanagement im Fokus
Networking will mehr, allerdings ist der Begriff bisher nicht klar definiert. Am ehesten trifft die Umschreibung "Beziehungsmanagement" den Kern, sagt Personaltrainer Lux, was Beziehungen knüpfen, aufbauen und pflegen beinhaltet. Auch, aber eben nicht nur zum eigenen Vorteil.
Der Austausch mit Gleichgesinnten, die Erweiterung des Horizonts war das, was sich Jan Bohlken zunächst erhoffte, als er vor zwei Jahren den Lunchclub Deutschland gründete. Die Idee für den Lunchclub importierte er aus Amerika, wo bereits seit einigen Jahren auf diese Weise Geschäftskontakte geknüpft werden.
Gemeinsames Mittagessen als Ausgangspunkt
Bohlken organisiert wöchentliche oder 14-tägliche Mittagessen in wechselnden Restaurants, für Führungskräfte und angehende Entscheider von 20 bis 50 Jahren, die bereit sind, einen jährlichen Obolus von 150 Euro zu zahlen. Jedes Clubmitglied kann sich für die Treffen in den kommenden Wochen melden, die es besuchen möchte. Mehr als 15 Teilnehmer werden meist nicht zugelassen.
Vor den Treffen bekommen die angemeldeten Führungskräfte und Unternehmer eine Liste mit den übrigen Teilnehmern zugesandt. Dabei kommt es auf den Branchenmix an, sagt Bohlken. Anfangs hatten sich zunächst nur Anwälte, Ärzte und Architekten für den Club gemeldet. Was die Gespräche nicht unbedingt beflügelte, bedauert der Düsseldorfer Personalberater. Inzwischen lässt er nur noch drei Vertreter pro Berufsgruppe je Lunch zu.
Kontakte im Selbstlauf
Das Kennenlernen und die Gespräche laufen nahezu von allein, so die Erfahrung. Es gilt: Alles kann, nichts muss. Wenn nach anderthalb Stunden die Lunchtreffen zu Ende gehen, sind viele Gespräche meist gerade am intensivsten, beobachtete Bohlken. Viele Teilnehmer treffen sich dann später erneut - zu zweit und in kleineren Gruppen.
Der Nutzen zeigt sich häufig nicht auf den ersten Blick. Es dauert eine Zeit, bis tatsächlich Kontakte und Verbindungen nach allen Seiten entstanden sind, so Bohlken. "Auch eine Spinne webt ihr Netz nicht in ein paar Minuten", sagt er.