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Merken   Drucken   22.06.2007, 13:00 Schriftgröße: AAA

Viel Schein, wenig Sein

Der Ruf des MBA-Titels leidet in Deutschland darunter, dass die Akkreditierungs-Agenturen keine inhaltlichen Vorgaben machen. Sie verfehlen das Ziel, die Qualität zu sichern. von Bärbel Schwertfeger
Bislang in Deutschland akkreditierte Masterstudiengänge   Bislang in Deutschland akkreditierte Masterstudiengänge
Der Studiengang Executive MBA in Accounting & Controlling vermittelt praxisrelevantes Controlling- und Accounting-Wissen in konzentrierter Form, wirbt die Westfälische Wilhelms-Universität Münster für ihr Programm. Inhalte einer General-Management-Ausbildung - wie sie ein gutes MBA-Studium bieten sollte - sucht man jedoch vergebens. Trotzdem hat die Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur (Zeva) das Programm akkreditiert und damit das Gütesiegel des Deutschen Akkreditierungsrats verliehen.
Das ist die wundersame Welt der deutschen Akkreditierung. Um die Qualität der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge sicherzustellen, schufen Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz 1999 den Akkreditierungsrat. Dieser wiederum übertrug die Akkreditierung an mehrere von ihm akkreditierte Agenturen.
Im Bereich Wirtschaft sind das neben der Zeva drei weitere Agenturen: Acquin, Aqas und Fibaa. Geplant war, dass neue Studiengänge von den Ministerien nur dann genehmigt werden, wenn sie auch akkreditiert sind. Doch weil Bildung Ländersache ist, fährt jedes Bundesland seinen eigenen Kurs, manche haben sogar noch eigene Evaluierungsagenturen.
Akkreditierter Etikettenschwindel
Inhaltliche Vorgaben gibt es bei der Akkreditierung von MBA-Programmen nicht. "Damit würden wir die Hochschulen doch entmündigen", sagt Armin Hopbach, Geschäftsführer des Akkreditierungsrats. Die Agenturen dürften daher keine formalen Vorgaben machen, sondern nur prüfen, ob die Inhalte adäquat zum Studienziel sind. Ist das Ziel etwa, Manager für den deutschen Markt auszubilden, genügt ein rein deutschsprachiger Unterricht.
Beim Anteil der General-Management-Inhalte gibt es daher keine Vorgaben. "Unsere Gutachter prüfen schon, ob ein MBA-Studiengang auch genug generalistische Inhalte hat", sagt Frank Wullkopf, wissenschaftlicher Referent bei der Zeva. Doch leider gebe es immer mehr Hochschulen, die ihre fachspezifischen Studiengänge mit dem Label MBA versehen.
Die "Nominationspräferenz" - also die Wahl der Bezeichnung des Studiengangs - liege jedoch bei den Hochschulen. Die Agenturen müssten nachweisen, dass der Begriff falsch ist. "Das ist recht schwierig", sagt Wullkopf. Er bestreitet nicht, dass es hier längst einen "akkreditierten Etikettenschwindel" gibt.

2. Teil: Die Qualität der Gutachter beeinflusst die Bewertung

  • FTD.de, 22.06.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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