Zwar entlassen die deutschen Justizprüfungsämter Jahr für Jahr rund 10.000 Volljuristen in die Welt der messingfarbenen Türschilder. Die wenigsten haben in beiden Staatsexamen eine Prädikatsnote, also mindestens neun Punkte, erreicht. Doch weil den Großkanzleien die Besten gerade gut genug sind, und die Konjunktur für lukrative Mandate sorgt, herrscht trotzdem Personalnot in den oberen Sphären der deutschen Kanzleilandschaft.
Diese Not sorgt bei den Einstiegsgehältern für eine erkleckliche Anzahl von Nullen. Freshfields hat angekündigt, den Berufseinsteigern ab November noch einmal mehr zu zahlen. Lag das Einstiegsgehalt 2006 zwischen 80.000 und 95.000 Euro, sollen es jetzt bis zu 100.000 Euro sein. Hinzu kommen noch je nach Leistung Bonuszahlungen.
Früher ansetzen als die Großen
"Freshfields ist in Deutschland Marktführer. Wir sind der Meinung, dass wir dann auch bei den Gehältern in der Spitzengruppe sein sollten", sagt Partnerin Stephanie Hundertmark. Auch Linklaters zahlt seinen Anwälten im ersten Berufsjahr ab November 10.000 Euro mehr. Das Grundgehalt summiert sich dann auf 95.000 Euro. Hinzu kommt ein Bonus, der sich in den ersten drei Jahren am Gesamterfolg der Kanzlei orientiert. Er steigt ab dem vierten Berufsjahr mit dem Grundgehalt ebenfalls an. Bei Hengeler Mueller beraten die Partner demnächst über eine weitere Erhöhung. Derzeit bekommt ein Associate, der auch noch den Master vorweisen kann, 90.000 Euro. "Kanzleien, die ihren Anfängern 70.000 Euro zahlen, müssen sich jetzt etwas einfallen lassen oder ihre Anforderungen herunterschrauben", sagt Recruiting-Expertin Brünjes.