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Merken   Drucken   06.03.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

Wettbewerb: Vom Wissenschaftler zum Unternehmer

Die "Höhle des Drachen" liegt in der Royal Society in London, Großbritanniens nationaler Akademie der Wissenschaften. Die Juroren des Wettbewerbs "Dragons' Den" (Drachenhöhle) müssen hier über Ideen von Stipendiaten entscheiden - Geschäftsmodelle für wissenschaftsbasierte Unternehmen. von Clive Cookson
Das Imperial College in London   Das Imperial College in London
Die Auswahl hat es in sich: Das erste Geschäftsmodell ist ein Bildanalysesystem zur Einschätzung der Gesichtsbeweglichkeit bei Menschen, die an Lähmungen leiden oder am Gesicht operiert wurden. Beim zweiten geht es um ein Hilfsmittel, mit dem Chemieinformationen aus wissenschaftlicher Literatur extrahiert werden kann. Das dritte will Bilder von Teilchenkollisionen im neuen Cern-Teilchenbeschleuniger verkaufen. Und beim vierten dreht sich alles um ein leichtes Material, das stärker ist als Stahl und für Schutzkleidung und in der Raumfahrtindustrie genutzt werden kann.
Wissenschaft in Beziehung mit der Industrie
Der Wettbewerb "Dragons' Den" war der Höhepunkt eines Programms der Imperial College Business School für die Forschungsstipendiaten der Royal Society. Dies sind einige der brillantesten Wissenschaftler Europas, die fünf Jahre lang finanziell unterstützt werden, um an einer britischen Universität arbeiten zu können.
"Dieses Programm ist eine wichtige Initiative, die den Forschungsstipendiaten hilft, die sich rapide entwickelnde Beziehung zwischen Wissenschaft und Industrie zu verstehen. Und es zeigt ihnen, was es bedeutet, ein unternehmerisch agierender Wissenschaftler zu sein", sagt Peter Williams, Vizepräsident der Royal Society. "Konzipiert wurde es, um unseren Wissenschaftlern zu verdeutlichen, wie ihre Arbeit in die Weltwirtschaft passt. Und es ermöglicht ihnen, darüber nachzudenken, wie Gelegenheiten am besten ausgeschöpft werden können."
Wirtschaftliches Verständnis fördern
Seit 2006 besteht das Programm und läuft in drei dreitägigen Modulen, die über das Jahr verteilt sind. Die erste Einheit, Wissenschaft und die Wirtschaft, analysiert den sich verändernden wirtschaftlichen und politischen Kontext von Forschung. Die Einheit zur Führungseffektivität zeigt auf, wie Forschungsteams geführt werden. Das dritte Modul, wissenschaftliches Unternehmertum, setzt sich genauer mit der Kommerzialisierung der Forschung auseinander, einschließlich Themen wie Finanzierung und Schutz geistigen Eigentums. Höhepunkt des Programms ist schließlich der Wettbewerb "Dragons' Den".
"Forscher, die dieses Programm absolvieren, besitzen am Schluss ein exzellentes Verständnis dafür, was es bedeutet, ein weltweit agierendes wissenschaftsbasiertes Unternehmen zu führen", sagt Williams. "Sie erhalten das Rüstzeug dafür, Branchenführer und Spitzenakteure in der sich entwickelnden Wissenswirtschaft Großbritanniens zu sein."
Wissen, worum es geht
Es gehe aber nicht nur darum, Wissenschaftler zu Unternehmer zu machen, sagt David Gann, Professor für Innovationsmanagement am Imperial College. "Viele der Forschungsstipendiaten bei der Royal Society haben kein Interesse daran, selbst ein Unternehmen zu gründen. Sie müssen aber wissen, welche Fragen sie stellen müssen, wenn andere ihre Forschungsarbeit kommerzialisieren wollen, oder was zu tun ist, wenn sie eine patentierbare Entdeckung machen", so Gann.
Sofia Pascu, eine aus Rumänien stammende Chemikerin, die an der Universität von Bath eine Forschungsgruppe leitet, sagt: "Zu Beginn des Kurses waren wir sehr naiv, wir haben eine Menge gelernt."
Nach Ansicht Ganns ist "naiv" jedoch nicht die richtige Bezeichnung für Wissenschaftler, die den Kurs antreten. "Das Problem ist vielmehr, dass das Bildungssystem ihnen nicht die Zeit gegeben hat, über Dinge nachzudenken, die außerhalb ihres eigenen Wissenschaftsgebiets liegen", sagt er. "Diese Menschen konzentrierten sich voll und ganz auf ihr eigenes Gebiet."

Teil 2: Den Blick auch nach außen richten - lesen Sie weiter.

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