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Merken   Drucken   08.03.2011, 13:00 Schriftgröße: AAA

Weiterbildung: Information nur einen Mausklick entfernt

Die Mitarbeiter vieler Unternehmen büffeln in der Fortbildung online. Das bringt Karrierevorteile und die Firma spart Kosten und Zeit. Hoch im Kurs stehen Fremdsprachenkurse und die Spezialisierung in einem Fachgebiet. von Michael Sudahl
Englische Vokabeln pauken, Verhaltensregeln für das Flughafenareal üben oder anschauen wie ein Triebwerksteil fachgerecht ausgetauscht wird - seit sechs Jahren setzt SR Technics E-Learning ein. Das Schweizer Unternehmen nutzt Lernsoftware, um Flugzeugtechniker und Manager in allen Bereichen fit für den Job zu machen. Als Dienstleister in der Luftfahrt kümmert es sich um die Wartung von Fliegern und Triebwerken.
E-Learning liegt im Trend   E-Learning liegt im Trend
Die Züricher verwenden Module des E-Learning-Anbieters Skillsoft, um in Produktion und Verwaltung das Know-how der Beschäftigten weiterzuentwickeln. "Damit unsere Mitarbeiter wissen, wie einzelne Bauteile funktionieren, wie diese auszutauschen oder zu bedienen sind, schulen wir sie in virtuellen Trainings", erläutert Personalentwicklerin Tamara Müller. Neue Mitarbeiter absolvieren zum Beispiel gleich zum Arbeitsauftakt einen mehrstufigen Onlinekurs. Dieser erklärt, wie sie sich korrekt und vor allem unfallfrei in Abfertigungshallen oder auf dem Rollfeld bewegen.
Flexible Lernzeiten, flexibles Lernpensum
"Die grundlegenden Sicherheitsregeln zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt am Flughafen arbeiten zu können", sagt Müller. Der Vorteil von E-Learning ist, dass sich die Mitarbeiter nicht an Stundenpläne halten müssen, sondern dann lernen können, wenn sie Zeit dazu haben. Und: E-Learning ist im Schnitt um bis zu 60 Prozent günstiger als vergleichbare Präsenzseminare. Die einzelnen Lernmodule können schnell durchgeklickt werden - oft dauern sie nur ein paar Minuten.
Bei Skillsoft sieht man drei globale Trends, die virtuelles Lernen beschleunigen: Die demografische Entwicklung erschwert die Einstellung von Fachkräften, deshalb müssen die eigenen Mitarbeiter weitergebildet werden. Viele Chefs sehen Personalentwicklung inzwischen als sinnvolle Investition. Und: Steigender Wettbewerb sowie Kostendruck führen dazu, dass die Firmen mit weniger Mitteln bessere Ergebnisse erzielen müssen.
Firmenspezifische Angebote im Intranet
Um präventiv gegen Korruption vorzugehen, hat die Bau-Holding Bilfinger Berger zum Beispiel ein E-Learning-Tool in ihren sieben Teilkonzernen installiert, das jeder der rund 40.000 Mitarbeiter innerhalb von drei Monaten absolvieren muss. Die Beschäftigten warten europaweit Fußballstadien oder Kraftwerke und sind international im Hoch- oder Ingenieurbau aktiv. Mitarbeiter wie Dominik Gerhards pauken deshalb auf einer Lernplattform des Berliner E-Learning-Anbieters Digital Spirit strafrechtliche Folgen, falls Firmenrichtlinien nicht eingehalten werden. Das Lernprogramm wird online absolviert. Es muss deshalb nicht auf den Firmencomputern oder im Intranet installiert werden.
Der Vorteil von Software-as-a-Service (SaaS) gegenüber der hausinternen Programminstallation: "Oftmals halbieren sich die Kosten dadurch", sagt Patrick Illing, Marketingbeauftragter bei der Firma Digital Spirit. Damit ein E-Learning-Programm auf allen Rechnern einer großen Abteilung läuft, muss die Softwareausstattung jedes PC einheitlich sein. "Das ist fast nie der Fall und deshalb treten beim Implementieren der Lernsoftware ins Intranet oder auf die einzelnen Computer immer Schwierigkeiten auf", sagt Illing. Das verursacht unkalkulierbare Kosten. Deshalb nehmen mittlerweile viele Anbieter die Abkürzung übers Internet, um nichts installieren zu müssen.
Maßnahmen, mit denen Unternehmen dem Fachkräftemangel mehr als ...   Maßnahmen, mit denen Unternehmen dem Fachkräftemangel mehr als bisher vorbeugen wollen
Digitaler Webservice
Anders geht dieses Problem die Firma Digital Publishing aus München an. Weil Banken, Militär und Raumfahrtbehörden oftmals keine Lernprogramme auf Computer laden dürfen, funktioniert das Sprachprogramm per USB-Stick. Der Datenaustausch mit den Betreuern läuft wiederum per digitalem Webservice, wofür nur wenige Minuten lang Webzugang benötigt wird.
Auch Speditionen mit einheitlichem Betriebssystem nutzen Online-E-Learning. Kollegen in Logistiknetzwerken mit zigtausenden Mitarbeitern müssen vom ersten Tag an wissen, was Gefahrgüter sind oder in welchen europäischen Ländern Zollpapiere notwendig sind. Um diese Fragen beantworten zu können, klicken sich Mitarbeiter der Cargoline, eines europaweiten Verbunds mittelständischer Logistiker, durch E-Learning-Kurse der Firma Eikona aus Volkach. "Früher haben wir jährlich 30 Mitarbeiter auf mehrtägige Schulungen geschickt", sagt Iris Neumeister, Beauftragte für E-Learning beim süddeutschen Speditionsunternehmen Wackler, das zu Cargoline gehört. Diese Leute waren dann bis zu fünf Tage abwesend. Mittlerweile gehen pro Jahr nur noch 15 Kollegen auf Führungsseminare. Etwa 20 Prozent Arbeitszeit und Reisekosten spart das Unternehmen dadurch. "Der Vorteil ist, dass den Mitarbeitern Wissen zur Verfügung steht, sobald sie es brauchen", sagt Stefan Janssen, Europachef von Skillsoft. Zum Beispiel, wenn ein Beschäftigter Sicherheitsvorschriften nachschlagen muss.
Achtung: Online-Lernen allein reicht nicht
Wackler-Mitarbeiterin Neumeister schneidet Lernpläne exakt auf das Themengebiet der Beschäftigten zu. Die Chefs haben auf einer Matrix die Übersicht, welche Mitarbeiter welche Schulung besucht haben. "Seitdem wir unseren Cargoline-Führerschein eingeführt haben, steigt die Motivation, Kurse zu absolvieren. Denn diesen gibt es, sobald Pflicht- und Kürmodule bestanden sind", berichtet die Speditionskauffrau. Allerdings lässt sich nicht alles online erlernen. Damit Mitarbeiter im Umschlag die Ladung richtig sichern, müssen sie das Ganze praktisch trainieren, an der Ware und am Lkw.
Das Wissensportal im Internet ist für das Unternehmen mittlerweile unentbehrlich. Fehler, Kosten und Laufzeiten von Projekten lassen sich durch die Onlineplattform Schritt für Schritt senken. 6000 Kollegen in ganz Europa geben sich Checklisten und Prozessbeschreibungen innerhalb der Gruppe bereits weiter. Trotz großer Entfernungen ist die Hilfe nur einen Mausklick entfernt. "Oft sind es die kleinen Tipps, die eine Kette von Fehlern verhindern", sagt Neumeister.
  • FTD.de, 08.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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