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Ob Spezialisierung, Marketing oder Ausbildung - es hat sich einiges getan in Kanzleien und Hörsälen. Welcher Fachanwalt besonders gefragt ist, warum Kanzleien Mütter einstellen und wann die Selbständigkeit Sinn macht, lesen Sie hier.

Merken   Drucken   11.04.2006, 07:00 Schriftgröße: AAA

Von Berufs wegen benachteiligt

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fällt Anwältinnen besonders schwer. Je nach Rechtsgebiet und Kanzleigröße können sich unüberwindliche Hürden auftun. Jetzt entdecken Arbeitgeber Vorteile darin, Mütter einzustellen. von Melanie Amann
Regionale Unterschiede bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf   Regionale Unterschiede bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Ist der Rechtsanwaltsberuf familienfeindlich?", hieß es 2001 in einer Umfrage des Deutschen Anwaltvereins unter seinen weiblichen Mitgliedern. Zwei Drittel der Teilnehmerinnen antworteten mit ja.
"Viele haben völlig frustriert reagiert", erinnert sich Malaika Ahlers, Geschäftsführerin beim DAV, die den Fragebogen erstellt hat. Vom Verlust wichtiger Mandate bis zur Unerreichbarkeit des Partnerschaftsstatus für Mütter reichten die Klagen in den rund 1000 ausgewerteten Bögen.
Zeitmanagement und Familienorganisation
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fällt Frauen in Deutschland allgemein nicht leicht, für Rechtsanwältinnen ist sie ein ausgemachtes Problem. Die Öffnungszeiten von Kindergärten richten sich fast nie nach Gerichtsterminen, Mandantengesprächen oder Fusionsverhandlungen.
Je komplexer ein Mandat ist, umso schwerer lässt es sich in Teilzeit betreuen. Aber auch kleine Kanzleien mit überschaubaren Aufträgen haben es schwer: Fällt eine Partnerin aus, ist für die wenigen Mitstreiter schnell die Belastungsgrenze erreicht.
Zu der Frage, wie Sozietäten im allgemeinen und Rechtsanwältinnen im Besonderen mit diesem Thema umgehen, gibt es kaum empirisches Material. Dabei sind immerhin 27 Prozent der in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälte Frauen, und die Tendenz steigt.
2004 stellten Frauen rund 40 Prozent der neu zugelassenen Anwälte. Speziell für Anwältinnen hat der DAV im Mai 2004 eine eigene Arbeitsgemeinschaft eingerichtet, die sich unter anderem mit Themen wie "Zeitmanagement und Familienorganisation" befasst.
Anwaltskanzleien / Organisation lohnt sich   Anwaltskanzleien / Organisation lohnt sich
Vereinbarkeit hängt vom Rechtsgebiet ab
Mit welchen Modellen Kanzleien auf die Mutterschaft ihrer Angestellten reagieren, hängt nicht nur von ihrer Größe ab, sondern auch von dem Rechtsgebiet, das die jeweilige Anwältin betreut. "Wer im Bereich M&A arbeitet, kann keine festen Arbeitszeiten erwarten", sagt Christine Oppenhoff, Partnerin bei der Kanzlei Linklaters in Frankfurt am Main und Mutter von zwei Kleinkindern.
Sie habe ihre Arbeitszeit zwar auf 65 Prozent reduziert, "tatsächlich dürfte sie deutlich über 75 Prozent liegen". Mandanten und Kollegen dürfen Oppenhoff auch spät Abends noch zu Hause anrufen, trotzdem hat sie zuweilen ein schlechtes Gewissen, wenn sie die Kanzlei in dem Bewusstsein verlässt, dass die Kollegen bis in die Nacht bleiben.
Noch schwerer wiege das schlechte Gewissen den Kindern gegenüber. "Der Preis für den spannenden Beruf ist, dass meine Tochter mich am Telefon fragt, warum ich nicht zu Hause bin."

Lesen Sie mehr mögliche Arbeitszeitmodelle für Eltern

  • FTD.de, 11.04.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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