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Merken   Drucken   09.01.2011, 21:20 Schriftgröße: AAA

Oberster Strippenzieher: Bahn macht Ex-Aufsichtsrat zum Cheflobbyisten

Exklusiv Die Deutsche Bahn hat einen neuen Cheflobbyisten: Schon zum 1.Januar hat der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Georg Brunnhuber in dem Konzern die Leitung der Abteilung Wirtschaft, Politik und Regulierung übernommen. von Leo Klimm  Hamburg
Die Bahn hat den Führungskräften die Personalie Brunnhuber letzte Woche mitgeteilt. Brunnhuber, der schon seit Sommer als Sonderbeauftragter Politik von Bahn-Chef Rüdiger Grube  fungierte, löst den bisherigen Lobbychef Joachim Fried ab. Fried bleibt im Konzern: Er soll sich weiter um die Kontakte zu den EU-Institutionen kümmern. Ein Bahn-Sprecher bestätigte die Personalie auf Anfrage.
Georg Brunnhuber   Georg Brunnhuber
Der Posten des Cheflobbyisten ist bei der Bahn noch wichtiger als in anderen großen Unternehmen - als bundeseigener Konzern ist sie besonders auf einen geschickten Umgang mit der Politik angewiesen: Einerseits hängt von guten Beziehungen zu Bund und Ländern ein erheblicher Teil der Bahn-Gewinne im Personenverkehr ebenso ab wie Milliardeninvestitionen. Andererseits müssen die Lobbyisten auch darauf achten, dass die Politik die unternehmerischen Spielräume nicht zu sehr einengt, die Grube für sich beansprucht.
Der Job des obersten politischen Strippenziehers hatte bei der Bahn bis 2009 sogar Vorstandsrang - bis Grube den damaligen Amtsinhaber Otto Wiesheu im Zuge des Datenskandals aus der Chefriege entfernte. Grube verzichtete danach auf einen eigenen Politikvorstand. Diese Arbeit könne er selbst mit erledigen, ließ der neue Bahn-Chef anfangs verlauten. In der Praxis übernahm Fried jedoch einen Großteil von Wiesheus Aufgaben - und auch die von Jürgen Illing, bis zur Datenaffäre Chef der Abteilung Politische Beziehungen.
Brunnhuber wurde schon für seinen Einstieg bei der Bahn im vergangenen Jahr kritisiert. Die Initiative Lobbycontrol beanstandete den Wechsel von der Politik zum Unternehmen wegen des "Drehtüreffekts". Denn bis März 2010 amtierte der Schwabe als Aufsichtsrat des Konzerns und war damit für die Kontrolle des Vorstands zuständig. Der Wechsel aus dem Gremium in das operative Geschäft hatte für manche Bahn-Kenner daher ein Geschmäckle. Als Sonderbeauftragter musste Brunnhuber unter anderem zum Versagen der Klimaanlagen in ICEs Stellung nehmen.
Der Ex-Bundestagsabgeordnete, der sich als Verkehrspolitiker jahrelang vehement für das umstrittene Megaprojekt Stuttgart 21 eingesetzt hatte, ist nun vor allem für die Beziehungen zur Bundesregierung zuständig. Fried - der im vergangenen September vor DB-Führungskräften erst seinen Komplettrückzug aus gesundheitlichen Gründen angekündigt hatte - kümmert sich weiter um sein Lieblingsthema, die Einflussnahme auf die europäische Bahnpolitik. Zudem ist er in die Geschäftsführung des Agv MoVe eingetreten, des Arbeitgeberverbands der Bahn.
Da Brunnhuber wie Fried 62 Jahre alt ist, wird auch er bei der Bahn nicht als Dauerlösung angesehen. Als wahrscheinlich gilt, dass das Duo gut zwei Jahre in dieser Konstellation zusammenarbeitet. Gute Chancen auf die Nachfolge hat dann Frank Miram, der bisher schon Frieds Kronprinz war. Miram, heute für alle Fragen um Wettbewerb und Regulierung zuständig, erhält jetzt den Titel des Ständigen Vertreters von Brunnhuber - und das Recht, direkt an Bahn-Chef Grube zu berichten.
  • Aus der FTD vom 10.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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