Studiengebühren gelten in Deutschland als gescheitert. Kein Politiker setzt sich noch ernsthaft für ein Bezahlstudium ein - selbst der CDU fehlen die Argumente. von Svenja Hering, Berlin
Wolfgang Heubisch hat sich noch mal in die Bütt gewagt, vielleicht das letzte Mal, bevor in Deutschland die Studiengebühren verschwinden. Aber soll ihm hinterher keiner vorwerfen, er hätte nicht wenigstens versucht, sie zu retten. "Ohne die Einnahmen aus Studienbeiträgen wären viele Maßnahmen zur Verbesserung der Studienbedingungen nicht möglich", verteidigte der bayerische FDP-Wissenschaftsminister die Gebühren in seinem Land. Und: Sogar die Deutsche Bischofskonferenz befürworte die Gebühren. So weit ist die Diskussion über Studienbeiträge schon gekommen, dass Bischöfe als Gewährsleute herhalten müssen - weil sich sonst kaum noch jemand findet.
Heubisch war diese Woche vor den Bildungsausschuss des Bundestags geladen worden, er sollte über die Erfahrung mit Studienbeiträgen in Bayern berichten. Der Minister kam wie ein Gesandter aus einem exotischen Land; neben Bayern verlangt nur noch Niedersachsen von seinen Studenten einen finanziellen Beitrag zum Studium, in der Regel 500 Euro pro Semester. Alle anderen Bundesländer haben entweder nie Studiengebühren eingeführt oder sie in den vergangenen Jahren wieder abgeschafft. Zuletzt kippte die Campusmaut in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Baden-Württemberg.
Studiengebühren gelten in Deutschland als gescheitert
Kein Politiker, so scheint es, der gewählt werden will, setzt sich noch dafür ein. "Studiengebühren haben keine abschreckende Wirkung auf Studierende, wohl eher auf Wähler", sagt Mathias Winde vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.
Dass sich junge Menschen nicht durch Studiengebühren vom Studieren abschrecken lassen, hatte kürzlich das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) in einer Studie mit dem Titel "War all die Aufregung umsonst?" ermittelt. Das Fazit der Autoren: Die Studierneigung wird durch Studiengebühren nicht gemindert Für die Befürworter der Gebühren eigentlich eine Steilvorlage. Schließlich kommt nur die WZB-Studie zu einem solchen Ergebnis. Doch die Ergebnisse interessierten den Bildungsausschuss wenig. Es scheint mittlerweile egal zu sein, ob die Gebühren überhaupt einen Effekt haben.
Selbst die Bundesregierung kann keine positiven Wirkungen benennen. Die Bundestagsfraktion der Grünen wollte nun von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wissen, welche "messbaren Qualitätsverbesserungen" an den Hochschulen durch die Einführung der Studiengebühren eingetreten seien. Da musste selbst die Ministerin, eine bekennende Gebührenanhängerin, passen. Ihre Antwort: Ich weiß es nicht: "Der Bundesregierung liegen keine Daten zur Qualitätsentwicklungen an Hochschulen vor, die sich monokausal auf die Einführung von Studiengebühren zurückführen ließen."
Auch die Zahl der durch Gebühren finanzierten Stellen an den Unis konnte das Ministerium nicht beziffern. Das konnte immerhin Heubisch. In Bayern waren es 450 Stellen im Jahr 2010. Aber das interessierte dann auch niemanden mehr.
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