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Merken   Drucken   17.06.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Studium und Familie: Wenn Mama in der Vorlesung sitzt

Viele MBA-Studenten haben Partner, Kinder und einen aufreibenden Job. Die meisten deutschen Hochschulen haben sich darauf noch nicht eingestellt. Höchste Zeit umzudenken.
© Bild: 2009 AP
Viele MBA-Studenten haben Partner, Kinder und einen aufreibenden Job. Die meisten deutschen Hochschulen haben sich darauf noch nicht eingestellt. Höchste Zeit umzudenken. von Katharina Grimm
Statt in einem stickigen Hörsaal zu sitzen, wandert die Gruppe der MBA-Studenten von der Hochschule München durch die Tiroler Berge. Abends gibt es ein Gala-Dinner, kein Mensamenü. Und statt anonymer Studentenmassen ist die Familie dabei, die Ehe-, Lebenspartner und Kinder. Das Einführungswochenende soll die Angehörigen für das Studium sensibilisieren, das der Ehepartner gerade aufnimmt. Die Hochschule setzt schon seit vielen Jahren auf ein familienfreundliches Studienumfeld.
Damit bildet sie noch eine Ausnahme in Deutschland. Die Hochschulen entdecken zwar langsam den Markt für berufsbegleitende MBA-Programme. Doch dabei übersehen viele, dass die Studenten nicht mit jungen Erstsemestern zu vergleichen sind. Sie haben häufig einen aufreibenden Job, sind verheiratet, manche haben Kinder. Die Hochschulen müssen inzwischen familienfreundlich sein, flexible Angebote bieten. Ein Trend, der in den USA längst einen Wettbewerbsvorteil ausmacht - die deutschen Hochschulen aber berücksichtigen die Bedürfnisse der MBA-Studenten oftmals nicht.
Studieren mit Kindern - familienfreundliche Business-Schools in den ...   Studieren mit Kindern - familienfreundliche Business-Schools in den USA
Das berufsbegleitende MBA-Studium an der Hochschule München richtet sich an Ingenieure und Naturwissenschaftler. "Der Beruf unserer Studenten ist meist anspruchsvoll und belastend", sagt Jörg Puchan von der Hochschule. Nach drei bis fünf Jahren wollen sich die Ingenieure für Führungsaufgaben qualifizieren. "Krippenplätze und Kinderbetreuung sind nicht das Problem", sagt Puchan. Die Studenten hätten schon durch ihre Berufstätigkeit gelernt, ihr Leben in allen Bereichen zu organisieren. Dass noch ein Studium dazu kommt, stellt die arbeitenden Studenten vor eine schwere Aufgabe.
Hochschulen arbeiten an flexiblen Programmen Das berufsbegleitende MBA-Studium ist für viele Hochschulen in Deutschland noch Neuland. "Die Studenten erwarten Formate, die zur beruflichen und familiären Belastung passen", sagt Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), der auch Professor an der Hochschule Osnabrück ist. Dort versucht man, den Studenten mit flexiblen Studienzeiten entgegenzukommen.
Die Studierenden absolvieren keine Semester, sondern Module. Auch die Gebühren richten sich nach der Anzahl der Studienbausteine. Wer beruflich an Projekten arbeitet, kann so während ruhigerer Phasen im Jahr mehrere Module belegen. Muss der Student sich stärker auf den Beruf konzentrieren, belegt er weniger Module. "Theoretisch kann man auch nur ein Modul pro Semester absolvieren", sagt Ziegele. Das Studium würde sich dann allerdings auf viele Jahre strecken.
Die Uni Potsdam versucht vor allem Studenten mit Kindern den Weg an die Hochschule zu ebnen. "In der Regel sind unsere Studenten zwischen 35 und 50 Jahre alt", sagt Roya Madani, Studiengangsleiterin MBA an der Universität Potsdam. Fast alle ihrer Studenten haben Kinder. Deshalb wurden die Blockveranstaltungen, die alle vier Wochen anstehen, auf Freitag und Samstag gelegt.

Teil 2: Lernen vom angelsächsischen System

  • FTD.de, 17.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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