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Merken   Drucken   23.01.2008, 08:00 Schriftgröße: AAA

Unternehmen setzen auf Ex-Mitarbeiter

Ehemalige Angestellte sind bei deutschen Unternehmen wieder willkommen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels in Deutschland entsinnen sich immer mehr Chefs der Fähigkeiten und Kenntnisse früherer Mitarbeiter. Deshalb lohnt es sich für Beschäftigte, bei einem Arbeitsplatzwechsel im Guten zu scheiden. von Sabine Meinert
Rund 81 Prozent der deutschen Unternehmen geben einem ausgeschiedenen Belegschaftsmitglied eine neue Chance zur Wiedereinstellung. Das zeigt eine internationale Studie des Personaldienstleisters Robert Half Finance & Accounting. Allerdings behalten sich die Entscheider eine gründliche Prüfung des Kandidaten vor.
Noch stärker ist die Gesprächsbereitschaft bei Bewerbungsanfragen Ehemaliger in der Schweiz und Australien – mehr als 90 Prozent der Führungskräfte setzen hier auf einstige Kollegen. Weniger gefragt sind die Rückkehrer dagegen in Italien und Luxemburg. Dennoch gilt: Weltweit würde fast jeder dritte Personal- und Finanzmanager ehemalige Kollegen ohne Vorbehalte wiedereinstellen.
Zum Vorteil für die Firma
Der Erhebung zufolge hat eine Mehrheit der Unternehmenslenker erkannt, dass etwas getan werden muss, um ein Abwandern qualifizierter Fachkräfte zu verhindern. Um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden, wollen 55 Prozent der befragten deutschen Führungskräfte Maßnahmen für ein positives Arbeitsklima umsetzen. Gut jeder fünfte Chef in Deutschland versucht zum Beispiel, die Angestellten in Entscheidungen einzubeziehen. In Frankreich und Großbritannien ist das für Führungskräfte dagegen eher keine Option – nur vier beziehungsweise sechs Prozent erwägen dort einen solchen Schritt.
Noch mal vorstellig werden beim Ex-Arbeitgeber? Kein Problem!   Noch mal vorstellig werden beim Ex-Arbeitgeber? Kein Problem!
„Natürlich haben diejenigen Kandidaten die besten Chancen, die vor ihrem Wechsel einen ausgezeichneten Eindruck beim Arbeitgeber hinterlassen haben“, so Sven Hennige, Regionaldirektor Central Europe bei Robert Half.
Doch auch für die Unternehmen kann die Rückkehr Vorteile bringen, betont der Personalmanager. „Gerade junge High Potentials möchten Erfahrungen in unterschiedlichen Unternehmen sammeln, bevor sie sich langfristig binden. Entscheiden sie sich dann bewusst für eine Rückkehr, ist das die beste Voraussetzung für eine langfristige Zusammenarbeit. Zusätzlich kennen sie ihr Arbeitsfeld aus unterschiedlichen Perspektiven – wertvolles Know-how, von dem jeder Arbeitgeber profitiert.“ Gegenangebot für Abwanderwillige
In Deutschland geben Chefs zu, schon dann aktiv zu werden, sobald ein Mitarbeiter Trennungsabsichten äußert. Eine Mehrheit (58 Prozent) versucht, einer Kündigung mit einem Gegenangebot entgegenzuwirken. Fest angestellte Fachleute sollten deshalb nicht sofort bei einer Abwerbung durch konkurrierende Firmen zusagen. Gerade wer sich beim aktuellen Arbeitgeber wohl fühlt, sollte das offene Gespräch mit seinem Chef suchen, legt die Studie nahe. Auch in Tschechien und Italien bemüht man sich mehrheitlich, die Leistungsträger umzustimmen. In Luxemburg wollen Vorgesetzte dagegen nicht so häufig neu verhandeln.
Weiterbildung zählt im Poker um qualifizierte Mitarbeiter immer mehr   Weiterbildung zählt im Poker um qualifizierte Mitarbeiter immer mehr
In Deutschland versuchen Führungskräfte die Abwanderwilligen häufig auch mit Weiterbildung zum Bleiben zu bewegen. 83 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten dies für ein gutes Mittel zur Mitarbeiterbindung. Lebenslanges Lernen könne talentierte Fachkräfte sogar langfristig im Unternehmen halten, sind sie wie ihre Kollegen aus der Schweiz und der Tschechischen Republik überzeugt.
Immerhin 55 Prozent der deutschen Manager sieht auch eine positive Unternehmenskultur als wichtiges Kriterium, mit dem Mitarbeiter gehalten werden können. In anderen Industrienationen ist das wesentlich weniger oft der Fall - durchschnittlich 27 Prozent.
Die Studie "Workplace Survey" ermittelte im Auftrag von Robert Half Management Resources Karrieretrends und Entwicklungen im Finanz- und Rechnungswesen. Für den Themenkomplex „Zweite Chance für Ex-Kollegen“ wurden etwa 2400 Finanzmanager aus 13 Ländern befragt.
  • FTD.de, 23.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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