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Merken   Drucken   20.10.2008, 13:55 Schriftgröße: AAA

"War for Talents": Top-Nachwuchs geht lieber ins Ausland

Die großen europäischen Industrienationen haben im Wettstreit um die Spitzenabsolventen von Universitäten und Hochschulen schlechte Karten. Bereits jeder achte hat sein Land für einen neuen Job verlassen. Umgekehrt kommen jedoch zu wenige Spezialisten. von Sabine Meinert
Eine Studie des Karrieredienstleisters Experteer kommt zum Fazit: Den "War for Talents" haben Deutschland, Frankreich und Großbritannien bereits verloren. Immer mehr Führungskräfte wandern aus den führenden europäischen Ökonomien ins Ausland ab - deutlich mehr als der Zuzug an Topkräften den Ländern bringt.
Noch viel stärker trifft es jedoch die osteuropäischen Länder. Hier wirkt sich besonders stark aus, dass in westlichen Staaten qualifizierte Arbeit deutlich besser bezahlt wird und auch der Lebenskomfort den des Heimatlandes derzeit noch übertrifft.
Gefragt: Berater, Banker, IT-ler
Besonders in der Beratungsbranche, bei Banken und Finanzinstituten oder IT-Unternehmen heuern die Top-Talente gern an. Immerhin 13 Prozent der europäischen Führungskräfte haben der Studie zufolge bereits eine Stelle im Ausland angenommen. Im Schnitt verfügen sie über fünf Jahre Berufserfahrung. Etwa ein Drittel arbeitet als Manager oder Abteilungsleiter.
Finden Topkräfte nicht nur des Geldes wegen erstrebenswert: Idylle ...   Finden Topkräfte nicht nur des Geldes wegen erstrebenswert: Idylle in den Schweizer Alpen
Und wohin zieht es die besten Nachwuchskräfte? - In die Schweiz. Aber auch die Niederlande, Belgien und Spanien sind interessant für karrierebewusste Spitzenkräfte. Deutschland verliert dagegen deutlich - fast zehn Prozent seiner Top-Talente büßt die Wirtschaft ein. Damit steht die Bundesrepublik im Vergleich zu allen anderen westeuropäischen Ländern am schlechtesten da, so das Fazit der Untersuchung.
"Die besten Köpfe Deutschlands sind mobiler als noch vor ein paar Jahren und eher bereit für den nächsten Karriereschritt in ein anderes Land zu ziehen", sagt Dr. Christian Göttsch, Geschäftsführer von Experteer. Weitere Verlierer seien Frankreich mit neun Prozent und Großbritannien mit acht Prozent abwandernden Spitzenkräften.
Gutes Geld in Deutschland
Auffällig: Deutschland punktet innerhalb Europas mit den höchsten Gehältern. Führungskräfte, die im Ausland arbeiten wollen, müssen sich auf geringere Bezüge als zuhause einstellen. Wer sich dennoch über die Grenzen wagt, kann in der Schweiz am besten verdienen. Im mittleren Management werden die höchsten Gehälter dagegen in Frankreich, Großbritannien und Italien gezahlt. Erwarten können Spitzenkräfte im Ausland zwischen 50.0000 und 75.000 Euro im Jahr.
Länder mit höherem Gehalt als der europäische Durchschnitt (nach Karrierelevel)
Geschäftsführung Großunternehmen: Deutschland
Geschäftsführer Mittelstand: Schweiz, Deutschland
Business Unit Leiter: Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien
Bereichsleiter/Senior Manager: Deutschland, Frankreich, Großbritannien
Abteilungsleiter/Manager: Deutschland, Italien, Großbritannien
Senior Fachkraft/Projektleiter: Deutschland, Frankreich, Großbritannien
Fachkraft: Deutschland, Frankreich, Italien
Berufseinsteiger/Trainee: Frankreich, Niederlande
Für die Studie befragte Experteer mehr als 13.000 Angestellte aus 20 europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Schweiz, Spanien, Österreich, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakische Republik, Slowenien, Tschechien und Ungarn) gemeinsam mit dem britischen Marktforschungsinstitut OMIS Research.
  • FTD.de, 20.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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