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Merken   Drucken   29.12.2007, 10:00 Schriftgröße: AAA

Staatsexamen wie eh und je

Mediziner, Pädagogen und Juristen wehren sich noch immer gegen die Strukturreform. Sie fürchten, dass das Ansehen der Berufe unter der Umstellung vom Examen auf Bachelor und Master leidet. von Lena Rosenthal
Mehr als 60 Prozent der Studiengänge in Deutschland sind bereits auf Bachelor- und Masterabschluss umgestellt. 35 Prozent der Studierenden sind davon kaum betroffen.
Jene Studiengänge, die mit einem Staatsexamen enden, also Jura, Medizin, Pharmazie und Lehramt, sind bisher weitgehend von der Strukturreform ausgenommen. Unter anderem, weil in diesen Fächern der Widerstand groß ist.
Die skeptische Haltung vieler Interessen- und Berufsverbände beruht vor allem auf der Befürchtung, es werde durch den Bachelorabschluss, der nach den Bologna-Kriterien ein erster berufsbefähigender Abschluss sein sollte, zu einer Flut von Billigärzten, -lehrern und Schmalspurjuristen kommen.
Der Weg zum Master in Jura   Der Weg zum Master in Jura
Stimmen gegen weitere Strukturreformen
Dabei soll der Bologna-Prozess, zu dem unter anderem die Umstellung auf die Bachelor- und Masterstruktur gehört, vielmehr für mehr Vergleichbarkeit, Mobilität und mehr Kompetenzorientierung führen.
Die Reform der Approbationsordnung hat im Medizinstudium dazu geführt, dass die klassische Teilung des Studiums in Vorklinik und Klinik aufgehoben wurde. Damit wurden bereits einige Elemente aus dem Bologna-Prozess umgesetzt.
Dabei wollen die Interessenvertreter es belassen. Marburger Bund, Medizinischer Fakultätentag und Bundesärztekammer sprechen sich gegen eine weitere Strukturreform aus, obwohl bisher ohnehin niemand vorhat, damit das Staatsexamen im Medizinstudium abzuschaffen.
Ein neuer Abschluss für die Industrie
"Der Studiengang Medizin ist gerade wegen der letzten Reform absolut ungeeignet für eine Umstellung auf Bachelor-Master-Abschlüsse. Eine Zäsur ließe sich im Medizinstudium nur mit Gewalt finden", sagt Jan Schulze, Vorsitzender des Ausschusses medizinische Ausbildung der Bundesärztekammer. "Wir können es uns außerdem nicht leisten, Studierende durch einen Bachelorabschluss zusätzlich zu motivieren, aus dem Studiengang auszusteigen."
Die hohe Abbrecherquote ist für die Bundesvertretung der Medizinstudierenden dagegen ein Grund für die Umstellung: "Für diejenigen, die nicht Ärzte werden wollen, kann so ein Abschluss geschaffen werden, um in anderen Bereichen wie beispielsweise in der Pharmaindustrie zu arbeiten", sagt Katharina Kulike, Bundeskoordinatorin für medizinische Ausbildung.
Sie lehnt die Strukturreform nicht generell ab: "Wir wollen uns der Diskussion nicht verweigern, sondern unsere Vorstellungen von der Art und Weise der Umsetzung einbringen."

Teil 2: Hauptkritikpunkt - mangelnde Vergleichbarkeit

  • FTD.de, 29.12.2007
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