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Merken   Drucken   28.10.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Wichtige Karrierehilfe: Wie man Frauen in die Firmenspitze holt

Mit Mentorensystemen kennt sich Anne Bouverot aus. Die Chefin des Bereichs internationale Geschäftsentwicklung beim französischen Mobilfunker Orange France Telecom weiß aus eigener Erfahrung, welchen Nutzen ein Mentor bringen kann. von Alison Maitland
Bouverot steht vor der Berufung in den Aufsichtsrat des französischen Versicherers Groupama. "Ich bin überzeugt, die Gespräche mit meinem Mentor und seine Ratschläge haben wesentlich zum Erfolg beigetragen", sagt sie.
Seit zwei Jahren trifft sich Bouverot mit Philip Hampton, dem Chef des britischen Einzelhändlers Sainsbury. Die Treffen sind Teil des Programms FTSE 100 Cross-Company Mentoring. "Er hat sehr offen über spezielle Beispiele geredet, etwa über die Nachfolgeregelung bei BP und die Lecks im Board bei Hewlett-Packard", sagt Bouverot. Außerdem habe er allgemeinere Dinge erklärt. "Für jemanden wie mich in einer Managementposition und mit Erfahrung in einer bestimmten Branche ist das besonders wichtig, da ich so besser verstehe, wie sich Aufsichtsratsposten in verschiedenen Industriezweigen unterscheiden", sagt Bouverot.
Unterschätztes weibliches Potenzial
Im Jahr 2000 stellten Frauen sechs Prozent der Direktoren in FTSE-100-Unternehmen. Vor vier Jahren wurde das Mentorenprogramm ins Leben gerufen, um diese Schieflage zu korrigieren. Inzwischen ist der Frauenanteil auf zwölf Prozent gestiegen. "Es ist von großer Bedeutung, die Geschwindigkeit des Wandels zu erhöhen", sagt Hampton. "Meine Mitmentoren und ich sind der Ansicht, dass wir die besten zur Verfügung stehenden Talente benötigen - in einer Wirtschaftskrise wie dieser umso mehr - und dass sich die Mitwirkung von Frauen positiv auf die Boardkultur auswirkt."
Vom Mentorenprogramm profitieren beide Seiten. "Vom Start weg war Hampton sehr offen und lernbereit", sagt Bouverot. "Er hat mir viele Fragen darüber gestellt, wie das Leben als Frau in der Unternehmenswelt so ist."
Aufstieg bis in den Aufsichtsrat
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Bislang 52 Frauen hatten einen Mentor, und sie haben einiges erreicht. Acht seien ins Board ihres FTSE-100-Unternehmens aufgestiegen, vier säßen inzwischen bei anderen FTSE-Konzernen im Aufsichtsrat, sagt Peninah Thomson. Sie leitet im Auftrag des Coaching-Unternehmens Praesta das Mentorenprogramm.
Frauen könnten sich durch das Programm mehr Vertrauen in ihre eigenen Leistungen holen und so ihre selbst gesteckten Ziele besser erreichen, sagt Iain Ferguson, Chef des Süßstoffherstellers Tate & Lyle. Aber auch die Mentoren würden ihren Nutzen aus der Initiative ziehen, so Ferguson. So würden einem Verhaltensmuster klar, die es Außenstehenden erschweren, Einlass in die Gruppe der Spitzenmanager zu finden. "Es kann uns einen langfristigen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wenn wir mit dem Thema Diversität besser umgehen als unsere Konkurrenz", hat Ferguson erkannt.
Wandel geht noch zu langsam voran
Das britische Programm hat ähnliche Initiativen in Frankreich und Kanada nach sich gezogen. Aber reichen derartige freiwillige Schritte aus, den Wandel zu beschleunigen? Die britische Regierung hat unlängst angemahnt, mehr Frauen in die Führungsriege zu berufen, da es beim derzeitigen Tempo ansonsten bis zum Jahr 2050 dauern würde, bis beide Geschlechter gleich stark in den Boards vertreten seien. Spaniens Regierung drängt die Firmen des Landes, den Frauenanteil in den Unternehmensgremien innerhalb der nächsten acht Jahre auf mindestens 40 Prozent zu erhöhen.
In Norwegen existiert bereits eine staatliche Quote. Sie hat im Zusammenspiel mit Mentorenprogrammen und anderen Maßnahmen dazu geführt, dass Frauen mittlerweile mindestens 40 Prozent der Direktorenposten bei börsennotierten Firmen stellen. Vor sechs Jahren waren es noch sechs Prozent.
Weiter richtig: Beziehungen zählen
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Elin Hurvenes leitet das Professional Boards Forum. Bei dieser norwegischen Einrichtung treffen gut qualifizierte und ausgebildete Frauen auf Vorstände und Aufsichtsräte. Ein Jahr lang hat Hurvenes an der Datenbank geeigneter Frauen gearbeitet und sich dabei nicht nur in den Führungsetagen von Firmen umgesehen, sondern auch bei Selbstständigen, bei Unternehmerinnen, im Forschungs- und Entwicklungsbereich und in Behörden. Bislang haben über 1000 Frauen an Hurvenes' Veranstaltungen teilgenommen. "50 Prozent der Frauen, die bei den ersten Terminen dabei waren, bekamen innerhalb eines Jahres eine Board-Stelle", sagt sie. "Es geht sehr stark um Beziehungen."
Sie habe noch keine Angebote für einen Board-Posten erhalten, sagt Lorraine Heggessey, Chefin der TV-Produktionsfirma Talkbackthames, aber sie habe Geduld: "Über Nacht geschieht da nichts. Das ist ein langwieriger Prozess." Ihr Mentor ist Roger Carr, Chef von Cadbury und Centrica, und sie empfindet es als ausgesprochen hilfreich, auf die Geschäftserfahrung und die Verbindungen Carrs zurückgreifen zu können.
Aber ist das Mentorenprogramm nicht eine Art Vorzugsbehandlung? Bouverot verneint das. Es gebe keine Garantien für einen Board-Sitz, das Programm habe keine Quoten, berechtige zu keinerlei Ansprüchen. "Hampton sagte mir, er freue sich darüber, dass ich nicht um Sonderbehandlung als Frau gebeten habe, sondern nur um die Möglichkeit, aufgrund meiner Leistungen und Kenntnisse gerecht beurteilt zu werden", sagt Bouverot.
Quelle: The Financial Times, London
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