Vertrauen und RespektKann das gutgehen? In der Tat, zunächst folgt Michel brav, als hätte er gar nicht bemerkt, dass nun die Leinen los sind. Doch am vorletzten Poller bleibt er stehen. "Nö", scheint es aus den großen schwarzen Augen zu sprechen. "Ich find's hier spannender, geh du schon vor."
Nun sind Pferde keine Hunde. Rufen und Locken jedenfalls lassen den Friesen kalt. Etwas ratlos steht man dann da. Und fühlt sich klein in der großen Reithalle, während die anderen Seminarteilnehmer hinter dem großen Fenster im Kasino stehen und die Szene interessiert betrachten.
"Die Pferde spiegeln ihr Führungsverhalten sofort - ungefiltert, direkt und ohne Verstellung", erklärt Verena Neuse. Die gelernte Betriebswirtschaftlerin leitet die Pferdeakademie. Ihre Seminare finden in einem kleinen Privatstall in der Nähe von Schwarzenbek bei Hamburg statt. Ihre Friesen sind ausgeprägte Herdentiere. Sie vertrauen sich dem jeweiligen Herdenführer an, weil der dann für ihre Sicherheit sorgt.
Währenddessen können sie ungestört das Leben auf der Weide genießen. Dem Chef folgen sie blind. Als Mensch dem Pferd gegenüber diese positive Führungsrolle einzunehmen ist nicht ganz einfach. Auf jeden Seminarteilnehmer reagiert das Pferd unterschiedlich - und zeigt ihm dabei ehrlich, ob es ihm Vertrauen und Respekt entgegenbringt.