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Merken   Drucken   01.04.2007, 13:02 Schriftgröße: AAA

Profil: Wie Bradford zu punkten versucht

Die Bradford University School of Management ist eine wenig bekannte Größe und bleibt oft unbeachtet. Dabei spricht viel für ein Studium an dem Institut. von James Wilson (London)
An der Bradford University School of Management kann man durchaus zufrieden sein: Trotz des immer stärker werdenden Wettbewerbs konnte die oft übersehene Schule vergangenes Jahr 156 Personen zu ihrem MBA-Vollzeitprogramm begrüßen - doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Bradfords MBA-Programm sei mittlerweile das größte in Großbritannien, behauptet der außerordentliche Dekan David Spicer.
Warum Bradford? Die Universität hat sich in der Vergangenheit nicht sehr profiliert, und auch die Stadt gilt nicht gerade als angesagt. Doch die Management-Schule befindet sich in einem besseren Vorort von Bradford unweit der wunderbaren Landschaft der Yorkshire Dales. MBA-Rankings bestätigen den guten Ruf der Schule: In der Rangliste der FT zu Vollzeitprogrammen rangiert Bradford in den Top 10, weltweit schafft es das Programm auf Rang 70. Unter den European Business Schools erklomm das Institut jüngst Platz acht.
Überschaubare Kosten
Der finanzielle Aspekt macht einen Teil von Bradfords Reiz aus. Die Stadt zählt zu den billigsten Großbritanniens, und beim Preis-Leistungs-Verhältnis liegt der Bradford-MBA mit umgerechnet rund 27.300 Euro auf den vorderen Plätzen. "Ich glaube, in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis stehen wir sehr gut da", sagt Spicer. "Leute, die sich ernsthaft für einen MBA interessieren, werden sehr schnell feststellen, dass unser Programm international anerkannt und glaubwürdig ist."
Arthur Francis, der Dekan der Schule, sagt, die geringe Beachtung Bradfords sei für den internationalen Markt nicht unbedingt ein Problem. Dass Bradford nicht in aller Munde ist und die Schule daher nicht ganz so teuer, "spielt uns in gewisser Weise in die Hände", sagt er. "London hat den Nachteil, dass es sehr teuer ist."
Ein Jahr Arbeitserlaubnis inklusive
Studenten hören eine Vorlesung   Studenten hören eine Vorlesung
Ein weiterer Faktor für Bradfords Beliebtheit ist die Tatsache, dass das Institut auf der Liste des britischen Finanzministeriums der 50 besten Schulen weltweit steht. Das bedeutet, dass jeder, der von außerhalb der EU stammt und seinen MBA in Bradford absolviert hat, nach dem Abschluss zwölf Monate lang in Großbritannien arbeiten darf. Ausländische Studenten sind für das MBA-Programm in Bradford sehr wichtig. Dieses Jahr stammt rund ein Drittel der Neuzugänge aus Indien. Vor drei Jahren seien es ebenso viele aus China gewesen, sagt Francis.
Ihm zufolge hat die Schule in den vergangenen sieben bis acht Jahren ihren Ruf gefestigt. Der Umsatz hat sich verdoppelt, und Bradford beabsichtigt, den Campus bis 2009 zu vergrößern. Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte umfassen Zwei-Tages-Kurse, die Francis zufolge bei lokalen Unternehmen gut ankommen.
Fernstudium und Partnerschaften
Überdies gewinnen Fernstudiengänge für Bradford an Bedeutung. Dieses Jahr startet das Institut ein Programm für Studenten in Malaysia. Dabei sorgt ein Partner vor Ort für Unterstützung bei Rekrutierung, Marketing und Übungen. Auch in Singapur und Hongkong unterhält die Schule Partnerschaften, die Bradford jährlich 140 Studenten bescheren.
Auch Bradford hat erkannt, dass der technologische Wandel Möglichkeiten für das Fernstudium eröffnet, allerdings wird noch experimentiert, um die optimalen Methoden herauszufinden. Bradford hat Diskussionsforen für Studenten eingerichtet und Vorlesungen lassen sich im MP3-Format herunterladen. Bradford will dies durch Elemente wie Videokonferenzen zwischen kleinen Studentengruppen und Tutoren ergänzen. Damian Ward, zuständig für das Fernstudienprogramm, sagt: "Kann man die Technologie nutzen, um eine intelligente Lernerfahrung zu schaffen, gehen wir allmählich in eine Richtung, die für unsere Studenten attraktiver ist."
Soft Skills und persönliche Entwicklung im Blick
Bradfords Mantra lautet, dass Studenten, "einen MBA" mittels gemeinsamer Kernfächer erwerben sollen. Das Programm wurde so verändert, dass auch die "weicheren" Fähigkeiten der Studenten entwickelt werden. Mit der Hilfe eines persönlichen Tutors müssen die Studenten ein Portefeuille ihrer persönlichen Entwicklung zusammenstellen. "Die Leute sollen damit eine Struktur und einen Rahmen erhalten, um ihre persönliche Entwicklung über den MBA zu betrachten", sagt Spicer. "Es hat sich gezeigt, dass diejenigen, die am meisten aus dem MBA herausgeholt haben, die Studenten waren, die das MBA-Studium als eine Entwicklungsübung wahrnahmen. Es ist eine Möglichkeit, die persönliche an die Arbeitsentwicklung zu knüpfen."
Für die Zukunft gibt sich Bradford sehr optimistisch. Francis ist der Ansicht, dass das Fernstudium im In- und Ausland ein enormes Expansionspotenzial birgt. Sri Lanka, Trinidad und Dubai sind mögliche Expansionsziele für den MBA per Fernstudium. Bradfords Ziel ist es, die Zahl der Kandidaten für einen Vollzeit-MBA bei 100 zu halten. "Wenn die Leute hierher kommen, wissen sich alle gut zu verkaufen - der Campus, der Standort und die Einrichtungen machen sich alle sehr gut", sagt Spicer. "Die Herausforderung besteht darin, die Leute in die Stadt und in die Schule zu locken", sagt er.
  • FTD.de, 01.04.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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