Blick auf den Campus der Harvard University, zu der die Harvard Business School gehört
Man müsste schon aus Stein sein, um über dieses pikante zeitliche Aufeinandertreffen nicht amüsiert zu sein: Hier in der geistigen Heimat der Herren des Universums konnten die Ehemaligen nur zusehen, wie eben dieses Universum Gefahr lief zu implodieren.
Die Turbulenzen schienen so gar nicht ins Arkadien der HBS zu passen. Die Business School wurde in den 20er-Jahren in Boston auf Sumpfland erbaut und erstreckt sich mit 33 Gebäuden auf über 16 Hektar. Seit Jahrzehnten kommen die besten Studienabsolventen an die HBS, um den so wichtigen Passierschein für eine Karriere bis ganz an die Spitze zu erhalten: den Harvard-MBA.
Fallstudien als Markenzeichen
Die HBS bietet eine ernsthafte rigorose Wirtschaftsausbildung. Kernelement dabei ist die Fallstudie, eine kondensierte Geschichte zu einem bestimmten Strategieproblem, mit dem es Unternehmen und Organisationen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Vergangenheit zu tun hatten.
Die Studierenden müssen sich auf die Diskussion über die Fallstudien gründlich vorbereiten. Bei der Benotung konzentrieren sich die HBS-Dozenten auf Leistungen und Beiträge der Studierenden während des Unterrichts. Dieser Aspekt ist mindestens so wichtig wie die zu schreibenden Klausuren. So erlernen die HBS-Absolventen zu analysieren und für eine Sache einzutreten, also eben die Fähigkeiten, die von künftigen Arbeitgebern so geschätzt werden. Es ist eine "Lernerfahrung, keine Lehrerfahrung", sagt Dekan Light. Studierende und Dozenten sollten voneinander lernen. Hier werden Freundschaften und Verbindungen geknüpft, die ein Leben lang halten.
HBS-Absolventen waren dabei
Führt diese Hochdruck-Lernmethode nicht aber auch zu einer gewissen Vermessenheit? Zweifellos sind sich die meisten HBS-Absolventen bei Verlassen der Schule sehr wohl ihres eigenen Werts und ihrer Fähigkeiten bewusst. Sie wurden nicht zum Scheitern ausgebildet. Ebenso zweifellos steht fest, dass HBS-Alumni im Zentrum der Welt des Investmentbanking und der Strategieberatung mitgewirkt haben - den beiden Bereichen, denen nun vorgeworfen wird, das weltweite Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geführt zu haben.
In seiner Eröffnungsrede ging Light auf diesen Vorwurf ein. Mit Hinblick auf die aktuellen Marktturbulenzen räumte er ein: "Keiner von uns hat erkannt, wie sehr sich das System verändert hatte." Gleichzeitig stellte er der HBS diese Herausforderung: "Wir müssen Teil der Lösung sein."
Einige Ehemalige waren sofort mit Lösungsvorschlägen zur Stelle. John Doerr, Wagniskapitalgeber für die Hightech-Branche, sagte, eine neue Herangehensweise an die Wirtschaft sei gefordert. "Man kann ein Rettungspaket für die Wirtschaft schnüren, aber nicht für die Umwelt", sagte er. "Amerika hat sich von China Geld geliehen, um im Nahen Osten Öl zu kaufen, das es verbrennen kann. Dieses Modell 'Leihen, Kaufen, Verbrennen' muss sich ändern." Das war die nüchternste Herausforderung, die während der Veranstaltung von orthodoxen HBS-Jüngern geäußert wurde.